Zahl der Kirchenaustritte steigt dramatisch

09. August 2010 18:46
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    Foto: apa-Foto: helmut fohringer

    Gott sprach, es werde Licht: Doch in der katholischen Kirche gibt es angesichts der Austrittszahlen nur wenig Erhellendes.

Allein in den Landeshauptstädten gibt es im ersten Halbjahr 2010 mehr als doppelt so viele Austritte wie im Vergleichszeitraum 2009

Wien - Man hat dieser Tage vonseiten der österreichischen Bischofskonferenz offensichtlich ganz genau gewusst, warum man sich rund um die Kirchenaustrittszahlen ein Schweigegelübde auferlegt. Als offizieller Grund für den spontanen Verschub der Präsentation der Vorjahreszahlen von Mitte August auf Anfang Jänner wurde zwar die Möglichkeit eines besseren Vergleichs genannt, inoffiziell gehen die Bischöfe aber vor einer Rekordaustrittswelle in Deckung.

Und diese dürfte in noch nie dagewesener Größe über die heimische Kirche hereinbrechen. Denn auch wenn man derzeit bei Fragen über aktuelle Austritte sowohl in den Diözesen als auch in der Finanzkammer der Erzdiözese Wien auf eine Mauer des Schweigens stößt, zeigt man sich bei den Bezirksverwaltungsbehörden in den Städten - wie ein Rundruf des Standard zeigt - deutlich gesprächsbereiter.

Bis zu 100.000 Austritte möglich

Und die Halbjahresbilanz der Magistrate, die in Österreich Austritte entgegennehmen und an die Religionsgemeinschaften weiterleiten, prophezeit der Kirche ein dickes Minus mit Jahresende 2010. Setzt sich der Trend aus dem ersten Halbjahr fort, so dürften am Ende gut 100.000 Schäfchen der Kirche heuer den Rücken kehren. In Eisenstadt verabschiedeten sich etwa im Zeitraum von 1. Jänner bis 30. Juni 95 Menschen aus der Kirchenbank. 2009 entschlossen sich im selben Zeitraum gerade einmal 35 Katholiken zu diesem Schritt. Waren es in Klagenfurt im ersten Halbjahr 2009 noch 446 Austritte, sind es heuer bereits 852.

Wagner-Marke übertroffen

Besonders groß scheint der Wille zum Abschied in Graz zu sein: Traten im gesamten Jahr 2009 1218 Katholiken aus, waren es heuer bis einschließlich 4. August bereits 2734 Personen. In St. Pölten waren es 565 bis 4. August (gesamt 2009: 422) und in Innsbruck im ersten Halbjahr 2010 1188 (Halbjahr '09: 599). In Linz konnte die Halbjahresmarke aus dem Vorjahr - die angesichts der Diskussion um den Beinahe-Weihbischof Gerhard Maria Wagner bereits bei 1373 Austritten sehr hoch lag - noch einmal übertroffen werden. "Mit Stichtag 30. Juni 2010 hatten wir 1748 Austritte. Eine ungewöhnlich hohe Zahl", erklärt Gabriele Ambach vom Magistrat Linz auf Standard-Anfrage.

In der Stadt Salzburg musste die Kirche im Vorjahr noch insgesamt 828 Austritte hinnehmen, richtig schmerzlich wird es aber erst heure mit bereits 1273 "Kündigungen" im ersten Halbjahr 2010. In Bregenz kehrten im Vorjahr gesamt 520 Personen der Kirche den Rücken, in der ersten Jahreshälfte 2010 waren es bereits 1139.

Keine Auskunft in Wien

Nur in Wien scheint man das bischöfliche Schweigegelübde ernst zu nehmen. Als einzige Landeshauptstadt Österreichs gibt man beim Magistrat Wien keine Kirchendaten preis: "Die Kirchenaustrittszahlen bekommt zuerst die Erzdiözese." Ohne Wien haben sich heuer in den Hauptstädten im ersten Halbjahr 8647 Katholiken verabschiedet (2009: 3947).

Die letzte Kirchenstatistik der Bischofskonferenz wurde im August des Vorjahres für 2008 veröffentlicht. Damals betrug die Katholikenzahl 5,58 Millionen, was einem Rückgang von 23.691 Katholiken entsprach. Aber in den Tagen vor dem großen Schweigen hat auch heuer schon so mancher eine vorsichtige Prognose gewagt: Im Juni hatte der Leiter der Kirchenbeitragsstelle der Erzdiözese Wien, Josef Weiss, erklärt, es sei nicht unrealistisch, dass bis zu 80.000 Menschen die katholische Kirche im Jahr 2010 verlassen.

