US-Notenbanker stehen unter Zugzwang

9. August 2010, 17:26
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Die Fed könnte mit expansiven Maßnahmen eingreifen, um eine erneute Rezession zu verhindern

Wien - Wenn am Dienstag das höchste geldpolitische Gremium der USA zusammentritt - der Offenmarktausschuss der Notenbank Fed -, werden die Notenbanker eine Kehrtwende vollführen. Daran glauben jedenfalls viele Investoren und Ökonomen. Denn der jüngste Schwall an negativen Daten aus den USA könnte die Notenbank rund um ihren Chef Ben Bernanke wieder zum expansiven Handeln zwingen. Die schlechten Arbeitslosenzahlen sowie das schwächere Wachstum im zweiten Quartal haben zuletzt die Hoffnung auf einen nachhaltigen Aufschwung in den USA eingetrübt.

So glaubt der US-Chefökonom von Goldman Sachs, Jan Hatzius, dass die Wirtschaft im zweiten Halbjahr nur mehr mit knapp 1,5 Prozent wachsen werde, fast einen Prozentpunkt langsamer als zuvor angenommen. Das Auslaufen der Konjunkturpakete spielt dabei eine wesentliche Rolle. Doch ein annualisiertes Wachstum von 1,5 Prozent werde nicht ausreichen, um eine Trendwende am Arbeitsmarkt auszulösen, so Hatzius.

Mehr quantitative Lockerung

Doch wie kann die Notenbank helfen? Bernanke selbst hatte im Juli vor dem US-Kongress versprochen, die Notenbank "steht bereit und wird handeln", um weiteren Schaden abzuwenden. Dabei hat die Notenbank ihr Instrumentarium ausgereizt: Die kurzfristigen Zinsen liegen bei null Prozent, die Bilanz der Fed wurde ausgeweitet, um Immobilienkredite und Staatsanleihen aufzukaufen und die Banken erhalten Liquidität.

Was die Notenbank aber tun kann, ist die Politik der "quantitativen Lockerung" auszuweiten - dabei kauft die Notenbank langfristige Schuldpapiere wie Staatsanleihen, um mehr Geld für die Wirtschaft bereit zu stellen und die Zinsen weiter zu senken. Bis Jahresende werde die Fed wieder Papiere im Wert von mehr als einer Billion Dollar kaufen, glauben Ökonomen von privaten Banken.

Bei der August-Sitzung könnte ein Schritt in diese Richtung gesetzt werden. Die Financial Times berichtet, dass die Fed Erträge aus dem Verkauf von Hypothekenpapieren wieder in andere Papiere reinvestieren werde. Damit würde die Notenbank eine Schrumpfung ihrer Bilanz verhindern. Dass die Fed wieder zu ihren Kriseninstrumenten greifen wird, gilt an den Kapitalmärkten als ausgemacht. An den Anleihenmärkten etwa wird die "quantitative Lockerung 2.0" bereits vorweg genommen, sagen etwa die Zinsanalysten der Deutschen Bank. Kürzerfristige Zinsen in den USA sind deutlich gefallen, die zweijährigen Staatsanleihenzinsen etwa auf das Rekordtief von 0,51 Prozent.

Die Geldpolitik ist auch gefragt, weil das US-Finanzministerium im Wahljahr keine neuen Konjunkturpakete schnüren werde. Es gibt dafür viel politischen Gegenwind. So warnte etwa der ehemalige Finanzminister Robert Rubin vor neuem, "kontraproduktivem" Schuldenmachen.

Deutschlands Rekordexport

In Deutschland ist von einer Abkühlung der Konjunktur hingegen wenig zu spüren. Die Exporte von Europas größter Volkswirtschaft schossen im letzten Quartal so stark in die Höhe wie seit 1984 nicht mehr, um 9,5 Prozent im Quartals-Vergleich. Dieses Jahr könnte Deutschland so viel exportieren wie im Rekordjahr 2008, rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Das Hauptrisiko für die anziehende Konjunktur in Deutschland wäre eine Abkühlung des Wachstums in den USA und China, warnte der DIHK.

Die kommenden Fed-Sitzungen werden daher auch in Europa genau verfolgt werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2010)

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    Die US-Notenbank könnte eine Kehrtwende vollziehen.

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