Das Elend in Laucha

8. August 2010, 17:43
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In einem kleinen Ort im ostdeutschen Sachsen-Anhalt trainiert ein NPD-Politiker den Fußball-Nachwuchs

Als Leibarzt des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg hat es der in Laucha geborene Mediziner Gottfried Möbius im 17. Jahrhundert zu einigem Ansehen gebracht. Danach konnte der kleine Ort im ostdeutschen Sachsen-Anhalt jahrhundertelang keine Prominenten mehr bieten. Jetzt aber gibt es in Laucha wieder jemanden, der mittlerweile bundesweit bekannt ist: Lutz Battke, Trainer der Nachwuchsmannschaft im örtlichen Fußballverein BSC 99 Laucha.

Die politische Gesinnung steht Battke praktisch ins Gesicht geschrieben: Nebst Vokuhila-Frisur trägt er ein braunes Hitlerbärtchen. Für die rechtsextreme NPD sitzt der Schornsteinfeger im Stadtrat und auch im Kreisrat.

Battkes Engagement im Fußballclub kommt der NPD gerade recht. Seit geraumer Zeit bemüht man sich dort, junge Leute anzusprechen - weniger bei martialisch anmutenden Demonstrationen, mehr "in der Mitte der Gesellschaft" , also auf dem Schulhof, in Jugendclubs oder in Sportvereinen. Brandstifter geben sich als Biedermänner, um so vor allem an Jugendliche heranzukommen.

Zehn Jahre lang konnte Battke seine Jugendarbeit mehr oder weniger im Stillen verrichten. Doch dann kam es im April 2010 zu einem äußerst hässlichen Vorfall: Ein 17-jähriger Israeli, der mit einen Eltern in Laucha lebt, wurde von einem 20-jährigen als "Judenschwein" diffamiert und mitten in Laucha verprügelt. Der Angreifer war zuvor jahrelang von Battke trainiert worden.

Als der Landessportbund von der Sache Wind bekam, drängte er den BSC 99 Laucha, Battke hinauszuwerfen. Doch dort weigerte man sich. Battke sei "eine Stütze des Vereins" , außerdem äußere er sich ja nicht politisch, sondern spiele mit den jungen Menschen nur Fußball. "Battke hat im Verein die volle Rückendeckung, weil wir das Ganze nicht als Politikum sehen" , sagt Vereinschef Klaus Wege. In Laucha (knapp 3000 Einwohner) kam die NPD bei der letzten Kommunalwahl auf überdurchschnittliche 13,5 Prozent.

Wenig Rückendeckung hingegen haben Battke und der BSC 99 Laucha beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Dessen Chef, Thomas Bach, hat den Landessportbund aufgefordert, Battke die rote Karte zu zeigen. Die Länderfunktionäre wären den Trainer auch gerne los, haben aber rechtlich keine Handhabe gegen ihn: Aus dem Landessportbund können nur Vereine, nicht aber einzelne Mitglieder von Vereinen ausgeschlossen werden.

Fördermittel streichen

Um den Schaden zu begrenzen, will der Landessportbund im September seine Satzung ändern. In dieser heißt es zwar, man wende sich in allen Mitgliedsorganisationen "gegen Rassismus, Faschismus" . Geplant ist nun aber, diesem Bekenntnis mehr Nachdruck zu verleihen: Wer sich nicht daran hält, soll künftig Fördermittel des Landessportbundes verlieren. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 9. 8. 1010)

  • Lutz Battke trägt seine Gesinnung zwischen Nase und Oberlippe.
    foto: internet

    Lutz Battke trägt seine Gesinnung zwischen Nase und Oberlippe.

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