Sieben Millionen Euro weniger

Und der Mitgliederschwund wirkt sich vor allem im Klingelbeutel aus: Nach vorläufigen Berechnungen dürften der katholischen Kirche heuer rund sieben Millionen Euro an Kirchenbeiträgen entgehen. Was aber angesichts des gesamten Kirchenbeitragsaufkommen von 350 Millionen Euro pro Jahr wohl zu verschmerzen sein dürfte. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2010)

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Maria Weber 300
28.11.2010 21:43
Kirchenaustritte

Die Ausgetretenen suchten nur einen Grund um aus der Gemeinschaft der Kirche aus zutreten. Sie wären früher oder später sowieso ausgetreten. Sie wollen sowieso von der Kirche nichts mehr wissen und wollen dann auch keinen Beitrag mehr bezahlen. Ist Ihre Frage nach dem Sinn des Lebens dann gelöst?

Dein schönster Traum
24.08.2010 22:10
Und wenn wir die 100.000 geknackt haben...

...dann mach ich eine Flasche Sekt auf und trinke auf die Selbstbefreiung der Menschheit von ihrer Geißel, der Religion!

kaddidababubada
10.08.2010 23:32
"zahl der kirchenaustritte steigt dramatisch"

und trotzdem ist die anzahl der verbliebenen tragisch hoch.
jeder, der kirchensteuer zahlt, finanziert freiwillig oder aus bequemlichkeit ein milieu, das verlogener und widersprüchlicher nicht sein könnte. die kirche ist de facto eine politische partei mit parteiprogramm anno mittelalter.
wer sich damit identifizieren kann, möge weiter zahlen. alle anderen bitte ich, sich einen ruck zu geben und sich dieser selten selbst gewählten mitgliedschaft zu entledigen!

www.kirchenaustritt.at

pelikan,der unposter
10.08.2010 20:21
kirche zeigt-was?kirche lebt vor-was?

kirche hat moral-wie?kirche betet-für wen?
kirche bestraft wen,wie???
kirche ,versteckt im eck schwere sünder.
UNSCHULD ALLEN IM ECK

F. Croma
10.08.2010 22:03
Dadaist in statu nascendi?

puwit
11.08.2010 10:07

und die grünen stricherl gebts euch selbst

skip it
11.08.2010 15:23
und flagellanten bestrafen sich mit rot?...

WoodSTokk
10.08.2010 18:46
Und der Mitgliederschwund wirkt sich vor allem im Klingelbeutel aus.

Lieber Standard,

In den Klingelbeutel wirft man eine freiwillige spende.
Der Kirchenbeitrag ist aber nicht freiwillig und daher eher ein Aderlass.
Ob dieser Aderlass der Grund der Austritte ist, ist allerdings unbekannt, lässt sich von der Kirche aber leicht feststellen, indem der Kirchenbeitrag abgeschafft wird und statt dessen Eintritt bei jedem Event verlangt wird.
Dann zahlen auch nur jene Leute die die Gotteshäuser auch nutzen.

F. Croma
10.08.2010 23:01
Warum ist der Kirchenbeitrag nicht freiwillig?

Oder gehören sie gar zu den armen Geschöpfen welche zu einer kirchlichen Heirat gezwungen werden (kommt öfters vor als man glaubt - so schee sagt die Resi in weiss). Auch schlimm: ein Arbeitskollege von mir wird Taufpate, jetzt muss er in die Kirche eintreten und danach wird er wieder austreten :-). Es fällt halt an allen Ecken und Enden.

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11.08.2010 15:24
der kirchenbeitrag ist in oesterreich ZWANG,...

...wenn sie katholik oder sonstwas sein WOLLEN.

gibt's zb in frankreich nicht.

F. Croma
11.08.2010 17:34
Wenn ich Mitglied der, was weiss ich,

Chopin-Gesellschaft sein WILL - bezahle ich. Wenn ich ein Konzert, organisiert von dieser Gesellschaft besuche, so bezahle ich. Vermutlich erhebt die französische Kirche höhere Gebühren für Hochzeit, Taufe ... Habe allerdings keine Ahnung von den Verhältnissen, wie Ausmass der karitativen Tätigkeit oder wer erhält die gigantonomischen Kathetralen (vermutlich der Staat?). Jedenfalls, wenn ich in Frankreich Katholik sein will bezahle ich, es gäbe sonst keine Kirche.

