Reif für die "Inselkomödie"

9. August 2010, 16:07
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Rolf Hochhuths Lustspiel mit Johannes Heesters am Berliner Ensemble

Diesmal hat es geklappt. Rolf Hochhuth hat im Gegensatz zum letzten Jahr fristgerecht seinen Wunsch angemeldet, im Theater am Schiffbauerdamm, dem Berliner Ensemble, während der Theaterferien selbst Theater zu spielen. Als Hausbesitzer dieser Theaterimmobilie hat er sich von seinem Mieter, Direktor Claus Peymann, dieses Recht ausbedungen. Nur so kann nämlich der Autor des international erfolgreichen Papstdramas Der Stellvertreter (1963) seine Dramen heute noch auf die Bühne bringen. Aber warum tut er sich das an?

Das Musical Inselkomödie ist nicht ganz neu, sondern eine Bearbeitung seiner 1974 im Wiener Volkstheater mit Barbara Petritsch uraufgeführten Komödie Lysistrate und die Nato. Durch Sexverweigerung und Sex mit Soldaten - sehr frei nach Aristophanes - gelingt es den Frauen zu verhindern, dass ihre griechische Insel zum amerikanischen Militärstützpunkt wird, angestiftet von der Parlamentsabgeordneten Dr. Lysistrate Soulidis.

Ein Übertreibungskünstler ist Hochhuth allerdings nicht, auch wenn er sich gerade über "Sozialdemokraten: identisch mit Kristallnachtgeist" erregt. Und der Kitsch und die vielen pubertären, oft drastisch ausagierten erotischen Späßchen sind keine bewusste Überzeichnung. Die Form der Soap mit der Form des Theaters zu verknüpfen könnte ja durchaus innovativ sein. Auch diesmal arbeitet Hochhuth wieder mit Darstellern aus der Lindenstraße und Gute Zeiten, schlechte Zeiten zusammen. Caroline Beil aus dem Dschungelcamp spielt Lysistrate, sympathisch, wenn sie hin und wieder versonnen neben der Rolle zu stehen scheint.

Vor der Taverne...

Für die Musicalfassung hat Florian Fries 26 Nummern für ein kleines Orchester komponiert, eingängige nostalgische Melodien. Inselkomödie, temperamentvoll arrangiert von Regisseur Heiko Stang, erklingt dabei wie der Ausnahmefall eines deutschen Sechziger-Jahre-Musicals, das zum Glück damals nie komponiert wurde. Doch bei den zahlreichen schlüpfrigen Szenen in der griechischen Taverne vor der Theke mit Kellner und immer zum Seitensprung bereiter Kellnerin glaubt man die Löwinger-Bühne wieder auferstanden.

Warum Hochhuth aber auch Johannes Heesters in diese Aufführung einbezogen hat, bleibt ein Rätsel. In die Handlung ist die neu eingeführte Rolle des Königs nicht weiter integriert. Völlig fehlerlos rezitiert der 106 Jahre alte Schauspieler zwei ziemlich lange Monologe. "Schon von alters her lehrt Homer: Frauen, setzt euch zur Wehr" , doziert er auf einem Thron sitzend, über die Frauen grinsend, schelmisch pubertär und gleichzeitig versteinert. Es ist ein wenig unheimlich. (Bernhard Doppler aus Berlin, DER STANDARD/Printausgabe, 10.08.2010)

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