Die meisten Zugewanderten sind EU-BürgerInnen

9. August 2010, 17:36
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Kein Bundesland ist attraktiver für Zugewanderte als die Bundeshauptstadt

Wien - Wien ist das zuwanderungsreichste Bundesland Österreichs: Eine halbe Million Menschen hat einen Migrationshintergrund, ist also selbst eingewandert oder Sohn oder Tochter von Zugewanderten. Knapp ein Drittel von ihnen stammt aus einem EU-Land.

Insgesamt kommen rund 179.000 MigrantInnen aus einem EU-Mitgliedsstaat, 42.433 davon aus Deutschland, es folgen Zugewanderte aus Polen, Tschechien und Rumänien. 171.496 stammen aus Ex-Jugoslawien (ohne Slowenien), 71.864 aus der Türkei. 61.614 kamen aus anderen asiatischen Staaten, 22.013 aus Afrika und 12.326 aus Amerika. Besonders zugenommen hat 2008 die Zuwanderung aus Deutschland und Rumänien.

Meiste ImmigrantInnen in Rudolfsheim-Fünfhaus

Zwar verteilt sich die Bevölkerung mit Migrationshintergrund auf die gesamte Stadt, in vier Bezirken beträgt der Anteil aber mehr als 40 Prozent: Spitzenreiter ist Rudolfsheim-Fünfhaus mit 46,6 Prozent, gefolgt von Brigittenau und Margareten (jeweils 41,5 Prozent) und in Leopoldstadt (41,3 Prozent). Die wenigsten Neo-WienerInnen leben in Liesing (20,2 Prozent).

Wien ist schon seit 150 Jahren ein Anziehungspunkt für ZuwanderInnen. Laut Sozialforscher Franz Birk kam es bereits während der österreichisch-ungarischen Monarchie zu einem explosionsartigen Wachstum der Bevölkerung in der Hauptstadt: Von 1857 bis zum 1. Weltkrieg stieg sie von 676.000 auf 2,1 Mio. EinwohnerInnen. Die tatsächlich in Wien Geborenen seien dabei in der Minderheit gewesen.

Ölpreisschock bremste Zuwanderung

Nach dem 2. Weltkrieg gab es bis zum EU-Beitritt immer wieder Wellen starker Zuwanderung: In den 1960er Jahren wurden "Gastarbeiter" - vor allem aus der Türkei und Jugoslawien - angeworben, um den Bedarf an Arbeitskräften zu decken. Die Gastarbeiterzuwanderung fand 1974 allerdings ein abruptes Ende. Grund dafür waren der Ölpreisschock und die dadurch verursachte Wirtschaftskrise.

Auch Flüchtlingswellen sorgten für einen regen Zuwandererstrom - vor allem aus dem Osten: Die Menschen kamen aus Ungarn (1956), aus der Tschechoslowakei (1968) und aus Polen (1980) nach Wien. Der Fall des Eisernen Vorhangs 1989 brachte weitere Migranten. Aufgrund der Kriegsereignisse am Balkan kamen ab 1991 ebenfalls viele Menschen in die Bundeshauptstadt.

1993 wurde die Zuwanderung laut Birk durch eine restriktive Zuwanderungspolitik eingedämmt, erst ab 2001 erhöhte sie sich wieder. 2004 wurde, aufgrund der EU-Osterweiterung, das bisherige Maximum an Zuwanderung erreicht.  (APA)

 

 

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