Bedrückende Nachrichten

6. August 2010, 19:19
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Unter dem Titel "Krieg gegen den Terror" wurden seit 2001 schreckliche Regime gestürzt, nicht aber die Herrschaft des Terrorismus beendet

Der neue Terrorismusbericht des US-Außenministeriums an den Kongress enthält wenig Tröstliches. Was früher der Irak war - in dem vor drei Jahren noch ein Viertel aller Anschläge weltweit verübt wurden -, sind heute Afghanistan und Pakistan. Zusammen beklagen die drei Länder 60 Prozent aller Todesopfer von Terrorakten. Unter dem Titel "Krieg gegen den Terror" wurden seit 2001 schreckliche Regime gestürzt, nicht aber die Herrschaft des Terrorismus beendet. Die Menschen in den befreiten Ländern sind ihm so sehr ausgeliefert, dass sich nicht wenige die alten Zeiten zurückwünschen oder wenigstens einen "starken Mann" . Das ist die allerbedrückendste Nachricht.

Der Bericht befasst sich mit 2009, und man weiß, wie jener von 2010 aussehen wird: Im Irak geht die Anschlagszahl seit einem halben Jahr wieder nach oben. Die Destabilisierung des Jemen schreitet weiter fort, mit Folgen für die ganze arabische Halbinsel. In Somalia gibt es nicht mehr viel zu destabilisieren, dafür interessiert sich die Welt jedoch höchstens wegen der "Ansteckungsgefahr" : Die somalische Shabaab-Bewegung hat längst ihre Ableger.

Neun Jahre nach 9/11 ist Al-Kaida - heute, ob man will oder nicht, das Synonym für Terrorismus - unbesiegt: Diese horizontale, amorphe Organisation lässt sich kaum tödlich treffen. Sie müsste ausgehungert werden. Stattdessen wird sie fleißig gefüttert, nicht zuletzt durch die Kriege, die gegen sie geführt werden. (Gudrun Harrer, DER STANDARD Printausgabe, 7.8.2010)

 

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