Fünfeinhalb Jahre Haft für Tiroler wegen Missbrauchs

9. August 2010, 13:21
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28-Jähriger voll geständig - Urteil nicht rechtskräftig

Innsbruck - Wegen schweren sexuellen Missbrauchs Unmündiger ist am Montag ein 28-jähriger Innsbrucker zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann hatte sich an Buben im Alter von fünf bis zwölf Jahren vergangen. Der einschlägig Vorbestrafte bekannte sich zu Beginn unter Tränen schuldig. Er muss außerdem insgesamt 3.500 Euro Teilschadenersatz an zwei Opfer zahlen. Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig.

"Eine gerechte Strafe dafür ist schwer zu finden", gestand Richter Peter Friedrich die schwierige Strafzumessung für das Verbrechen ein. Allerdings seien der teilweise rasche Rückfall und der sexuelle Missbrauch auf unterschiedliche Vorgangsweise erschwerend zu werten. Bereits 2003 war der Oberländer wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden. Sowohl das umfassende, reumütige Geständnis sowie die Tatsache, dass die Übergriffe teilweise beim Versuch geblieben waren, führte der Vorsitzende als mildernd an.

Täter selbst Missbrauchsopfer

Im Zuge der Verhandlung schilderte der Angeklagte erstmals, dass ihm als 13-Jähriger Ähnliches passiert sei. Er sei von einem Mann sexuell missbraucht worden, habe dies aber über Jahre verdrängt. Erst vor dem Schöffensenat gab er den Vorfall an. Der 28-Jährige hätte schon viel früher eine Therapie machen wollen, habe sich aber geschämt und nicht gewusst, an wen er sich wenden solle. Jetzt wolle er sich so schnell wie möglich helfen lassen und von dem "Zeug" wegkommen. Er wolle "sein Leben in den Griff bekommen", sagte der Beschuldigte bei seiner Vernehmung. Bei den Opfern und deren Eltern wolle er sich entschuldigen, sofern das möglich sei.

Eigenerlebnis kein Einfluss auf Übergriffe

Die psychiatrische Sachverständige führte in ihrem Gutachten an, dass der Mann weder eine Persönlichkeitsstörung habe, noch an einer psychischen oder affektiven Störung leide. Bei allen Übergriffen sei der Tiroler zurechnungsfähig gewesen und auch die Dispositionsfähigkeit war gegeben, sagte Karin Kramer-Reinstadler. Laut ihr habe auch der Vorfall in der Jugend des Beschuldigten keinen Einfluss auf die Übergriffe gegenüber den Buben.

Im November 2009 war der Angeklagte aufgeflogen, als er ein Kind in einem Innsbrucker Einkaufszentrum in die WC-Anlage gelockt hatte und eine Zeugin ihn dabei beobachtete. Bereits seit 2005 hatte sich der Mann an Buben in Supermärkten, Spielplätzen und auch Schwimmbädern vergangen. Zum Teil versuchte er, die Buben durch "Doktorspiele" zu locken. Einige Male sei es beim Versuch geblieben, weil sich die Kinder weigerten oder der Verdächtige ertappt wurde.

Der Tiroler erbat sich drei Tage Bedenkzeit. Staatsanwältin Erika Wander gab keine Erklärung ab. (APA)

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