Erste Entspannung in Brandenburg

10. August 2010, 06:43
9 Postings

Pegelstand der Neiße sinkt leicht - Weltkulturerbe großteils verschont - Aufräumarbeiten gehen mit Hochdruck weiter

Dresden/Potsdam - Nach der Flut geht im ostdeutschen Bundesland Sachsen das große Aufräumen weiter und auch beim Hochwasser in Brandenburg deutete sich in der Nacht zum Dienstag leichte Entspannung an. So sei der Pegelstand der Neiße bei Klein Bademeusel (Spree-Neiße) binnen vier Stunden um 24 Zentimeter gesunken und habe um 3.00 Uhr bei 4,93 Metern gelegen, sagte eine Sprecher der Katastrophenschutzbehörde des Landkreises Spree-Neiße. Den höchsten Stand hatte der Fluss dort zuvor mit 5,28 Metern erreicht. An der Neiße gilt weiterhin die höchste Alarmstufe 4, an der Spree die Stufe 3. Auch die Spree bei Spremberg führt inzwischen etwas weniger Wasser.

Drohender Deichbruch

Für Entwarnung ist es in Brandenburg allerdings noch zu früh. Der zur Stadt Forst gehörende Ort Klein Bademeusel wurde wegen eines drohenden Deichbruches evakuiert, wie die Behörde mitteilte. Im Falle zweier kleinerer Gemeinden seien hingegen nur Vorbereitungen getroffen worden. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) fasste seine Eindrücke mit den Worten zusammen: "Wir halten die Situation für angespannt, aber beherrschbar."

Auch in Sachsen ist von Normalität noch keine Rede. Das Kabinett will am Mittag ein Darlehensprogramm im Umfang von 100 Millionen Euro auf den Weg bringen. Das hatte Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) am Montagabend nach einem Treffen mit seinen Ministerkollegen angekündigt. Er gehe davon aus, dass es zudem ein Sonderprogramm des Bundes geben muss, sagte er der "Sächsischen Zeitung".

Angst vor Plünderungen

In etlichen Orten des Landkreises Görlitz entlang der Neiße wurde der Katastrophenalarm am Montagabend aufgehoben. "Es ist alles rückläufig. Die Lage entspannt sich", sagte eine Sprecherin des Katastrophenschutzstabs des Landkreises Görlitz am frühen Dienstagmorgen. Allerdings habe die Polizei in Ostsachsen ihre Präsenz wegen befürchteter "Plünderungen" vorbeugend erhöht. "Anwohner haben Angst vor Einbrüchen und Diebstählen", sagte die Sprecherin, da viele Häuser "zum Trocknen offenstehen".

Kritik regte sich unter anderem an der Arbeit der polnischen Umweltbehörden. Tillich, der die Flutschäden in Sachsen auf einen dreistelligen Millionenbetrag schätzt, kündigte eine umfassende Untersuchung der Informationsketten nach dem Dammbruch am Witka-Stausee in Polen an. Die Wassermassen hatten die Neiße am Samstag innerhalb kürzester Zeit massiv und quasi ohne Vorwarnung anschwellen lassen. Die Behörden in Sachsen seien zunächst nur über eine erhöhte Abflussmenge aus der Talsperre, nicht aber über einen Dammbruch informiert worden, sagte der Regierungschef. Das habe Zeit gekostet. (APA)

  • Eine Aufnahme aus Bad Muskau. Die Fluten passierten die Stadt an der deutsch-polnischen Grenze Montag nachmittag
    foto: apn/sebastian willnow

    Eine Aufnahme aus Bad Muskau. Die Fluten passierten die Stadt an der deutsch-polnischen Grenze Montag nachmittag

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Fürst-Pückler-Park, ein UNESCO-Weltkulturerbe, wurde zum Teil überflutet, gravierende Schäden entstanden dadurch nicht

Share if you care.