Statistik

Hohe Dropout-Quote im Zweit-Studium

9. August 2010, 18:47
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    apa-foto: herbert pfarrhofer

    Aufnahmetest in Wien für das Medizin-Studium: 4384 sind gekommen (hier ins Austria Center), nur 740 haben es geschafft.

Statistiken zeigen: Wer im ersten Anlauf am Studium scheitert, wird meist auch im Zweit-Studium nicht glücklich

Wien - Lucia studiert Kultur- und Sozialanthropolgie - mit mäßiger Begeisterung. Diese eher ausgefallene Studienrichtung ist nur ihre zweite Wahl. Eigentlich wollte Lucia Psychologie studieren. Dort gibt es aber bereits seit 2002 Aufnahmetests.

Lucia hatte sich im Wintersemester 2009/2010 für Psychologie inskribiert, machte den Aufnahmetest und erhielt eineinhalb Monate später das Testergebnis: negativ. Sie musste ein anderes Studium wählen, der große Berufstraum war geplatzt.

So wie Lucia geht es Jahr für Jahr Tausenden, die aufgrund von Zugangsbeschränkungen an den Universitäten ihre Zukunftspläne über den Haufen werfen müssen.

Mehr Voranmeldungen als Plätze

Bei der Psychologie in Wien gibt es auch heuer wieder 1700 Voranmeldungen, Plätze aber nur für 600 Studierende. In Innsbruck und Salzburg ist die Situation noch fataler: Aus geographisch naheliegenden Gründen herrscht auch noch reges Interesse und Andrang aus Deutschland. In Salzburg kommen auf 1000 Voranmeldungen 200 Studienplätze. Nur jeder Fünfte bekommt einen Platz. Das Ministerium begründet die neu eingeführten Zugangsbeschränkungen auch mit dem Anteil ausländischer Studierender: Von 2006/2007 auf 2009/2010 ist etwa in Salzburg der Anteil ausländischer Studierender von 36 auf fast 48 Prozent gestiegen.

Noch schlimmer steht es beim Medizinstudium. Insbesondere der Studienstandort Innsbruck wird alljährlich auch von Interessenten aus Deutschland gestürmt. Mehr als 7700 Testteilnehmer ritterten dieses Jahr um die begehrten Plätze an den drei medizinischen Fakultäten Österreichs. Aber lediglich 1500 dürfen sich über einen Studienplatz in Graz, Innsbruck oder Wien freuen.

Unterfinanzierung

Was passiert mit jenen, die gescheitert sind? Die Zugangsbeschränkungen an den Medizin-Unis haben Auswirkungen auf die Inskriptionszahlen anderer Studienrichtungen. Anstatt Medizin würden die gescheiterten Bewerber dann ähnliche Fächer wie Biologie, Pharmazie oder Psychologie studieren, meint ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer. Vieler jener, die ein Alternativstudium beginnen, brechen dieses bald nach Beginn aber wieder ab. "Ich sehe darin ein großes Problem", sagt Maurer. Das Grundübel sei die "Unterfinanzierung und der Platzmangel an den Universitäten".

Erstmals neu sind heuer Zugangsbeschränkungen bei der Publizistik in Wien und bei der Kommunikationswissenschaft in Salzburg und Klagenfurt. Beim Wirtschaftsrecht an der Wirtschaftsuni in Wien gibt es eine ein- bis zweisemestrige Eingangsphase, an deren Ende ein Auswahlverfahren steht, die so genannte "Knock-Out-Phase".

Anmeldefrist läuft

Die Aufnahmetests für die Publizistik finden am 13. September zeitgleich an den drei Uni-Standorten statt. Die Anmeldefrist läuft noch bis zum 18. August. Fest steht, dass es in Wien für Publizistik nicht mehr als 1123 Studienplätze geben wird. Im vergangenen Studienjahr begannen in Wien aber mehr als 1600 Menschen das Publizistik-Studium.

Zeitliche Koordination

Zumindest die zeitliche Koordination für die Aufnahmetests scheint heuer besser auszufallen als im Vorjahr. Die Zulassungsverfahren sollten alle pünktlich bis zum Studienbeginn beendet sein. Alle Studieninteressenten sollten bis dahin wissen, ob sie nun ihr gewähltes Fach beginnen dürfen. Bei Lucia war das noch nicht der Fall: Ihre Aufnahmeprüfungen fanden erst zu Studienbeginn Anfang Oktober statt - ihr Ergebnis hat sie im November erfahren. Auf die Frage, ob sie sich dieses Jahr wieder für die Aufnahme in Psychologie beworben hätte, antwortet sie: "Nein, mein Traum für das Psychologiestudium ist bereits gestorben." (Thomas Schweinberger, DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2010)

WISSEN
Zahlen und Daten zu den Unis

Mit Stichtag Februar 2010 waren im Wintersemester 2009 insgesamt 273.678 Menschen an Österreichs Universitäten inskribiert. Studentinnen sind mit 53,4 Prozent in der leichten Überzahl, 61.832 der Studierenden sind Ausländer.

