Mit dem Teilchenbeschleuniger zur künstlichen Photosynthese

9. August 2010, 16:44

Italienische Anlage ELETTRA für Experimente herangezogen

Wien - Fortschritte bei der Entwicklung eines Verfahrens für künstliche Photosynthese melden Wissenschafter des Instituts für Biophysik und Nanosystemforschung der Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Die Forschungen wurden in Kooperationen mit italienischen und spanischen Kollegen am Teilchenbeschleuniger ELETTRA in Triest durchgeführt und in der jüngsten Online-Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift "Nature Chemistry" veröffentlicht.

Wasserstoff gilt als Zukunftshoffnung in Sachen Energieträger. Künstlich gewonnen wird er durch Elektrolyse, also die Aufspaltung von Wasser in Wasser- und Sauerstoff mittels elektrischem Strom. Pflanzen nutzen dagegen im Zuge der Photosynthese direkt die Lichtenergie, um den gleichen Effekt zu erzielen. Weltweit arbeiten Wissenschafter an der technischen Nachahmung dieser Vorgänge.

Natürliche Vorbilder mit großem Instrumentarium nachgeahmt

Die Forscher um Heinz Amenitsch von der ÖAW haben nun eine effiziente Wasseroxidation entwickelt, also die Abtrennung des Sauerstoffs aus den Wassermolekülen. Sie verwenden dazu von der Natur abgeschaute, Sauerstoff abscheidende Anoden, die aus hierarchischen Strukturen bestehen: Vielwändige Kohlenstoffnanoröhrchen, die das leitende Bett der Elektrode bilden und eine Beschichtung aus dem anorganischen Ruthenium-Katalysator tragen. "Erst dieser Verbundwerkstoff ermöglicht die effiziente Wasseroxidation bei der künstlichen Photosynthese, die uns näher an eine Welt aus kohlenstofffreien Treibstoffen bringt", so Amenitsch in einer Aussendung am Freitag.

In Versuchen in Triest wurden zuvor die entscheidenden Einblicke in die Nanostrukturen des Ruthenium-Clusters, der aktiven Substanz auf den Nanoröhrchen, gewonnen. "Nur durch den Einsatz dieser speziellen Röntgentechnik am Synchrotron ist die exakte Bestimmung der für die Photosynthese verantwortlichen Form des Rutheniumkomplexes ermöglicht worden", so der Wissenschafter. (APA)

Franz Josef Lolinger
00
12.8.2010, 10:00
Aha

Schon wieder mit Hilfe des Wundermittels "Kohlenstoffnanoröhrchen".

Hercules
11
10.8.2010, 09:37
Also ich bin zwar kein Chemiker...

...aber "...eine effiziente Wasseroxidation entwickelt, also die Abtrennung des Sauerstoffs aus den Wassermolekülen."

Eine weitere Oxydation von Wasser würde - nur rein theoretisch - Wasserstoffperoxyd bilden (H²O²) Der Zerfall ist dann wieder 2H²O² > 2H²O + O²

Die Abtrennung des Sauerstoff vom Wasserstoff nennt sich Reduktion.

Dark Funeral
 
00
10.8.2010, 12:42
Eine weitere Oxydation von Wasser würde - nur rein theoretisch - Wasserstoffperoxyd bilden (H²O²)

Jein. In Wasser hat der Sauerstoff die Oxidationsstufe -2. Im Peroxid -1. Das entspricht einer Oxidation, soweit haben sie recht. Oxidiert man aber eine Stufe weiter, so erhält man elementaren Sauerstoff in der Oxidationsstufe 0. Somit wird der Sauerstoff im Wasser bei der Elektrolyse (bzw. Photosynthese) tatsächlich oxidiert.
Die "freiwerdenden" Elektronen werden bei der Wasserelektrolyse zur Reduktion von Wasserstoff genutzt, bei der natürlichen Photosynthese für Stoffwechselprozesse.

"Die Abtrennung des Sauerstoff vom Wasserstoff nennt sich Reduktion."

Das ist somit nicht richtig, denn dabei wird zwar der Wasserstoff reduziert, der Sauerstoff aber oxidiert. Die Prozesse sind immer gekoppelt.

Hercules
00
10.8.2010, 15:50
Na da danke ich...

... für die Aufklärung.

Aber ich habe das aus einem Text:

"Wasser läßt sich in H2 und O2 zerlegen. 2 H+ + 2 e- <--> H2. bzw richtig: Reduktion von Wasser ist:
4H+ + 4e- +O2---> 2H2O"

Daher Reduktion des Wasserstoffs. Aber was weis ich, wie ein Chemiker Reduktion deutet...

Dark Funeral
 
00
10.8.2010, 16:06
2 H+ + 2 e- <--> H2

Das ist die Reduktion des WasserSTOFFS zu elementarem Wasserstoff, nicht die des Wassers.

4H+ + 4e- +O2---> 2H2O"

Hier handelt es sich ebenfalls um eine Reduktion, nämlich die des Sauerstoffs und dabei entsteht ( in Anwesenheit von H+) Wasser.

Zerlegt man aber Wasser elektrolytisch, laufen folgende Reaktionen ab:

2 H+ + 2 e- <--> H2, das ist die Reduktion des H

O-- ---> 0,5 O2 + 2e- , das ist die Oxidation des O.

Diese beiden Reaktionen laufen parallel ab, d.h. vereinfacht gesagt nimmt der Wasserstoff die Elektronen auf, die der Sauerstoff abgibt. Man kann daher nicht von einer "Reduktion des Wassers sprechen", auch nicht von einer Oxidation des Wassers, sondern man muss sagen, welche Komponente des Wassers ox / red wird.

Commander Tomalak
00
13.8.2010, 09:51
warum sagt ihr nicht gleich

redoxgleichung

guardian313
 
05

am meisten freue ich mich immer wenn ich solche Nachrichten lesen darf, alles Gute bei der weiteren Forschung

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