Libyen rückt zum stärksten Aktionär auf

9. August 2010, 17:56
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Verkaufswelle bei UniCredit - Libyens Zentralbank stockt Aktienpaket auf

Ärger hat die wachsende Beteiligung arabischer Finanzinvestoren bei der Bank-Austria Mutter, der italienischen UniCredit, ausgelöst. Nach dem Einstieg des Staatsfonds von Abu Dhabi bei UniCredit sorgt nun die Beteiligungsaufstockung des libyschen Großaktionärs für Unbehagen.

Flavio Tosi, Bürgermeister von Verona und damit über die Sparkassenstiftung Fondazione Cassa di Risparmio di Verona an UniCredit beteiligt, kritisierte: "UniCredit ist ein nationales Gut. Das muss verteidigt werden. Italiens Regierung sollte diesbezüglich etwas unternehmen." Tosi fordert die "Italianität" der UniCredit zu verteidigen. Erst im Vorjahr hatte UniCredit-Chef Alessandro Profumo eine Staatshilfe abgelehnt.

Nachdem der Staatsfonds des Emirats Abu Dhabi, Aabar Investments, zu Jahresmitte fünf Prozent Anteile erworben hatte, stockte nun auch Libyen seine Beteiligung bei UniCredit um 2,1 Prozent auf 6,7 Prozent auf. Damit kontrollieren die arabischen Finanzinvestoren 11,7 Prozent der mit 42 Milliarden Euro kapitalisierten Großbank.

Die drei Sparkassenstiftungen haben insgesamt nur mehr zehn Prozent Anteile. Im September soll der milliardenschwere Staatsfonds GIC aus Singapur in das Kapital UniCredits einsteigen, berichtete das Mailänder Wochenmagazin Panorama. Auf Kritik gestoßen ist auch der kürzlich bekanntgegebene Abbau von 4100 Arbeitsplätzen in Italien. Diese kommen zu den 600 noch ausstehenden, im Rahmen der Capitalia-Integration beschlossenen Stellenstreichungen hinzu.

770 Mio. Euro Einsparungen

Der Abbau entsteht durch die Verschmelzung mehrerer in Italien operierender Tochtergesellschaften auf die Mutter UniCredit. Dadurch sollen rund 770 Millionen Euro eingespart werden. Lando Sileoni von der Bankgewerkschaft Fabi kündigte indes eine "zähe und erbitterte Konfrontation" mit UniCredit an.

Inzwischen macht der Mailänder Bankkonzern Kasse. Erst kürzlich hat UniCredit seine Schweizer Private Banking Tochter UniCredit Suisse Bank abgegeben. Zum Verkauf steht auch der Vermögensverwalter Pioneer. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2010)

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