Die meisten der Studierenden schrieben sich für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften ein (1.641 Personen). Darauf folgt Biologie (1.091) und Theater-, Film- und Medienwissenschaft (928). Aufnahmsprüfungen gibt es bei den öffentlichen Universitäten momentan in vier Studienrichtungen. Wer Medizin studiert, muss den "EMS-Test" (Eignungstest für das Medizinstudium) bestehen. Bei den Tests zur Zulassung zum Psychologie-Studium wird das formal-analytische Denken geprüft. Bei Publizistik- und Kommunikationswissenschaften gibt es Multiple-Choice-Fragen, künstlerische Studien testen ihre Bewerber auf ihre kreativen Fähigkeiten hin.

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl will nun die Bewerber der überlaufenen Studien in die weniger frequentierten, so genannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) bringen. Sechzig Prozent der Inskriptionen finden in nur zwanzig der insgesamt 203 Uni-Studien statt. Wenig Zulauf gebe es etwa bei Informatikfächern, wo der Bedarf an Arbeitskräften deutlich größer sei als das Angebot. (red)

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FalconX
 
00
16.8.2010, 23:34
Mich wunderts sowieso...

....wie das funktioniert das man 2 Studien gleichzeitig macht. Oder unterscheidet sich mein Studium(eins aus den berühmten MINT-Fächern) so extrem von anderen? Wir haben nämlich keine Zeit auch nur annähernd ein 2tes Studium zeitlich unterzubringen.

fangdenhut
00
11.8.2010, 11:24
Von Psychologie zu KSA zu wechseln

...ist allerdings ein starker Indikator dafür, dass man von vornherein nicht unbedingt die richtige Vorstellung vom Psychologiestudium und den Berufsaussichten hatte (unter der Annahme, dass die zweite Präferenz beim Studium fachlich nahe an der Erstpäferenz liegt).

Je nach Spezialisierungsrichtung in der Psychologie sind die fachlich nächsten Studienrichtungen nämlich (ohne Reihung) Medizin, Statistik, Biologie oder Werbewissenschaft (am ehesten im Rahmen eines BWL-Studiums zu finden). Oder eine nicht-universitäre Ausbildung in Mediation, Gesprächstherapie oä. Insofern scheint sich der vorwärtsorientierte Aufnahmetest, wie in Fr. Spiel kürzlich im Presse-Interview anpries, bewährt zu haben (wenn schon selektiert wird).

aculus populus
 
20
10.8.2010, 14:15
Verschliesst die Unis mit einem dicken Schloß ...

und schmeißt die Schlüsseln in die Donau.
Dann gibs endlich Ruhe...abgesehen davon nur Jus und Medizin lohn sich zu studieren, alles andere bringt fast nix (auch auf dem Arbeitsmarkt, oft Leute mit einer Lehre stehen besser da).
Besser Kurse on Demand anbieten.

kleiner Schelm
00
12.8.2010, 19:36
Mathematiker Ingenieure Naturwissenschaftler ...

stehen oft besser als Juristen oder Mediziner dar.
Und sind am allerseltensten Arbeitslos.

Loxoceles
01
10.8.2010, 18:32

Ich trete dafür ein, das alte "Philosophicum" wieder verpflichtend für alle Studenten einzuführen.

Milchleber
11
10.8.2010, 18:25
Back to the roots

So wie im 18. Jahrhundert.

Philosophie (darunter fiel: Nachdenken über die Wirtschaft [Ökonomie], Nachdenken über die Umwelt [Naturwissenschaft], Nachdenken über den Himmel [Astronomie] etc. ... aber nennen wir es einfach überlaufenes Philosophie-Studium)
Jus
Medizin
Theologie

und Aus

Max Ville
01
10.8.2010, 17:20
Naja

vielleicht lernt man auf der Uni doch sprechen/schreiben/nachdenken über die Welt usw

aculus populus
 
00
11.8.2010, 10:31

Bringt aber nicht viel in der Praxis ... die mächtigsten Menschen der Welt sind meistens ungebildet, skrupellos und oft mit gekauften Uniabschlüsse ... Menschen die überlegen, nachdenken, studieren usw. kommen nicht weit

SagServus
00
10.8.2010, 14:09

Ist das irgendein Zwang das man, wenn man für sein "Traumstudium" keinen Platz bekommt, irgendwas studiert was einen vielleicht gar nicht so interessiert?