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12.08.2010 09:27
ich habe jahrelang dort gelebt...

...und nichts bezahlen muessen.

darauf liegt die betonung: NICHT MUESSEN.

was ich freiwillig spende oder nicht, das wiederum ist meine angelegenheit ganz allein. hier wiederum liegt die betonung auf FREIWILLIG.

wie gesagt, es waere interessant, diese "kirchensteuer"-g'schicht einmal vorm EMRG ausjudizieren zul lassen. stichwort: menschenrecht auf freie religionsausuebung.

weil: in oesterreich MUSS ich zahlen, um katholik sein zu DUERFEN.

x x3
20.10.2010 22:51

Die Kirche (oder gar der Staat) verbietet einen ausgetretenen das Menschenrecht auf Religionsausübung?

Du darfst also nicht mehr zu deinem Herrgott beten, seitdem du ausgetreten bist?
Du darfst auch keine Kirche mehr besuchen, um sein Antlitz zu schauen?

Oder willst du einfach nur einen Gratis-Fahrschein in den Himmel? Ich will gefälligst kostenlos beichten, damit meine Seele reinbleibt?

Was hast du den für eine Vorstellung von deiner Religion? Oder bist etwa gar nicht religiös und pudelst dich nur aus Prinzip auf?

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21.10.2010 10:34
net den spieß umdrehen:...

...in frankreich zb muss keein mensch dafuer zahlen, katholik sein zu "duerfen".

und genau darum geht's.

fragen s' lieber einmal einen versierten juristen. soviel zu "aufpudeln".

x x3
21.10.2010 18:44
Wo ist nun das tatsächliche Problem?

Glaubst du an die vom Vatikan vertretene Glaubenslehre oder nicht?

ja) Glaubst du tatsächlich, dass du dir mit deinen Postings/deiner Einstellung den Eintritt ind ewige Himmelreich erleichterst?

nein) Was regst dich auf über etwas, was für dich keine Relevanz hat?

skip it
26.10.2010 11:07
net ablenken vom grundpropblem:...

...in oesterreich darf nur katholik sein, wer zahlt.

in frankreich jeder.

die kirche diskriminiert. bzw. nutzt die glaeubigen in oesterreich schamlos aus.

und ob das mich persönlich etwas angeht, DAS wiederum tangiert SIE einen scheixxdreck.

Angelika70
11.08.2010 09:21

Wenn der Arbeitskollege nicht gewillt ist, das Kind im röm.-kath. Glauben erziehen zu helfen, dann muss er die Patenschaft ablehnen. Das wäre ehrlicher.

Stoascheissa Korl
11.08.2010 10:11

Seh ich auch so!

Aber das ist das Problem: Viele Riten sind so schön, alle freuen sich schon auf die Hochzeit, da muss mensch doch in der Kirche bleiben!
Und die Taufe, so schön. Der Taufpate weiß nicht mal, was zu Pfingsten gefeiert wird, aber Hauptsach' mit Wasser wird rumgespritzt. Und die Nachbarn habens auch gsehn.
Ich stehe in Dreierreihe neben mir und schau mir das Treiben fassungslos an: ich bin schon für Tradition, aber nicht für Verrat, an den eigenen Überzeugungen und an der Kirche.

Ingrimm
10.08.2010 17:56

Die Katholikenzahl schaut sehr gefälscht aus, weil da gibts ja auch Zwangstaufungen von Säuglingen und einige sterben pro Jahr auch weg...

Mariedl
10.08.2010 17:48

wieso ist der Artikel unter Politik?
der gehört bestenfalls ins Panorama, entweder bei Chronik, Vermischtes oder Integration

F. Croma
10.08.2010 23:03
Damit sie in finden.

Miss Deutung
10.08.2010 22:19

-> Wirtschaft, Unternehmensnachrichten.

Baumarktheini
10.08.2010 16:16

Und diese Leute werden dann zwangsläufig nach Europa strömen, wenn man die Grenzen nicht dicht macht.

M. P.1
10.08.2010 17:55

Katholiken brauchen nicht nach Europa strömen. Die sind eh schon da.

Alfredo di Stefano
10.08.2010 15:55

das wird die meisten poster zwar schmerzen, aber weltweit steigt die zahl der christen sehr stark an, gerade der katholiken und von evangelikalen christen, nur in westeuropa geht die zahl zurück

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