Intrigen am Wiener Flughafen

9. August 2010, 21:35
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Vergabe-Krimi um die Duty-Free-Flächen

Wien - Am Flughafen geht das Tauziehen, wer nun die Duty-Free-Flächen betreiben kann, weiter. Wie der Standard am Wochenende berichtete, liegt die Schweizer Nuance-Gruppe um etwa zehn Millionen Euro vor den Gebrüdern Heinemann.

Die Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen, doch die Begleitumstände dieser Vergabe sind mehr als ungewöhnlich: Heinemann hat 2006 das Duty-Free-Geschäft von der AUA günstigst gekauft (der Kaufpreis entsprach in etwa dem jährlichen EGT). Gleichzeitig erhielt die defizitäre Airline eine Besserungsklausel, die ihr jährliche Einnahmen in Millionenhöhe sichert - vorausgesetzt, der Vertrag mit Heinemann wird verlängert. So hat der Airport die Konzession von Heinemann in der Vergangenheit immer nur verlängert, nie aber neu ausgeschrieben.

Flughafen-Sprecher Herbert Kaufmann und der für das Retail zuständige Werner Hackenberg sollen den damaligen Neo-Vorstand Ernest Gabmann bereits zu dessen Dienstantritt im Frühjahr 2009 massiv gedrängt haben, den Vertrag von Heinemann zu verlängern. Gabmann verweigerte und schrieb die Konzession neu aus. Das brachte dem Ex-ÖVP-Politiker Gabmann wiederum den Vorwurf ein, er wolle damit seinen Freund, den Shopbetreiber Rakesch Sardana, vor Heinemann schützen.

Nach etlichen Interventionen und Nachbesserungen, erfolgte nun vor rund zwei Monaten bei einem Notar die Angebotseröffnung - und nicht Heinemann, sondern die Nuance-Gruppe war der Bestbieter. Die Schweizer boten dem Flughafen rund zehn Mio. Euro mehr. Interessantes Detail: Gefragt war eine Fixmiete und eine geschätzte Umsatzmiete. Die Bieter mussten dabei den Umsatz für die nächsten Jahre schätzen. Nuance garantierte dem Flughafen per Bankgarantie 80 Prozent der Schätzung, erfuhr der Standard.

Trotzdem will der Airport mit beiden Bietern noch einmal in eine allerletzte Runde gehen - der Vertrag mit Heinemann läuft bereits zu Jahresende aus. Und nun wird gemunkelt, dass Gabmann-Intimus Sardana mit Nuance in einem Boot sitzt. Die Firma Gebrüder Heinemann war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Einen bekannten Fürsprecher hat Heinemann jedenfalls bei der AUA-Mutter Lufthansa: Jürgen Weber, Aufsichtsratspräsident der Lufthansa, sitzt im Beirat der Gebrüder Heinemann, wie diese bestätigen. Und Heinemann ist auf allen deutschen Airports, wo die Lufthansa Platzhirsch ist, präsent.

Harter Wettbewerb

Othmar Lenz, Geschäftsführer von Niki Laudas Niki, reagierte auf die jüngst von der AUA geforderten Umsatzbeteiligung am Duty-Free-Geschäft verärgert. "Wenn die hochsubventionierte AUA Nachlässe bekommt wollen wir das auch haben" , so Lenz. Schließlich fliege die AUAauf den Strecken von Niki voll auf Konfrontation. Lenz: Nach Kiew (fliegt nur die AUA) kosten die Tickets (hin und retour) 1000 Euro. Nach Moskau, wo beide Airlines hinfliegen verlange die AUA lediglich 150 bis 250 Euro, obwohl man nach Moskau ein halbe Stunde länger fliege. Ähnlich die Strecke nach Innsbruck. Hier versuche die AUA mit 29 Euro-Tickets das Monopol wieder zurück erobern.

Heute präsentiert die AUA ihre Verkehrszahlen für Juli. Sie dürften wieder deutlich besser sein als im Vorjahr. Allerdings nahm die AUA in den vergangenen Monaten laut Statistik nicht Niki die Gäste weg, sondern ihrer Schwester Swiss. (Claudia Ruff/DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2010)

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