Ein nitupsaR
 
00
10.8.2010, 15:05

Va. wundert mich, daß sich kein zweites Fach von Interesse findet. Ich hätt zehn Studienrichtungen gewußt, die mir getaugt hätten.

Marquis
03
10.8.2010, 14:02
Problem der überlaufenen Studien ist meist weiblich

Mal ehrlich, mehr als die Hälfte der Studierende von Publizistik, Psychologie od. KommWissenschaft sind Frauen. In einer hochtechnologisierten Welt wie die unserer, werden aber keine Brigarden an Psychologinnen gebraucht, die es sich in staatsnahen Jobs bequem machen können, sondern gute Techniker, Programmierer, Maschinenbauer, Bauingenieure etc.

Also Mädls interessiert euch endlich für Technik und ihr bekommt einen Studienplatz und danach einen attraktiven gutbezahlten Job. Puppenspielen könnt ihr auch in der Freizeit.

Kantojyrsin
00
11.8.2010, 15:12

Joo, genau. Und außerdem, Konstruktionszeichnungen und Baupläne anfertigen ist im Prinzip eh das Gleiche wie kreatives Malen, also Frauenkram...

die Stimme von Maggie Simpson
00
10.8.2010, 14:21

Bei dem Dauer-HickHack Apple vs. MS vs. Linux vs. Alle anderen wirds bald soweit sein, dass jeder ITler seine persönliche Psycholgin braucht.
Und diese dann nach ein paar Woche ebenfalls eine.
usw usw

sociovation
11
10.8.2010, 13:55
Leute, studierts Technik

Die Welt braucht mehr Ölplattformen!

McDaisy
01
10.8.2010, 15:08
Leute, studierts Politologie

Der STNDRD braucht mehr poster.

aculus populus
 
00
10.8.2010, 14:16
da reicht ne Lehre vollkommen aus

man siehe sich nur den BP-Vorfall an ;)

sociovation
20
10.8.2010, 13:53
Psychologie ist eh nur eine besondere

Form der Mathematik.
Jedenfalls so, wie sie auf Österreichs Unis verstanden wird...

fangdenhut
00
11.8.2010, 11:28

Nicht alles, wo Formeln vorkommen, ist auch Mathematik.

Tatsächlich werden in der Psychologie viele statistische Methoden angewandt. Aber Mathematiker und Statistiker sind Leute, die solche Methoden entwickeln können, Psychologen (und andere Wissenschaftler) wenden sie nur an. Und da liegen Welten dazwischen.

aculus populus
 
02
10.8.2010, 14:18

Mathematik ist eine genaue Wissenschaft.
Psychologie hat nicht viel damit zu tun.

AlphaCentauri
02
10.8.2010, 13:57

Aus ihrem Beitrag schliesse ich, dass sie nicht auch nur die geringste Ahnung von Mathematik haben...
Und es ist eine Beleidigung für jeden Mathematiker, wenn Sie ihn auf die gleiche Stufe mit Psychologen stellen.
(Das generische Maskulinum schliesst Frauen mit ein.)

hugotintifax
14
10.8.2010, 13:38
Na warum wohl...

...sind diese MINT-Fächer weniger frequentiert? Weil man sich seinen Master da "so halt" nicht einfach zwischen "Transparente bemalen", Mensa und ein bissl philosophieren abholen kann...

Christian Berger
40
10.8.2010, 13:28
FH hat auch Aufnahmetests

dass es bei FHs seit eh und je Aufnahmetests gibt, erwähnt niemand? Warum?

Wo ist der Unterschied zwischen einer FH und einer Uni? Außer, dass ich auf der FH immer noch Studiengebühren zahlen muss...

Wenn es heißt, gleiches Recht für alle, dann
a) weg mit den Studiengabühren bei FHs
b) weg mit den Zugangsbeschränkungen bei FHs
c) absolute Gleichstellung von FHs und Unis

some guy
00
10.8.2010, 15:01

FHs und Unis sind nunmal nicht das selbe. Dazu sind sie auch nicht gedacht. FHs bieten eine berufsnahe Ausbildung. Unis vermitteln auch wissen, das nicht unmittelbar verwertbar ist - haben einen universelleren Zugang zum Wissen.

aculus populus
 
00
10.8.2010, 14:22
Bei einer FH

kommt nicht 1 Prof auf 250 Studenten ...daher sind die Kosten Pro Student viel, viel höher ... die FH-Studenten sind priviligiert und nach max 4 jahren sogar diplomiert.

anne manner
00
10.8.2010, 13:54
gleichberechtigung ja

da bin ich ganz einverstanden! aber bitte nicht die FHs ruinieren, sondern umgekehrt: kleine hörerInnenzahlen und mehr geld und zugangsverfahren auch für die unis.

dafür aber bitte auch grundlagenforschung an den fhs.

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