Der Donald Duck des Radrennsports

Guido Gluschitsch, 8. August 2010, 17:02
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    foto: reuters

    "Poupou" hat bei der Tour de France bis heute die meisten Podiumsplätze belegt.

Raymond Poulidor ist unsterblich, weil er nie die Tour de France gewann, ja nicht einmal das gelbe Trikot ergatterte

Er ist ein tragischer Held. Und die Menschen lieben ihn. Das war Anfang der 1960er-Jahre so. Und das ist heute noch so, vor allem in Frankreich, dem Heimatland von "Poupou", wie Raymond Poulidor liebevoll genannt wird.

Ich habe von "Poupou" erst vor Kurzem zum ersten Mal gehört - nein, in der Glotze gesehen. Für jene, die ihn auch nicht kennen: Raymond Poulidor wurde am 15. April 1936 in Masbaraud-Merignat, mitten in Frankreich geboren und verdiente sein Geld als Rad-Rennfahrer, bis er 1977 sein Trikot an den Nagel hängte.

Im Alter von 40 Jahren blickte Raymond Poulidor auf 189 Siege zurück. Nur, beim wichtigsten Heimspiel, der Tour de France, hatte Poupou nie ein Leiberl. Obwohl er bei seinen vierzehn Rennen acht Mal aufs Stockerl fuhr - er wurde drei Mal Zweiter und fünf Mal Dritter - gewann er die Tour de France nie und ergatterte nicht ein einziges Mal das gelbe Trikot. Dieses verpasste er 1964 um nur 55 Sekunden, als er im Duell mit seinem großen Gegner Jacques Anquetil den Kürzeren zog.

Damals schon stand fast ganz Frankreich hinter seinem tragischen Helden Poupou und pfiff Anquetil aus - vielleicht den Michael Schumacher des damaligen Radsports. Die Franzosen kennen ihren Poupou heute noch, wie jeder Österreicher weiß, dass Ferry Dusika ein sehr erfolgreicher heimischer Radsportler war. Doch anders als Ferry Dusika hat Poupou im alltäglichen Sprachgebrauch der Franzosen einen fixen Platz, ist sein Name doch ein Synonym für "Pechvogel" oder den "ewigen Zweiten".

Was die Franzosen in ihrer Freude des ewigen Zweiten vergessen, ist, dass Poupou bei der Tour de France der Fahrer ist, der bis heute die meisten Podiumsplätze belegt hat. Bis 2009 hielt er diesen Titel auch ganz allein. Erst als Lance Armstrong letztes Jahr Dritter wurde, hatte er gleich viele Stockerlplätze wie Raymond Poulidor, auch wenn er mit seinen sieben Siegen in Folge sogar Jacques Anquetil vom Thron der meisten Tour de France-Siege in Folge stieß, wo sich dieser in einer illustren Runde mit Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain befand, die jeweils fünf Mal in Folge gewannen.

Doch so ist das eben. Während an Lance Armstrong die Dopingvorwürfe hängen wie der frühe Lucky Luke an der Zigarette, klebt der Donald Duck am Raymond Poulidor und macht den heute 73-jährigen Franzosen mit dem "Poulidorsyndrom" unsterblich.

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16 Postings
Argamak de oro
 
00
23.8.2010, 15:06
5x in folge

indurain war der erste, der das zuwege brachte.

black jack
00
19.8.2010, 23:19

Anfang der 80er hat Bernard Hinault so ziemlich alles gewonnen was es zu gewinnen gab: Giro, Vuelta, Tour und WM. DIe Generation davor, hab ich nicht bewusst erlebt. Scheint aber auch spannend gewesen zu sein.

Was ist ab Mitte der 80er mit den Franzosen im Radrennsport passiert?

maxx 77
01
23.8.2010, 10:51

Nach Hinault und Fignon gab's zwar keine Rundfahrtssieger mehr, aber immerhin noch Fahrer wie Richard Virenque oder Laurent Jalabert sowie Ausreißerkönig Jacky Durand.
Fahrer wie Christophe Moreau, Thomas Voeckler oder Sylvain Chavanel fielen in den letzten Jahren immer wieder durch großen Kampfgeist auf, konnten aber nichts Nennenswertes mehr gewinnen.
Während der heurigen TdF hat Bernard Hinault den jungen Franzosen mangelnde Einstellung attestiert - aber der Grund für das langjährige Hinterherhecheln hinter der Konkurrenz mag wohl eher in einem vergleichsweise strengen Vorgehen gegen Doping liegen (vgl. Schweiz nach Rominger/Zülle/Camenzind oder Deutschland nach Ullrich)

Col de la Tourette
01
Glu bist Du das?

Der Stil kommt mir so bekannt vor. (Raufscrollen zum Autor ... siehe da!)

scribo
01
Eine imposante Radfahrer-Karriere!

Gut, dass seine Geschichte erzählt wird und dass er gewürdigt wird!
Die Donald Duck-Attribution versteh´ich aber (als Radfahrer und als Disney-Kenner) nicht. Zum einen ist er sehr erfolgreich gewesen (also schon eher ein Dagobert Duck), zum anderen: An eine solche erfolgreiche Karriere den Tour-Maßstab anzulegen und ihn deshalb zum "ewigen Zweiten" zu machen halte ich für eine journalistische Perfidie. Nichts für ungut, aber er war gut, hat halt nicht alles, was er gewinnen wollte, gewonnen. Das kann auch ohne "Immer Zweiter-Ätsch-Donald-Duck"-Kommentar erzählt werden.

Ich bin der Meinung...
00
Donald

ist bei Walt Disney der ewige Pechvogel. Das sollte wohl die Parallele zu Raymond Poulidor sein. Denn er war immer einer der Allerbesten. Hatte aber nie das Gelbe Trikot.

leitfaden
01

ja, schon, aber nur, wenn man als journalist nicht unter dem zwang zur zwanghaften originalität leidet.

Tomas Czwirner
01

sehr treffend formuliert, das trifft auf niemanden so genau zu wie auf Herrn Glu.

Blick Winkel
11
Ein sehr schöner Artikel

Gerade, weil er die Tour nie gewonnen hat, macht es ihn umso menschlicher.

Alter Knochen
15

Ahhh... Glu schaut auch Karambolage auf Arte ;)

celeste
37
Donald Duck? wtf

"Im Alter von 40 Jahren blickte Raymond Poulidor auf 189 Siege zurück."

Den Donald so wie ich ihn kenn' hätte damit so seine Mühe gehabt'.

Monsieur Poulidor mit Donald zu asoziieren zeugt entweder von "anders" verstandener Eigenschaften von Disney´s Charakteren oder, und das schreibt der Autor ja auch, die Person Poulidor nur vom Hörensagen zu kennen.

Gerade weil er seine Rolle mit Würde getragen hatt' verehren ihn die Franzosen.

Tomas Czwirner
00

Ich bin Franzose und habe noch nie ein Baguette gegessen.

aculus populus
 
30

Wem interessiert das?

uni versalis
00
11.8.2010, 00:05
mir!

helmut wiesel
015

mir

uni versalis
00
11.8.2010, 00:05
sorry,

zu spät ihre antwort gesehen !

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