Einzelnes Unternehmen für 300.000 Hai-Tötungen verantwortlich gemacht

9. August 2010, 15:11
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Brasilianische Umweltgruppe geht gegen exzessives Shark-Finning vor

Brasilia/London - Aufsehen erregende Anklage gegen ein Unternehmen: Das Environmental Justice Institute in Brasilien hat den Fischexporteur Siglo de Brasil Comercio beschuldigt, für rund 300.000 Hai-Tötungen verantwortlich zu sein. Damit hat das Unternehmen eine massive Schädigung des marinen Ökosystems verursacht, lautet die Anklage. Die Umweltgruppe fordert 790 Millionen Dollar Schadenersatz für die rund 300.000 Haie, die seit 2009 verkauft wurden. "Da wir den Wert für das Leben nicht bestimmen können, haben wir den Schaden auf das gesamte Ökosystem hochgerechnet", so Cristiano Pacheco, Direktor der Umweltgruppe. Die Umweltgruppe wirft dem Fischgroßhändler vor, keine ausreichende Dokumentation über die an Land gebrachten Haifischflossen zu besitzen. 

Finning

"In Asien gelten Haifischflossen als besondere Delikatesse, die besonders bei feierlichen Anlässen wie runden Geburtstagen oder Hochzeiten gerne serviert wird", so Sarah Fowler von der Shark Specialist Group der Internationalen Naturschutzunion IUCN. Mit der immer größeren Mittelklasse in China steigt auch die Nachfrage nach dem Luxusgut. Daher sind die Preise in den vergangenen Jahren stark gestiegen. 2006 hat die Umweltorganisation WildAid gemeinsam mit der chinesischen Wildlife Conservation Association erhoben, dass 35 Prozent der befragten Chinesen im Jahr zuvor Haifischflossensuppe konsumierten. 83 Prozent gaben an, in einem der vorhergehenden Jahre eine solche gegessen zu haben. Zwischen 50 und 80 Prozent des Haifischflossenhandels werden in Hongkong abgewickelt.

"Da Haifleisch als minderwertig gilt, die Flossen aber sehr viel einbringen, werden die Flossen von den Fischen abgeschnitten, um auf den Fischerbooten Platz zu sparen", schildert Fowler. Shark-Finning ist ein brutales Geschäft, denn die Tiere werden nach dem Abschneiden ihrer Flossen ins Meer zurückgeworfen, wo sie qualvoll verenden. "In Brasilien muss das Verhältnis der Haifischflossen zu den Karkassen fünf zu 95 Prozent betragen. Ansonsten ist es ein Verstoß gegen das dortige Gesetz", erklärt Fowler.

Ökologische Auswirkungen

WildAid hat erhoben, dass jährlich mehr als 100 Millionen Haie der Jagd zum Opfer fallen. In einigen Regionen ist die Zahl der Raubfische um bis zu 70 Prozent zurückgegangen. Die Bestände einiger Haiarten sanken in den vergangenen 20 bis 30 Jahren sogar um 90 Prozent. "Das große Problem bei den Haien ist, dass sie sich nur sehr langsam vermehren", erklärt Fowler. Die Situation sei noch dramatischer als bei den großen Tunfischen.

"Diese Art des Fischfangs ist niemals nachhaltig", kritisiert Fowler. Hinzu komme ein massives Problem mit der Überwachung bzw. mit der Frage nach der tatsächlichen Zahl der gefangenen und getöteten Fische. "Wenn Haie im Meer fehlen, hat das massive Auswirkungen auf das gesamte marine Ökosystem."(pte/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ausgangspunkt einer Delikatesse - der Hai, dem diese Flosse abgeschnitten wurde, wurde sterbend ins Meer zurückgeworfen

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