"Leasing Affäre" wird wieder untersucht

8. August 2010, 19:18
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Grazer Prozess geht nach längerer Pause weiter, diese Woche sind drei Verhandlungstage angesetzt

Graz - Im Grazer Straflandesgericht wird am Montag (9.8.) der Prozess um die Leasing-Affäre der Hypo-Steiermark fortgesetzt. Zwei frühere Manager müssen sich wegen Untreue vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Helmut Wlasak) verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, riskante Geschäfte vor allem im süd- und osteuropäischen Raum betrieben und einen Schaden von 40,5 Mio. Euro verursacht zu haben.

Der Prozess wird nach fast vierwöchiger Pause wieder aufgenommen. Am 12. April dieses Jahres hatte Richter Helmut Wlasak begonnen, Licht in das Dunkel der Ost-Geschäfte der steirischen Hypo zu bringen, doch ein Ende ist noch nicht in Sicht. Am Montag sollte nun der ehemalige Hypo-Aufsichtsratsvorsitzende und frühere Raiffeisenlandesbank-Generaldirektor Georg Doppelhofer befragt werden.

Ehemaliger Geschäftsführer als "Leasing-Star"

Die beiden Angeklagten hatten zu Prozessbeginn übereinstimmend angegeben, sie fühlten sich nicht schuldig. Dabei kristallisierte sich im Laufe der Zeit immer mehr heraus, dass der ehemalige Geschäftsführer jahrelang als "Leasing-Star" gegolten hat und seine zunächst guten Ergebnisse von der Bank in keiner Weise hinterfragt wurden.

Der Ex-Prokurist hat dagegen den Eindruck erweckt, vor lauter Arbeit nicht wirklich geprüft zu haben, in welche Richtung die Geschäfte laufen und einfach die Anweisungen seines Vorgesetzen umgesetzt zu haben. Der Richter hat ihm wiederholt nahegelegt, sich zu einem Geständnis durchzuringen und nicht den Kopf hinzuhalten für etwas, woran er nur am Rande beteiligt war. Doch der Angeklagte blieb bei seiner Verantwortung, wurde nur im Laufe der Zeit immer wortkarger bei der Befragung.

"Geschäfte in Kroation und Bosnien von sich aus emsig betrieben"

Unter den bisher befragten Zeugen waren auch ehemalige Mitglieder des Vorstands. Sie betonten übereinstimmend, der Ex-Geschäftsführer habe die Geschäfte in Kroatien und Bosnien von sich aus so emsig betrieben: "Die Leasing-Gesellschaften waren anfangs noch sehr, sehr selbstständig", beschrieb es einer dieser Zeugen. Er betonte, der Ex-Manager "wurde nicht ins Cross-Boarder-Geschäft getrieben, das kam von ihm."

Bisher erschien nur einer der sogenannten "Vermittler" als Zeuge. Das sind jene Anwälte und andere Personen, die die Leasing-Geschäfte eingefädelt und dafür hohe Provisionen kassiert haben. Einige von ihnen sollen für September erneut geladen werden.

Wann es ein Urteil in dem schwierigen Verfahren geben wird, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. (APA)

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