Staubtrockene Theorie

9. August 2010, 18:04
181 Postings

Die Neugierde für Naturwissenschaften muss schon im Kindesalter geweckt werden

Mit reißerischen Annoncen will Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) das erschreckend gering ausfallende Interesse an naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen bekämpfen. Frei nach dem Motto: Wenn sie - die Schüler und Maturanten dieses Landes - erst von den Spitzenbetreuungsverhältnissen und vor allem den Superjobchancen erfahren, werden sie es schon einsehen, und die Begeisterung für Maschinenbau oder Technische Mathematik stellt sich von selbst ein.

Beste Jobaussichten ergeben sich jedoch nicht primär aus Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt, sondern durch persönliche Begeisterung für ein Fachgebiet und dem daraus resultierenden Engagement. Dafür müsste aber vor allem am Quell des Desinteresses für die naturwissenschaftlichen Fächer angesetzt werden: bei der Schuldbildung. Wenn an unseren Schulen die Fächer Mathematik, Chemie oder Physik als staubtrockene Theorie - Ausnahmen bestätigen die Regel - an die Kinder herangetragen werden, sind diese nur froh, wenn sie die Matura überstehen, und wollen danach nichts mehr von Formeln und Wurzeln hören.

Der gewünschte Effekt, mehr Fachkräfte auszubilden, die mit Leidenschaft ihr Studium sowie spätere Arbeitsaufgaben meistern, kann nur eintreten, wenn die Neugierde für Naturwissenschaften schon im Kindesalter geweckt wird. Die erlernte Hemmschwelle gegenüber Technik oder Naturwissenschaften ist das Problem. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2010)

Share if you care.