Nichtlösung garantiert

8. August 2010, 18:40
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Für Russland ist Georgiens Präsident Michail Saakaschwili offiziell ein unberechenbarer Abenteurer

Für Russland ist Georgiens Präsident Michail Saakaschwili offiziell ein unberechenbarer Abenteurer. Das ist er inoffiziell für viele westliche Staaten wohl auch. Zu ihnen dürften inzwischen auch die USA gehören.

Beim Ausbruch des Georgien-Kriegs vor zwei Jahren war das anders. Ohne zumindest stillschweigende Ermunterung durch die damalige Bush-Regierung in Washington hätte sich Saakaschwili kaum auf einen Waffengang mit dem x-fach überlegenen Nachbarn eingelassen. Außer er ist tatsächlich jene "unguided missile", jene unlenkbare Rakete, für die ihn viele halten, die ihn näher kennen.

Streng völkerrechtlich sind die abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien georgisches Territorium. Aber der Konflikt hat weit tiefere Wurzeln, kulturelle, historische und andere, die durch das Völkerrecht nicht zu beseitigen sind. Also kann es nur eine politische Lösung unter Einbeziehung aller Betroffenen geben.

Und die ist außer Sichtweite. Denn im Grunde sind alle mit dem Status quo zufrieden, natürlich ohne dies zuzugeben: Russland kann sich kein besseres Feindbild als Saakaschwili zur Aufrechterhaltung seiner Schutzfunktion für die Separatisten wünschen; der georgische Staatschef wiederum braucht den äußeren Feind, um die innere Opposition niederzuhalten; und vielen im Westen ist das alles ganz recht, weil es Georgien fernhält von EU und Nato. Die haben ohnehin genug andere Probleme. (Josef Kirchengast/DER STANDARD, Printausgabe, 09.08.2010)

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