Väterkarenz: Kinderliebe kann Karriere kosten

09. August 2010 18:51

Nur wenige Männer gehen in Karenz - auch weil sie am Arbeitsplatz Mobbing fürchten müssen

Wien - Walter F.* war auf dem aufsteigenden Ast. Sein Arbeitgeber, ein Medienunternehmen, hatte ihm eben einen Führungskräftevertrag und damit mehr Gehalt angeboten. Doch dann traf F. eine für seine Laufbahn fatale Entscheidung: Er wurde Vater - und entschloss sich, in Karenz zu gehen.

Der Aufstieg war damit zu Ende. Von einem Potenzialtraining wurde F. ausgeschlossen, der in Aussicht gestellte Aufgabenbereich schrumpfte jäh - er sei nie als Führungskraft vorgesehen gewesen, hieß es plötzlich. Als der Angestellte trotzdem die Karenz antrat und auch die Gleichbehandlungsanwaltschaft einschaltete, eskalierte die Situation. Bei seiner Rückkehr war der Arbeitsplatz besetzt, der EDV-Zugang gesperrt. Letztlich bekam F. die Kündigung.

Karriereknick, Abstellgleis, im Extremfall der Rauswurf - dieses Schema ist Sandra Konstatzky, Juristin bei der staatlichen Gleichbehandlungsanwaltschaft, die im Fall F. eine Diskriminierung feststellte, wohlvertraut. Immer wieder beschweren sich Väter, die im Job geschnitten werden, weil sie für ein paar Monate heim zu den Kindern wollen. Nach wie vor litten zwar vor allem Frauen unter derartiger Diskriminierung, weil diese öfter in Karenz gingen, sagt Konstatzky, "doch die Sanktionen der Arbeitgeber fallen bei Männern tendenziell schärfer aus".

Karenzwillige Väter seien häufiger in den oberen Unternehmensetagen anzutreffen, meint die Anwältin - und stießen gerade dort auf besonderes Unverständnis ihrer Bosse. Freiwilliges Windelwechseln passe eben nicht zum Klischee des jungen, dynamischen Managers, für Väter sei die Paraderolle des rund um die Uhr arbeitenden Ernährers vorgesehen. Überdies liest Konstatzky aus den ihr bekannten Schikanen durch Firmenchefs eine Drohbotschaft heraus: "Ihr Männer fangt nicht auch noch damit an, euch aus der Arbeit davonzustehlen."

Die Gleichbehandlungsanwaltschaft bietet für Einzelfälle kostenlose und streng vertrauliche Unterstützung an, quantifizieren kann sie das Problem nicht. Auf nicht gerade väterfreundliche Bedingungen deutet jedenfalls die Karenzstatistik hin: Derzeit sind gerade einmal fünf Prozent aller Kindergeld-Bezieher Männer. 

Die schlechte Quote führen Kritiker auch auf andere Probleme - niedrigere Frauengehälter, zu wenig Kinderbetreuung - zurück. Doch selbst Unternehmensvertreter wie die Industriellenvereinigung räumen ein, dass willigen Vätern mitunter Steine in den Weg gelegt würden. Die Bandbreite, sagt Arbeitsexperte Andreas Gruber, reiche von "blöd angeschaut werden" bis zum „Stopp auf der Karriereleiter". (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2010)

*Name von der Red. geändert

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springflower
17.11.2010 13:28
Na sowas! Wir Frauen müssen diese Erfahrung

schon immer machen. Bei der Karriere, beim Gehalt und letztlich bei der Pension fallen wir zurück. Ich höre dann immer von wohlmeinenden Mitbürgern: schau halt, dass du dir einen gutverdienenden Mann suchst. Wir leben noch immer im vorigen Jahrhundert!

salzamt1
04.01.2011 22:45
Frauen machen die Erfahrung auch, wenn sie noch gar keine Kinder haben

bei Bewerbungsgesprächen- so sie überhaupt eingeladen werden: Fragen nach der Familienplanung, sogar nach der Verhütung. Nachdem sich mittlerweile durchgesprochen hat, dass das verboten ist, wird es immer mehr durch die Hintertür gemacht. ZB mit der Frage "Wo sehn Sie sich in 10 Jahren", oder nach dem offiziellen Teil wird eine gemütliche Plauderei angehängt mit dem Zweck, beim Smalltalk rauszufinden, ob da ein Partner vorhanden sei, ob man in nächster Zeit heiraten oder zusammenziehen werde- was gleich als Indiz für Kinderplanung gilt. Am besten, frau läßt sich die Eileiter unterbinden und gibt den OP- Bericht oder ein ärztliches Attest gleich zu den Bewerbungsunterlagen mit dazu.

JuvonLiebig
13.08.2010 10:20
warum

gibt es kein Karenzmodell das vorsieht, dass beide Eltern in Karenz gehen müssen. 6Monate Mama 80% des vorherigen Gehalts als Karenzgeld nächsten 6Monate Papa 80% des vorigen Gehalts als Karenzgeld. Nach einem Jahr gibt geeignete Modelle der Kinderkrippe so, dass es auch mit dem Beruf der Eltern vereinbar ist.

lawiesalon
 
12.08.2010 21:13
brüllaffe

mich hat mein chef damals - vor 13 jahren - angebrüllt: männer gehen in den krieg und wechseln keine angegackten windeln. fazit: teilkarenz (hatte ziemlich angst um den job) = nur noch 50 wochenstunden hackeln, dafür aber mit kind dabei. spannnend: immer, lustig: nicht immer. ich fürchte, an der einstellung hat sich in der zwischenzeit nichts wesentliches geändert.

rene prassee
11.08.2010 16:56
interessant

dass auch im öffentlichen dienst die männer kaum die karenz für kinderbetreuung nutzen; warum wohl? ein nachteil ist dort sicher nicht messbar;

richard lewis
11.08.2010 12:12
Zwangskarenz für alle

anders wird sich daran nichts ändern.

richard lewis
11.08.2010 12:13

auch für die Kinderlosen natürlich.

