"Unamerikanisch und unethisch"

8. August 2010, 15:54
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Anwalt des Tour-Rekordsiegers griff Zeugen an: Eigennutz wahres Motiv

Wien - Lance Armstrong geht bei seiner Verteidigung in die Offensive. Unterstützt von seinen Sponsoren, versammelt der 38-jährige Texaner seine Entourage zum Kampf gegen die US-Ermittler und den unbeugsamen Special Agent Jeff Novitzky. Der studierte Wirtschaftsprüfer will den seit Jahren schwelenden Dopingvorwürfen gegen Armstrong, neu befeuert durch die detaillierten Aussagen von Floyd Landis, auf den Grund gehen.

"Unamerikanisch und unethisch", nannte Armstrong-Anwalt Brian Daly die Untersuchungen, die noch dazu Steuergelder vergeudeten. Der Strafverteidiger aus Los Angeles unterstellte den gegen seinen Mandanten aussagenden Zeugen, ehemalige und aktuelle Radprofis, in der "New York Times" Eigennutz und nicht etwa Wahrheitsliebe. Sie hätten mit den Ermittlern um Novitzky womöglich Schonung bei eigenen Vergehen und damit sogenannte "Sweetheart Deals" vereinbart, wenn sie Armstrong beschuldigen. Neben Landis soll Tyler Hamilton verhört worden sein - ein weiterer ehemaliger Teamkollege von Arsmtrong. Auch der langjährige Armstrong-Kritiker Greg LeMond, der die Tour de France dreimal gewann, soll bereits ausgesagt haben.

Chefermittler Novitzky, der sich in der Balco-Affäre mit der Verurteilung der Olympiasiegerin Marion Jones hervortat, äußerte sich bisher in der Öffentlichkeit zum Fortgang des Falles Armstrong nicht. Seitdem Landis im Mai ein Dopinggeständnis abgelegt und seinen ehemaligen Teamkapitän des jahrelangen Dopings bezichtigt hatte, ist Novitzky im Auftrag der Bundesbehörde zur Überwachung von Nahrungs- und Arzneimitteln auf die Sache angesetzt.

Am Wochenende gaben Armstrong zwei seiner wichtigsten Sponsoren Flankenschutz und gewähren ihm weiter Finanzmittel. Er habe vorerst keine Pläne, Armstrong von der Liste der gesponserten Athleten zu streichen, sagte der Sprecher von Fahrrad-Hersteller Trek,  Bill Mashek: "Wir dürfen nicht vergessen: Bisher handelt es sich nur um Anschuldigungen." Ähnlich der Standpunkt des Sportartikel-Herstellers Nike. Am 14. August steigt Armstrong beim "Leadville 100"-Mountainbike-Rennen zum ersten Mal nach seinem Tour-Abschied wieder aufs Rad.

Die Ermittler könnten sich auch für den mysteriösen Geldfluss von Armstrong Richtung Weltverband UCI interessieren. Dessen Präsident Pat McQuaid konnte immer noch keine plausible Erklärung für die Zahlung von insgesamt 125.000 Dollar geben. Nicht einmal die Daten des Zahlungseingangs zwischen 2002 und 2006 sind klar. Vielleicht steckt auch dort ein Interessenabtausch dahinter, nachdem die UCI 2005 Armstrongs nachträglich positiv analysierten EPO-Proben der Tour 1999 ignoriert und als sportjuristisch irrelevant erklärt hatten. Landis hatte berichtet, Armstrong habe ihm 2002 von einer Spende für eine unterschlagene Dopingprobe erzählt.

Die UCI macht auch nach den Veröffentlichungen des "Wall Street Journal" vom Wochenende keine gute Figur: Fünf seit Dezember 2009 bekannte, aber namentlich nicht genannte Radprofis sind trotz auffälliger Blut- und Urinwerte bisher nicht bestraft worden. McQuaid versicherte, dass gegen die fünf weiter ermittelt werde. Das Ärzte-Gremium, das das Blutpass-Programm der UCI betreut, hatte im Vorjahr acht verdächtige Fahrer benannt. Drei von ihnen, darunter der  Italiener Franco Pellizotti waren sanktioniert worden. Die anderen fünf blieben unbehelligt und unbekannt. Die Welt-Anti-Doping- Agentur WADA will intervenieren. (APA/red)

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