Die Herde überrennt den Aktienmarkt

9. August 2010, 14:44
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Auf den Aktienmärkten bewegen sich immer mehr Titel unisono. Aktive Aktienfonds machen da kaum mehr Sinn

Die Kapitalmärkte laufen noch lange nicht in geordneten Bahnen. Dass die Anleihenmärkte mit rekordniedrigen Zinsen auf die ausufernden Schulden reagieren, obwohl die Inflationserwartungen fast gleichbleiben, wunderte bereits in der Marktmelange vom 5. August. Doch auch an den Aktienmärkten geht es seltsam zu. Denn die Aktien bewegen sich so sehr im Gleichschritt wie seit dem Crash von 1987 nicht mehr.

In den USA etwa spielen die Einzeltitel im S&P 500 Index, der die 500 größten US-Unternehmen abbildet, fast dasselbe Lied wie der Index. Der Anteil der Aktien, der sich in dieselbe Richtung wie der Index bewegt, ist auf über 80 Prozent gestiegen (FTD), die Korrelation – ein Maß für die Gleichbewegung – ist ebenso auf Höchstständen, auch in Europa. Das kommt normalerweise in Krisenphasen vor, etwa 1987, als der Aktienmarkt seinen höchsten Tagesverlust verzeichnete, oder im September 2008, als Lehman Brothers Pleite ging. Denn wenn Panik ausbricht, springen viele Aktionäre vom Zug ab, egal ob sie Bluechip-Aktien oder Anteile an kleinen Wachstumsunternehmen halten.

Ein Teil des jetzigen Herdenverhaltens am Aktienmarkt ist auch auf die Krise in der Eurozone zurückzuführen. Doch das ist nicht alles. Barcap-Analysten etwa streichen die gestiegene Bedeutung von Indexprodukten hervor. Investoren können immer stärker über Indexfonds, ETFs und Zertifikate in den Aktienmarkt investieren, und das tun sie auch. Statt einer einzelnen Aktie wird lieber der gesamte Korb gekauft – lieber breit gestreut, als alles auf ein Pferd gesetzt (siehe Grafik). Anleger selektieren also nicht mehr vorsichtig einzelne Aktien aus, sondern investieren mit der Herde in den Gesamtmarkt. Das verstärkt den Effekt, dass sich die Einzeltitel immer ähnlicher verhalten.

Korrelation als Herausforderung für Fonds

Doch wenn sich aber die meisten Aktien uniform bewegen, macht aktives Management, also „Stock Picking“ kaum mehr Sinn. Je mehr sich Aktien gleichförmig bewegen, desto weniger Ertrag winkt mit der Strategie, die "besten" Aktien zu finden (WSJ). Dabei ist genau das Stock-Picking das Geschäftsmodell von Aktienfonds. Studien zeigen bereits jetzt, dass aktive Fondsmanager kaum in der Lage sind, ihren Gebühren gerecht zu werden und den Markt zu schlagen. Anleger zahlen also hohe Managementgebühren, bekommen aber kaum Mehrertrag aus einem Aktienfonds. Wenn die Korrelation der Einzeltitel weiterhin so hoch bleibt, dann fressen die Gebühren noch tiefer in die Rendite von Fondsanlegern. Und die hohe Korrelation an den Märkten sollte auch große, institutionelle Investoren dazu anregen, ihre Investmentpolitik zu überdenken. Wenn die möglichen Überrenditen niedrig sind, sollten es auch die Kosten sein (siehe auch den Economist).

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