Iaaaaa
10.08.2010 21:29
Erst wenn sie es selber spüren,

erkennen sie wirklich, was sie den Müttern bisher mit größter Selbstverständlichkeit zugemutet haben ...

eins und eins1
10.08.2010 15:51
vorraussetzungen schaffen

In Schweden gestaltet sich die aktuelle Situation von Vätern die Karenzzeit beanspruchen anders als in Österreich. 38% der Männer nehmen eine einmonatige Berufsunterbrechung zur Widmung dieser Zeit ihrer Kinder wahr.

Dies mag in erster Linie damit zusammenhängen, dass anders als in Österreich die Höhe der finanziellen Unterstützung für diesen Zeitraum 80% des unmittelbar vorangegangenen Einkommen beträgt.

Weitere Informationen zum Thema für alle die schwedisch können, auf der Website des
Gender Management Institutes Schweden.

geheuerliches getümchen
10.08.2010 16:57
die Höhe der finanziellen Unterstützung für diesen Zeitraum 80% des unmittelbar vorangegangenen Einkommen beträgt.

das gibts auch hier!

rnix
10.08.2010 17:45
stimmt nicht

sind 80% eines fiktiven einkommens

geheuerliches getümchen
10.08.2010 19:33
80% des steuerlichen einkommens

der 3 monate vor dem antrag.

was ist da fiktiv?

Schrumpfschlauch
10.08.2010 20:11
80% des steuerbaren Einkommens

geheuerliches getümchen
10.08.2010 21:25
ja und welchs andere einkommen gibt es?

sollen die schwarzgeld als berechnungsgrundlage einbeziehen?

man kann ja eh paradiesische 1000 euro pro monat haben.

Schrumpfschlauch
11.08.2010 08:29
Steuerfreies Einkommen wird nicht berücksichtigt

Nicht gewusst?

geheuerliches getümchen
11.08.2010 11:00
welches einkommen ist steuerfrei?

Schrumpfschlauch
11.08.2010 13:14
Sie haben noch keinen Tag gearbeitet, stimmts?

geheuerliches getümchen
11.08.2010 14:24
jedenfalls

habe ich keinen tag steuerfrei geld verdient

salzamt1
04.01.2011 22:39
Sie Glücklicher!!!

Schrumpfschlauch
11.08.2010 17:28
Hahahahaha, ich brech weg.

Was sind denn Sie für eine Träne?

tiw
10.08.2010 15:39
mutig!

viel mehr väter sollen in karenz gehen! wenn das vorstandsetagen nicht einsehen denken sie sehr kurzfristig. diverse studien belegen ein wesentlich höheres soziales empfinden und engagement bei vätern die sich aktiv um ihre kinder kümmern. das färbt auf die arbeit ab und schließlich auch auf die umsätze. muß mann denn immer wieder betonen das zufriedene, sozial kompetente mitarbeiter wesentlich zum erfolg eines unternehmens beitragen? in den skandinavischen ländern ist ein männliches cv besser dran wenn man eine karrenzzeit angeführt hat. die wissen warum!!! das antiquieirte k&k macho gehabe passt nicht mehr in zeiten der sinnvollen gleichberechtigung.

rnix
10.08.2010 17:46
>> diverse studien belegen ein wesentlich höheres soziales empfinden und engagement bei vätern die sich aktiv um ihre kinder kümmern

und sie glauben dass solche fähigkeiten ab mittlerem management aufwärts gefragt sind? ganz im gegenteil

rnix
10.08.2010 17:49
>> muß mann denn immer wieder betonen das zufriedene, sozial kompetente mitarbeiter wesentlich zum erfolg eines unternehmens beitragen?

an dieser stelle haben sie natürlich vollkommen recht.

Herr Vorsicht
10.08.2010 12:52
die 5% sind eine farce

die 5% sind eine illusion, bei den karrenz-vätern dominieren die selbständigen und bauern (!) - warum wohl? weil diese berufsgruppen so progressiv sind, oder weil sich in diesen berufsgruppen das karenzgeld hervorragend zum sozialschmarotzertum eignet? oder glaubt wirklöich jemand, das der bauer in der stube das kind wickelt, während seine frau am feld steht?? in wahrheit sind es weit unter 5% der männer, die wirklich in karenz sind - erschreckend für unsere gesellschaft und den status einer modernen arbeitswelt.

am ko
10.08.2010 14:55
??? merkwürdige logik

karenz = sozialschmarotzertum
karenz = an den wickeltisch gefesselt

wie soll das ablaufen?
papi geht in karenz, macht aber weiter brav zu haus seine erwerbsarbeit, ohne sich um das kind zu kümmern (wie sie es andeuten); mami geht auch arbeiten; wer betreut die kinder?
a) eine kraft, die dafür bezahlt wird => wo wird da sozial schmarozt?
b) die omi, die immer (?) verfügbar ist und zeit hat UND selbstredend kein geld nimmt => sozialschmarozertum auf kosten der omis

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