Tauwetter zwischen Kolumbien und Venezuela

8. August 2010, 17:48
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Staatschefs Santos und Chávez entschärfen den Streit um Lager der Farc-Guerilla

Caracas/Bogotá/Wien - Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat in einer Rede am Samstag Kolumbien Gespräche angeboten. "Ich bin bereit, eine neue Seite in unseren Beziehungen aufzuschlagen, und blicke hoffnungsvoll in die Zukunft" , sagte Chávez.

Auch Juan Manuel Santos brachte bei seiner Angelobung als Präsident Kolumbiens am selben Tage seine Hoffnung auf eine Besserung der Beziehungen zu Ausdruck. "Einer meiner wichtigsten Pläne als Präsident ist es, die guten Beziehungen zu Venezuela wieder herzustellen" , sagte Santos im Rahmen der formellen Zeremonie in Bogotá. "Das Wort ‚Krieg‘ kommt in meinem Wortschatz nicht vor" , fügte er hinzu.

In den vergangenen Wochen war der Ton zwischen den beiden Ländern immer schärfer geworfen, nachdem Kolumbien Venezuela vorgeworfen hatte, Kämpfern der linksextreme Farc-Guerilla in ihrem Territorium Unterschlupf zu gewähren. In Folge ließ Chávez an der rund 2200 Kilometer langen Grenze zu Kolumbien Panzer auffahren.

Klage in Den Haag

Noch am Freitag übermittelte die kolumbianische Regierung dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag eine Klage gegen Venezuelas Staatschef Hugo Chávez. Dessen Regierung toleriere nicht weniger als 87 Guerillalager mit insgesamt rund 1500 Kämpfern auf venezolanischem Boden. Die Farc habe von dort dutzende Angriffe auf kolumbianische Ziele lanciert. Das mache Chávez zu einem Kriegsverbrecher. Die Klageschrift wurde noch von Santos' Vorgänger Álvaro Uribe vorbereitet.

Beobachter erwarten, dass Santos konziliantere Töne anschlägt. Auch mit der Farc will Santos - ungleich seinem politischen Mentor Uribe - künftig in Dialog treten. "Meine Regierung möchte jeden Dialog aufnehmen, wenn es hilft, die Gewalt zu beenden" , sagte er am Sonntag.

Hinter verschlossen Türen gab es in den vergangenen Wochen mehrere Versuche von Nachbarstaaten, im Streit zwischen Venezuela und Kolumbien zu vermitteln. Zuletzt sprachen Brasiliens Präsident Luiz Inacio da Silva und Argentiniens Expräsident Nestor Kirchner mit Chávez. Sie dürften ihm gut zugeredet haben. (fan/DER STANDARD, Printausgabe, 09.08.2010)

 

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    Venezuelas Staatschef Hugo Chávez (hier am Sonntag im Stadion von Caracas) bot Kolumbiens neuem Präsidenten Juan Manuel Santos Gespräche an. Auch dieser will die Beziehungen verbessern.

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