Ankerbrot sucht Rezept für Osteuropa

9. August 2010, 18:50
15 Postings

Osteuropa macht dem Großbäcker Appetit auf mehr, Verkaufsgerüchte an Rewe weist Anker entschieden zurück

Wien - Osteuropa macht Peter Ostendorf Appetit auf mehr. Der Eigentümer und Chef von Ankerbrot beliefert von Wien aus seit gut einem Jahr westeuropäische Handelsketten in Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Im September eröffnet er seine erste eigene Filiale in Bratislava. Sie lasse sich gut von Österreich aus stemmen, und er wolle dort Erfahrungen für weitere Geschäfte im Osten sammeln, sagt er dem Standard. Er strebe damit stärkere Unabhängigkeit vom hart umkämpften Wiener Backwarenmarkt an. Hier zu expandieren, sei nur mehr schwer möglich, und in der Slowakei werde es sicher nicht bei einem Standorte bleiben.

Ostendorf gibt der Branche und selbst profunden Unternehmenskennern Rätsel auf. Es geht um die Fabrik des Konzerns in Wien-Favoriten mit ihren rund 800 Mitarbeitern. Der Pachtvertrag lief Ende 2008 aus und wurde niemals verlängert. Banken, denen die historische Liegenschaft gehört, brachten eine Räumungsklage ein, was Ankerbrot bisher nicht dazu veranlasste, den Bau einer neuen Produktion in Angriff zu nehmen.

Man habe dem Konzern mehrere Angebote gemacht, unter anderem auch für Liegenschaften nahe des Zentralfriedhofs, erzählt Ge-org Brockmeyer vom Wiener Wirtschaftsförderungsfonds. Aber diese ließen sich nicht auf ewig reservieren, die Stadt Wien habe seit Monaten keinen Kontakt mehr zu Anker. Das Gerichtsverfahren laufe, ergänzt Herbert Putz, Chef des Liegenschaftsverwalters ASC. Parallel dazu gebe es Gespräche, Ergebnisse keine. Auf das Angebot, die Fabrik noch bis Ende 2013 zu nutzen, sei Anker nicht eingegangen. Nach einem baldigen Auszug sieht es nicht aus: Beobachter berichten von ständigen Umbauten und kleineren Investitionen.

Spiel mit der Zeit

Dass Ostendorf Anker nach dem 2007 gescheiterten Verkauf an den Investor Heiner Kamps aushungere, bezweifelt die Konkurrenz. Zu engagiert beliefere er die Handelsketten, zu sehr frische er seine eigenen Shops auf. Viele tippen daher eher auf ein Spiel mit der Zeit, in dem auch Produktionen in der Slowakei oder in Bayern ein tragendes Gewicht erhalten könnten. Ostendorf kommentiert all die Gerüchte konsequent nicht: Man sei dabei, das professionell zu regeln.

Anker soll nach Verlusten 2008 im Vorjahr mit gut 1800 Mitarbeitern wieder schwarze Zahlen erzielt haben, die Bilanz wurde noch nicht veröffentlicht. Die Aktiengesellschaft allein setzte zuletzt 103 Millionen Euro um. Er sei mit dem Ergebnis zufrieden, resümiert Ostendorf. Er stockt das Filialnetz in Österreich bis Dezember um sechs Läden auf, eröffnet dabei erstmals in Linz und sieht sich auch in anderen Bundesländern nach Standorten um. 60 der bestehenden 170 Outlets erfuhren ein Facelifting.

Aus einem neuen Filialkonzept, das Bäckerei und Kaffeehaus vereine, lasse sich viel lernen, für eine Expansion sei es aber zu früh. Was teure Rohstoffe betrifft, komme er um höhere Preise nicht herum, sollten die Kosten nicht auf ein normales Niveau zurück kehren. Anker könne sie auch wegen teurer Energie wie Lohnanpassungen nicht länger kompensieren.

Ostendorfs Familie führt neben Anker die deutsche Müller Brot, die teils auch für Österreich bäckt. Ihr geht Rewe verloren: Der Großkunde hat in Bayern ein eigenes Backwerk gebaut und Manager abgeworben. Müller Brot soll einen Verkauf an Rewe abgelehnt haben, vermuteten deutsche Medien, der halbe Umsatz falle nun weg. Dass Rewe auch mit einer Anker-Übernahme spekuliere, weist Ostendorf zurück. "Das ist kein Thema." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2010)

  • Kräftemessen am Backmarkt: Anker will verlorenes Terrain 
zurückholen.
    foto: matthias cremer

    Kräftemessen am Backmarkt: Anker will verlorenes Terrain zurückholen.

Share if you care.