Woran der Studienabschluss scheitern kann

9. August 2010, 10:07

Mittellose, Ziellose, Entmutigte und Lebenshungrige und ihr Umgang mit dem Studium

Der beste Weg, das Universitätswesen zu revolutionieren, ist, Studierende und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen und dann Lösungen für die eigentlichen Gründe von Studienabbrüchen zu finden. Im Rahmen unseres Projekts konnten wir fünf Typen von Studienabbrechern identifizieren: die Mittellosen, die Ziellosen, die Entmutigten, die Lebenshungrigen und die Überbeschäftigten.

Das Hauptproblem der Mittellosen sind die hohen Studiengebühren. Mit den entsprechenden Finanzen würden sie ihr Studium problemlos abschließen. Typischerweise haben sie für staatliche Unterstützung zu viel, für die Eigenfinanzierung aber zu wenig Mittel. Geld ist für fast alle Studierenden ein Problem. Diejenigen, für die Gebühren das einzige Problem sind, sind in der Minderheit.

Die Ziellosen wissen nicht, warum sie sich für eine akademische Ausbildung entschlossen haben. Sie haben dem sozialen Druck nachgegeben, der das Studium als einzigen Weg zum Erfolg sieht, aber für sie gibt es viele Wege, die eigene Berufung zu finden. Sie fühlen sich moralisch und emotional von den Universitäten im Stich gelassen, da diese die Gebühren kassieren, ohne wirklich für den Erfolg der Studierenden etwas zu leisten.

Die Entmutigten waren oft hervorragend in der Schule. Wenn sie aber auf der Uni nicht sofort Topnoten bekommen, sind sie verunsichert und frustriert. Sie glauben, den Ansprüchen von Freunden und Familie nicht standhalten zu können, und geben der Uni die Schuld an ihrem Scheitern.

Die Lebenshungrigen möchten im Leben aus dem Vollen schöpfen. Sie finden die Welt außerhalb der Uni deutlich interessanter; die Institution der Universität ist für sie künstlich und lebensfern. Sie halten die Universität für ein steriles Labor, in dem Professoren ohne Lebenserfahrung lehren und die Lerninhalte keinen Realitätsbezug haben. Die Uni kann mit den finanziellen und beruflichen Verlockungen außerhalb nicht mithalten.

Und schließlich gibt es die Überbeschäftigten, die ihr Studium gerne abschließen würden und auch die Mittel haben, aber den Stundenplan nicht mit ihrem Lebensplan abstimmen können. Sie müssen sich um Kinder und Arbeit kümmern, da hat Lernen eine niedrige Priorität. Das typische Studentenleben passt nicht zu ihrem Leben. Sie fühlen sich im Universitätsumfeld fehl am Platz.

Diese fünf Studententypen zu verstehen und ihre Bedürfnisse als Kernprobleme zu identifizieren bedeutet, die eigentlichen Probleme für Studienabbrüche anzupacken. (Katherine von Jan, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.8.2010)

Katherine Von Jan ist Trendforscherin, Innovationsberaterin und Creative Director ihrer Consulting-Firma KvJ & Company.

Kommentar posten
25 Postings
Cookie^^
00
17.8.2010, 10:13
"hohe" Studiengebühren?

Ok...ich weiß, dass es genug Leute gibt für die die 300-irgendwas € das Budget sprengen.
Diese sollten massiv gefördert werden.
jedoch sollte man die Studiengebühren nicht als hoch bezeichnen.
Was die Summe der Gebühren anbelangt, ist usner Staat mehr als gnädig. Man vergleiche beispielsweise England mit Österreich.
Fördersysteme ausbauen: JA.

Gebühren zu hoch?: NEIN

Management Quatscher
01
11.8.2010, 00:46

Trendforscherin und Zukunfstberaterin.
Nein, Trendforscherin und Innovationsberaterin.

Meine Lieblinge. Hochqualifiziert. Und so teppert.

Ava Tar
01
10.8.2010, 14:15
Fast ein echter Mei-Pochtler, dieser Artikel^^

Anyuser
 
00
14.8.2010, 19:31

Sie fehlt mir, die Antonella.

Randalf X.
00
10.8.2010, 13:31
Ich glaube das stimmt das Datum nicht von diesem Artikel

die Studiengebühren wurden bereits 2009 abgeschafft.

Silvia König
00
11.8.2010, 11:17
Es gibt sie noch....

Für alle, die das noch (nicht) wissen, die Studiengebühren wurden "nur" an den Unis abgeschafft, die StudentInnen der FHs zahlen meist immer noch die Gebühren - bis auf ein paar wenige Ausnahme-FHs, die darauf verzichten (können).

Max Ville
00
10.8.2010, 10:50
Studiengebühren??

Moment mal, welche Studiengebühren, die wurden doch vor 2 Jahren als Wahlgeschenk abgeschafft, damit die Unis weiter abwirtschaften können - oder wird hier von einem anderen EU-Land gesprochen??

Der Österreicher
00
10.8.2010, 11:20

Korrekt! Welche, und vor allem welche HOHEN Studiengebühren meint der Autor?

MFC
20
10.8.2010, 07:24
an der nötigen Intelligenz

LL MM
00
10.8.2010, 00:03

Die "Lebenshungrigen". So ein Euphemismus.

Besser man nennt sie die "Faulen", das schließt Nicht-Lebenshungrige auch mit ein.

