Seoul wirft Pjöngjang Beschuss des Gelben Meeres vor

9. August 2010, 20:21
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110 Granaten auf eigene Gewässer abgefeuert - Marine in Alarmbereitschaft versetzt - Südkoreanisches Fischerboot beschlagnahmt

Nordkorea lässt seine Artillerie auf Gewässer nahe dem Süden feuern, kurz nachdem dieser eine Marineübung beendet hat, und sorgt damit für Spannungen. Doch hinter den Kulissen bereiten die Staaten Gespräche vor.

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Seoul - Die Artillerie der nordkoreanischen Armee hat am Montag mehr als hundert Granaten in das Meer nahe der Küste Südkoreas gefeuert, berichtete ein südkoreanischer Sender. Erst kurz zuvor hatte Südkorea eine Militärübung in seinen Gewässern abgehalten. Im Laufe dieser Woche will Südkorea gemeinsam mit der US-Marine weitere Übungen abhalten.

"Alles, was wir wissen, ist, dass Nordkorea Artilleriemunition ins Meer gefeuert hat" , bestätigte ein Sprecher der südkoreanischen Armee den Vorfall. Sowohl Nordkorea als auch China hatten zuvor die Übungen als Provokation kritisiert. Peking machte sogar Aufzeichnungen seiner eigenen, normalerweise geheimen Militärübungen publik.

Die Spannungen zwischen den beiden Rivalen auf der koreanischen Halbinsel erhöhen sich damit weiter. Seit der angeblichen Versenkung der südkoreanischen Marinekorvette "Cheonan" durch Nordkorea im März dieses Jahres steht die Drohung eines bewaffneten Konfliktes zwischen den beiden Ländern im Raum.

Am Sonntag hatte die Marine des kommunistischenStaates ein Fischerboot aus dem Süden geentert und die mehrköpfige Besatzung nach Nordkorea gebracht. In Pjöngjang wurde die Gefangennahme jedoch nicht bestätigt, berichtet das südkoreanische Ministerium für die Wiedervereinigung der beiden Hälften der Halbinsel.

Gespräche über "Cheonan"

"Unsere Regierung hat den Norden im Einklang mit dem internationalen Recht und der gängigen Praxis um eine zügige Herausgabe der Fischer gebeten", sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Südkorea und der Norden einigten sich kurz zuvor am Montag auf gemeinsame Gespräche über die angeblich von einem nordkoreanischen Torpedo versenkten "Cheonan" im März dieses Jahres.

Die Gespräche sollen im Dorf Panmunjom stattfinden, wo bereits vor 47 Jahren das historische Waffenstillstandsabkommen zwischen beiden Ländern nach dem Korea-Krieg unterzeichnet wurde. Der Norden und der Süden wollen ein niederschwelliges Treffen von Offizieren auf Majors-Ebene abhalten und damit weitere Gespräche zwischen Generälen vorbereiten.

Die wiederholten Kalamitäten fallen in eine Zeit der politischen Unsicherheiten in Südkorea. Am Wochenende bildete Präsident Lee Myung-bak die Regierung um und ernannte den jungen Reformer Kim Tae-ho zum Premierminister. Lee hofft, damit seine wirtschaftsliberale Agenda gestärkt und erneuert fortsetzen zu können.

Ausgenommen von der Umbesetzung blieb das Außenamt und das Verteidigungsministerium. Beobachter werten dies als Zeichen dafür, dass Lee an seiner harten Linie gegenüber dem kommunistischen Nachbarstaat nichts ändern will. Lee ernannte zudem seinen Vertrauten Lee Jae-oh zum "Minister für spezielle Angelegenheiten". Als solcher soll er sich künftig um die Beziehungen zum Norden kümmern. (Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2010)

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