Außenminister Avigdor Lieberman holte mutmaßlichen Spion in Wien ab

9. August 2010, 17:13
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In Libyen freigelassener Mann saß seit März in libyschem Gefängnis

Jerusalem/Wien - Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman hat den von Libyen freigelassenen Israeli Rafael (Rafrum) Haddad in Wien abgeholt. Nach Angaben der israelischen Botschaft in Österreich traf Lieberman Haddad bereits am gestrigen Sonntagabend am Flughafen Wien Schwechat. Am Montag in der Früh seien sie gemeinsam nach Tel Aviv abgeflogen, hieß es weiter.

Der österreichische Geschäftsmann Martin Schlaff "hat in der Angelegenheit geholfen", teilte der israelische Botschafter Aviv Aharon Shir-On mit. Nähere Angaben wollte Shir-On nicht machen.

Jüdisches Erbe fotografisch dokumentieren

Hintergrund: Haddad, ein auf der tunesischen Insel Jerba geborener Israeli, der heute in Jerusalem lebt, flog vor fünf Monaten nach Libyen, um dort das jüdische Erbe fotografisch zu dokumentieren. Wie der israelische Rundfunk berichtete, galt Haddad daraufhin in Libyen als "verschollen". Amerikaner, Franzosen und Italiener hätten erfolglos versucht, das Schicksal Haddads zu erkunden, der von der libyschen Polizei unter Spionageverdacht festgenommen worden war. Die israelische Zeitung "Haaretz" teilt in ihrem Onlinedienst mit, dass das Verschwinden von Haddad seit März einer "vollständigen Zensur" unterlag.

Haddad ist Mitglied eines Vereins ehemaliger libyscher Juden. In Libyen gibt es heute keinen einzigen Juden mehr, obgleich es in dem nordafrikanischen Land zweitausend Jahre lang eine wohldokumentierte blühende jüdische Gemeinde gab. Vor etwa einem Jahr starb die letzte in Libyen lebende Jüdin.

Netanyahu wandte sich an Berlusconi

"Haaretz" berichtet, dass sich der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu persönlich an den italienischen Premier Silvio Berlusconi gewandt habe mit der Bitte, für eine Freilassung Haddads in Libyen zu intervenieren. Nachdem aber auch französische und amerikanische Vermittlungsbemühungen gescheitert seien, habe Lieberman vor etwa zwei Monaten beschlossen, seine persönlichen Kontakte zu Schlaff zu nutzen, um eine Freilassung von Haddad zu erreichen. Schlaff sei ein persönlicher Freund von Saif al-Gaddafi, Sohn des libyschen Revolutionführers.

Zur gleichen Zeit versuchten mehrere Schiffe aus der Türkei, die israelische Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Mit der Vermittlung von Schlaff liefen die Verhandlungen über eine Freilassung Haddads aus libyischer Haft damals auf Hochtouren, was auch eine Erklärung für den angeblichen "Motorschaden" bei den blockadebrechenden Schiffen liefert. Die Fahrt sollte so verzögert werden, da die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen waren.

Wien genehmigte offenbar Einreise auch ohne Papiere

Die Nachrichtenagentur AP berichtet, dass ihm Rahmen des von Schlaff ausgehandelten Geschäfts im Juli 20 vorfabrizierte Häuser an Bord eines libyschen Schiffes über Al Arish in Ägypten nach Gaza gebracht werden durften. Lieberman wurde im Rundfunk zitiert, dass es die höchste Pflicht eines Juden sei, einen Gefangenen auszulösen und zu befreien.

Nach Angaben des israelischen Nachrichtendienstes Ynet machte Lieberman gerade in Moldawien Urlaub, als er von Schlaff gebeten wurde, nun nach Wien zu kommen, um den freigelassenen Haddad in Empfang zu nehmen und nach Israel auszufliegen. Österreich habe die Einreise von Haddad genehmigt, obgleich er keine Papiere bei sich trug. (APA)

  • Avigdor Lieberman (rechts) und Rafael (Rafrum) Haddad in Wien.
    foto: handout

    Avigdor Lieberman (rechts) und Rafael (Rafrum) Haddad in Wien.

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