Eine Gruppe hat sie auch noch vergessen: Diejenigen, die fürs Studium zu blöd sind. Oder kann jeder jedes Studium schaffen?

doSomething()
00
10.8.2010, 19:15

soetwas darf man in unserer heutigen überkorrekten welt nicht mehr sagen.

ich denke: "in-der-kindheit-in-eine-andere-richtung-orientert-geförderte menschen" wäre die korrekte ausdrucksweise.

Gobi Todic
00
mein typ wurde vergessen

der MA WUARSCHT typ ist auch nicht gerade unterrepräsentiert ;)

lunatico
00
ähnlich genial wie diese artikel von kvj:

ihre tweets (sagt man das so?)

http://twitter.com/katherinevonjan

noch fragen?

stefan81
61

für die lebenshungrigen gibts von mir kein mitleid. jeder muss selbst wissen was für ihn gut ist.

auch kann mir keiner erzählen dass die lächerlichen studiengebühren für irgendwen ein problem dargestellt haben. die waren maximal lästig, aber mehr schon nicht.

ohne konsequenz geht halt nix im leben. wenn man ein studium beginnt sollte man sich schon davor halbwegs klar darüber wen welche "opfer" zur zielerreichung notwenig sind. es ist ja nicht so dass es keine möglichkeiten gäbe sich ausreichend zu informieren.

muhme
00
was viel zu wenig erwähnt wird,

ist die Tatsache, dass man recht leicht die Kinderbeihilfe verliert. Diese Tatsache kostet mit ca. 2500 Euro im jahr deutlich mehr als die ca 700 Euro Studiengebühr! Das macht den meisten Studenten, die ich kenne, bzw. deren Eltern, die, wie erwähnt, gerade doch zuviel verdienen, meistens mehr Kopfzerbrechen als die Gebühren.

Round'n'round it goes
03

Nur weil du die Studiengebühren locker aus der Portokasse zahlst, heißt das nicht, dass das für jeden so leicht geht. Also halt dich zurück. Du hast keine Ahnung mit welchen finanziellen Situationen so manch Studierender zu kämpfen hat!

stefan81
00

wenn man keine eltern hat die einen unterstützen muss man sich eben etwas einschränken und vielleicht auch neben dem studium noch arbeiten.

aber jeder braucht ja ein auto, ein iphone, urlaube mehrmals jährlich etc. man muss seine anspruchshaltung eben den möglichkeiten anpassen wenn man sichs von zu hause aus nicht leisten kann.

I_prefer_not_to
12
10.8.2010, 00:13

Allein schon, dass Sie davon ausgehen, dass für Studenten Auto, iphone oder Urlaubsreisen normal wären, zeigt, dass Sie tatsächlich in einer anderen Welt leben.
Bei den meisten geht's eher darum, wie man Miete und Essen bezahlt.

stefan81
11
10.8.2010, 08:21

ge bitte. mein studium ist jetzt noch nicht soo lange her, als dass ich mich nichtmehr daran erinnern könnte wie es war.

ich hab während meines studiums keinen einzigen getroffen wo ich mir gedacht habe. "pfffff, der tut mir jetzt leid. wie schafft der das nur?"

aber vielleicht kommt das auch auf die studienwahl an von welcher klientel man umgeben ist.

jedenfalls glaube ich nicht dass es unseren studenten so schlecht geht wie hier immer getan wird. ein bisserl arbeiten nebenbei ist jedem zuzumuten, sollte es aufgrund der familiären finanzverhältnisse notwendig sein.

Schurli Schorsch
 
00

also ich gehörte auch zu diesen mittellosen, deren eltern ums berühmte *rschlecken zuviel geld hatten für ein stip aber zu wenig um mich echt zu unterstützen. komischerweise (vll gerade deshalb) hab ich dennoch in mindestzeit studiert und nie nebenbei arbeiten müssen, von gut bezahlten jobs in den ferien abgesehn. auch an einem normlen studentenleben hat es nicht unmittelbar gemangelt, urlaube im winter und sommer waren halt nicht drinnen, genauso wie ein erasmus aufenthalt oder ein auto. aber sind wir uns mal ehrlich, nichts davon ist ein verlust. ins ausland bin ich gleich danach gekommen und das gut bezahlt und die urlaube die studenten so machen haben michnie gereizt und jetzt kann ichs mir leisten hin zufahren wo und wie ich will...

Mario23
110
Danke für die Verschwendung von 45sec meines Lebens..

:-)

HagenvonTronje
011
Katherine Von JAN ist Trendforscherin, Innovationsberaterin und Creative Director ihrer Consulting-Firma KvJ &Company.

Also eine der vielen QuacksalberInnen, die Offensichtliches in einer paar Wortformeln verpacken und dafür abkassieren.

gueldensternn
01
10.8.2010, 11:56

Und damit ist sie deutlich schlauer als Sie, der Sie das Offensichtliche für sich bahelten u folglich auch nicht abkassieren.

Ronny Plattner
01
10.8.2010, 00:34
grün??

du bekommst grün für die beipflichtung dieser stereotypen? grausame welt. Mario23 trifft es da schon eher :-) ... geplapper welches an der realen welt vorbeigeht

I_prefer_not_to
00
10.8.2010, 00:48
Sie sollten vielleicht nicht nur den fett geschriebenen Teil des Postings lesen,

sondern auch das, was drunter steht.

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