Villa-Trainer kneift vor Rapid

10. August 2010, 12:50
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Martin O'Neill ist als Coach von Rapids EL-Gegner zurückgetreten, Sparkurs wahrscheinlicher Grund

Birmingham - Fünf Tage vor dem Premier-League-Auftakt und zehn Tage vor dem Europacup-Duell mit Rapid Wien ist Martin O'Neill am Montag als Trainer von Aston Villa zurückgetreten. In einem Statement auf der Villa-Homepage wurden von O'Neill und der Klubführung keinerlei Gründe für den überraschenden Rücktritt genannt. "Ich habe die Zeit bei Aston Villa sehr genossen. Es tut natürlich weh, so einen großartigen Verein zu verlassen", wurde O'Neill lediglich zitiert. Der letzte Anstoß für O'Neills Entscheidung dürfte jedoch gewesen sein, dass er nicht die Möglichkeit bekam, die durch den Verkauf von James Milner an ManCity eingenommenen Mittel zu reinvestieren.

Der 58-jährige Nordire hatte den Traditionsverein aus Birmingham seit Sommer 2006 betreut und zuletzt auf Platz sechs der englischen Liga geführt. Nun übernimmt sein bisheriger Assistent Martin Kevin MacDonald die Mannschaft interimistisch. Das Team hat am Samstag vor Heimpublikum gegen West Ham United den ersten Pflichtspieleinsatz der neuen Saison.

Wenige Tage nach dem Meisterschafts-Auftakt sind die Engländer dann im Europa-League-Play-off in Wien zu Gast. Das Rückspiel geht dann eine Woche später im Villa Park in Szene. Im Vorjahr hatte sich Rapid im Kampf um einen Platz in der Gruppenphase gegen den ehemaligen Meistercup-Sieger (1982) und siebenfachen englischen Champion (zuletzt 1981) überraschend durchgesetzt.

Von Bradley bis Klinsmann

Als Nachfolger O'Neills wird nun US-Teamchef Bob Bradley gehandelt. Dafür reichte seine Aussage vor vor dem freundschaftlichen Länderspiel gegen Brasilien, er würde eine neue Herausforderung suchen. "Ich würde liebend gerne in Europa arbeiten", meinte der 52-Jährige. Bradley, der mit den USA noch einen Vertrag bis Dezember besitzt, hat seine Mannschaft bei der WM in Südafrika ins Achtelfinale (1:2 n.V. gegen Ghana) geführt. Auch Martin Jols Name wurde genannt, der Niederländer hatte sich jedoch erst kürzlich für ein weiteres Jahr an Ajax Amsterdam gebunden. Auch der ehemalige englische Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson (zuletzt Teamchef der Elfenbeinküste) sowie Jürgen Klinsmann sollen im Gespräch sein. Einen neuen Mann zu einem solch späten Zeitpunkt unmittelbar vor Saisonstart aufzustöbern wird jedenfalls keine leichte Aufgabe für die Birminghamer

Finanzielle Schieflage

Villa-Boss Randy Lerner, der seit 2006 beinahe 216 Millionen Euro (180 Mio Pfund) in den Klub investiert hatte, fährt seit dem heurigen Jahr einen Sparkurs. Die Birminghamer haben mit einem erklecklichen Minus in den Bilanzen zu kämpfen, der Verlust vor Steuern betrug für die Saison 2008/09 55 Millionen Euro. Die Ausgaben für Gehälter stieg in dieser Periode um exhorbitante 42 Prozent. Die Zahlen für die letzte Saison dürften noch schlechter ausfallen. O'Neill wurde deshalb beauftragt Spieler zu verkaufen, das schmeckte ihm nicht sonderlich. Es war bekannt, dass er bereits seit Monaten über seine Zukunft im Klub nachdachte. Der Zeitpunkt seines Abgangs allerdings hätte für Villa nicht ungelegener kommen können. (rob/APA)

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    Martin O'Neill stürzte Villa ins Chaos.

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