337 Tote nach schweren Erdrutschen

9. August 2010, 15:12
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74-Jährige nach mehr als 30 Stunden lebend geborgen - Trinkwasser wird knapp

Peking - Nach den heftigen Erdrutschen im Nordwesten Chinas ist die Zahl der Toten auf 337 gestiegen. Mehr als 1.100 Menschen wurden in der Provinz Gansu noch vermisst, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montagabend unter Berufung auf einen örtlichen Politiker berichtete. Zuvor war von 137 Toten die Rede gewesen.

Mit Schaufeln und bloßen Händen haben Rettungskräfte im Nordwesten Chinas am Montag nach den heftigen Erdrutschen weiter verzweifelt nach Überlebenden gegraben. Eine seit 34 Stunden verschüttete Frau wurde lebend geborgen, was die Hoffnung nährte, weitere Überlebende zu finden.

Drei Dörfer komplett begraben

In dem mehrheitlich von Tibetern bewohnten Bezirk Zhouqu in der Provinz Gansu hatte es nach heftigen Regenfällen mehrere Erdrutsche gegeben. Betroffen ist nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua ein Gebiet von 500 Metern Breite und fünf Kilometern Länge. Mindestens drei Dörfer wurden in der bergigen Region komplett unter Schlamm und Steinen begraben. An manchen Orten stand das Schlammwasser in den Straßen bis zur dritten Etage der Häuser. Autos, Geröll und ganze Häuser wurden hinweggeschwemmt. Straßen und Brücken wurden gekappt, vielerorts fiel der Strom aus und das Trinkwasser wurde knapp.

Hilferufe und klingelnde Handys

Rettungskräfte bargen 34 Stunden nach dem Erdrutsch eine 74-Jährige, wie Xinhua berichtete. Die Frau war geschwächt, konnte aber sprechen. Medienberichten zufolge wurden bisher mehr als 680 Menschen aus den Erdmassen gerettet, die Rettungskräfte hoffen auf weitere Überlebende. "Wir haben Lebenszeichen gehört, klingelnde Telefone und Hilferufe", zitierte Xinhua einen Einsatzleiter von rund 500 Soldaten. Knapp 90 Menschen wurden demnach seit Samstag verletzt, ein Drittel von ihnen schwer. Wie die Zeitung "China Daily" berichtete, warteten viele Überlebende auf ihren Dächern auf Rettung, andere trugen ihre toten Familienmitglieder auf Bahren davon.

Suche ohne Bagger

Die Behörden schickten rund 4.500 Soldaten, Polizisten, Feuerwehrmänner und Ärzte in die Region, wie das chinesische Fernsehen berichtete. Sie verteilten vor Ort Zelte, Stromgeneratoren, Nahrung und Trinkwasser. Da es keine Bagger und großen Einsatzfahrzeuge gab, bemühten sich die Einsatzkräfte mit Schaufeln und bloßen Händen darum, Überlebende aus den Geröllmassen zu befreien.

Der nach Gansu gereiste Ministerpräsident Wen Jiabao versprach am Sonntagabend, dass die Suche nach Überlebenden fortgesetzt werde, solange noch Hoffnung für die Verschütteten bestehe. Er rief die Einsatzkräfte zur Hilfe für die rund 45.000 betroffenen Bewohner auf. Gansu grenzt im Süden an die Region Sichuan, wo im Mai 2008 bei einem verheerenden Erdbeben knapp 87.000 Menschen getötet oder vermisst gemeldet wurden.

China erlebt in diesem Jahr als Folge immer neuer schwerer Regenfälle die schlimmsten Überschwemmungen seit zehn Jahren. Mehr als 2.100 Menschen kamen dabei in diesem Jahr bereits ums Leben oder wurden als vermisst gemeldet, mehr als 1,4 Millionen Häuser wurden zerstört. Mindestens zwölf Millionen Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

(AFP)

 

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    Bei den schweren Erdrutschen im Nordwesten Chinas wurden fast 130 Menschen getötet, rund 2.000 weitere gelten als Vermisst.

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