Stichlinge verblüffen mit Schnellanpassung

10. August 2010, 11:58
3 Postings

Die Fische zeigen eine der extremsten je in freier Natur beobachteten Anpassungsleistungen

Calgary/London - Der menschengemachte Klimawandel vollzieht sich in einem viel kürzeren Zeitraum als die meisten evolutionären Vorgänge. Forscher befürchten daher, dass sich viele Pflanzen- und Tierarten, die von der Erhöhung der globalen Temperaturen betroffen sind, sich nicht schnell genug anpassen können und daher aussterben werden.

Ein Tier, das durch den Klimawandel eher nicht gefährdet sein dürfte, ist der Dreistachlige Stichling (Gasterosteus aculeatus), eines der beliebtesten Versuchstiere der Evolutionsbiologen. Die bis zu zehn Zentimeter langen Fische können sich nämlich verblüffend schnell an neue Wassertemperaturen anpassen, wie ein internationales Forscherteam unter der Leitung des kanadischen Evolutionsbiologen Rowan Barrett in den "Proceedings" der Royal Society B schreibt.

Die Biologen übersiedelten einige der Fische, die eigentlich im Meer zuhause sind, sich seit der letzten Eiszeit aber auch immer weiter ins Süßwasser vorwagten, vom Meer in sehr viel kühlere Teiche. Und siehe da: Innerhalb von drei Generationen bzw. drei Jahren konnten sich die Fische an eine Umgebung adaptieren, die 2,5 Grad kälter war als die frühere Umgebung - eine der extremsten je in freier Natur beobachteten Anpassungsleistungen.

Aber auch die Stichlinge haben ihre Grenzen: Nach der dritten Generation ist die gesamte experimentelle Stichlingspopulation in einem der kältesten Winter seit den Temperaturaufzeichnungen umgekommen. Drei Generationen waren anscheinend doch nicht genug, um sich auf solch einen verhängnisvollen Temperatursturz vorzubereiten. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 10. 8. 2010)

Share if you care.