"In Krisenzeiten wird mehr Alkohol getrunken"

8. August 2010, 18:59
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Der Mailänder Spirituosenhersteller Campari hat Durst und will zukaufen. Wann, wo und wieso, erklärt Firmenchef Kunze-Concewitz

Der Mailänder Spirituosenhersteller Campari hat Durst und will zukaufen. Wann, wo und wieso, sagte Firmenchef Robert (Bob) Kunze-Concewitz auf Fragen von Thesy Kness-Bastaroli.

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STANDARD: Campari hat die Konsumkrise gut überstanden, ist im ersten Halbjahr 2010 um 17 Prozent gewachsen und hat den Nettogewinn um 15 Prozent erhöht. Was ist der Grund dafür?

Concewitz: Es gibt mehrere Gründe. Wir haben zwei Wachstumsmärkte par excellence: Österreich und China. Während wir in Österreich bereits von einem vergleichsweise hohen Pro-Kopf-Konsum ausgehen, ist das Wachstum in China relativ zu sehen. In Österreich setzen wir etwa dieselbe Menge von Aperitif-Getränken und Spirituosen ab wie in China. In den ersten Monaten haben wir den Absatz in Österreich um knapp 30 Prozent erhöht.

STANDARD: Ist es der blutrote Bitter Campari, oder sind es andere Produkte, die in Österreich Erfolg haben?

Concewitz: Wir punkten vor allem mit Aperol, speziell mit dem "Spritz" . Das orangenfarbene Mixgetränk (drei Teile Prosecco, ein Teil Soda, zwei Teile Aperol) erinnert in Österreich an den Gespritzten und hat dadurch, wie in Venetien auch, einen besonderen Appeal. Aber auch unsere vor drei Jahren gegründete Vertriebsgesellschaft Campari Austria hat zum Erfolg beigetragen. Wir haben die Zahl der Mitarbeiter inzwischen auf 16 verdoppelt.

STANDARD: Das Unternehmen hat in den letzten zehn Jahren den weltweiten Umsatz verdreifacht. Befinden Sie sich derzeit auf Konsolidierungskurs, oder wollen Sie weitere Akquisitionen tätigen?

Concewitz: Wir wollen in nächster Zukunft zukaufen. Aber wir bleiben im Bereich der Spirituosen, planen keinerlei Diversifikation. In diesem Bereich kennen wir unsere Kunden.

STANDARD: Sind Sie etwa auch an Red Bull interessiert?

Concewitz: Die sind viel zu groß für uns. Red Bull verzeichnet etwa den dreifachen Umsatz der Davide Campari Spa (2009 gut eine Mrd. Euro; Anm.). Wir haben etwa 300 Millionen Euro in unserer Kasse und könnten Zukäufe auch mittels eines neuen Bonds stemmen.

STANDARD: Campari hat im Vorjahr die Marke "Wild Turkey" übernommen. In Ihrem Angebot fehlen nur noch Gin und Rum. Konzentrieren Sie sich bei den neuen Zukäufen auf diese Produkte?

Concewitz: Keineswegs. Wir greifen dann zu, wenn es Gelegenheiten gibt. Der Spirituosenmarkt ist noch stark fragmentiert. Die ersten 100 Anbieter kontrollieren nur 15 Prozent des Marktes. Wir stehen auf Rang sechs.

STANDARD: Streben Sie die Nummer-eins-Position an?

Concewitz: Nicht unbedingt. Wir wollen einfach unser Wachstum der vergangenen Jahre fortsetzen.

STANDARD: Hat sich während der Krisenjahre der Alkoholkonsum verringert?

Concewitz: Im Gegenteil. Während Krisenzeiten wird mehr Alkohol getrunken. Allerdings haben sich die Konsumgewohnheiten geändert - vor allem in den USA. Es wird nicht mehr so viel in Bars und Restaurants getrunken, sondern mehr zu Hause, in den eigenen vier Wänden.

STANDARD:  Sie geben bis zu 18 Prozent des Umsatzes für Kommunikation, Promotion und Werbung aus. Der Anteil ist relativ hoch?

Concewitz: Ja. Wir haben in den letzten zwei Jahren unsere Ausgaben noch weiter erhöht. Wichtig ist, dass wir 24 Stunden präsent sind: Ob es sich um Plakate, Web-Einschaltungen, TV-Spots, Sponsoring von Kultur oder Sportveranstaltungen handelt, wir müssen überall dabei sein. Wir veranstalten auch zahlreiche Events: Etwa Aperitifs in der Wiener Oper.

STANDARD: Wo sehen Sie die größten Wachstumschancen?

Concewitz: In Osteuropa und Südamerika.

STANDARD: Haben Sie als österreichischer Topmanager in einem italienischen Familienkonzern Vor-oder Nachteile?

Concewitz: Die norditalienische Mentalität ist der österreichischen sehr ähnlich. Ich sehe nur Vorteile. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.8.2010)

BOB KUNZE-CONCEWITZ (42) ist seit Mai 2007 Vorstandsvorsitzender der Davide Campari Spa mit Sitz in Mailand. Der in Istanbul geborene Manager hat in den USA, Deutschland und Großbritannien studiert und ist österreichischer Staatsbürger. Er spricht fünf Sprachen akzentfrei und begann seine Karriere bei Procter & Gamble. Mindestens einmal im Jahr kommt die gesamte Familie nach Österreich: Zu Weihnachten und Neujahr zieht es ihn mit seiner Frau und den beiden Kindern (8 und 10 Jahre) nach Lech am Arlberg zum Skifahren.

  • Bob Kunze-Concewitz: "Wir bleiben im Bereich der Spirituosen, planen keine Diversifikation. Da kennen wir unsere Kunden."
    foto: campari

    Bob Kunze-Concewitz: "Wir bleiben im Bereich der Spirituosen, planen keine Diversifikation. Da kennen wir unsere Kunden."

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