AUA will bei Duty-free mitnaschen

6. August 2010, 17:16
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Die schwer defizitäre Airline will mit 50 Prozent an den Umsatzmieten im Duty-free-Bereich beteiligt werden - und weitere Preisnachlässe

Das Match AUA gegen Flughafen ist um eine Facette reicher: Die schwer defizitäre Airline will mit 50 Prozent an den Umsatzmieten im Duty-free-Bereich beteiligt werden - und weitere Preisnachlässe.

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Wien - Die AUA legt bei ihren Bestrebungen, mehr Geld vom Flughafen zu bekommen, einen Zahn zu: Bis 2012 will die schwer defizitäre Airline weitere 56 Mio. Euro an Kosteneinsparungen vom "Systempartner" Flughafen. Die Reduktion soll zusätzlich zu der bereits im Vorjahr vereinbarten Kostensenkung, die bis 2012 gilt, greifen. Das Argument der AUA: Wir haben rasantes Passagierwachstum und wollen jährlich eine Million neue Passagiere nach Wien bringen. Da der Airport von den zusätzlichen Passagieren profitiere, wolle die AUA eben auch einen Teil dieses Profits abbekommen.

Bei den sehr mühsamen Gesprächen, wo die Chemie zwischen den Verhandlern oft nicht stimmt, hat man sich nun darauf geeinigt, dass der Flughafen heuer zwölf Mio. Euro lockermacht, um die Gesundung des größten Kunden zu fördern. Abgelehnt wurde allerdings das Rechenmodell der AUA, wonach nächstes Jahr 25 Mio. und 2012 weitere 19 Mio. Euro fließen sollten.

Neue Forderung

Interessant ist in diesem Zusammenhang die neue Forderung, der Flughafen möge doch die AUA mit 50 Prozent an den Umsatzmieten im Duty-free-Bereich beteiligen. Der Duty-free-Gesamtumsatz wird auf 60 Mio. Euro geschätzt, etwa 30 Prozent bekommt der Airport an Umsatzmieten herein. Das wären 20 Mio. Euro. Würde der Flughafen der AUA die Hälfte davon geben, wären es immerhin zehn Mio. Euro. Der Flughafen lehnt eine Beteiligung der AUA an den Umsatzmieten ab.

Zur Erinnerung: Die AUA hat 2006 die Duty-free-Läden an Heinemann verkauft (das jährliche EGT lag bei zehn Mio. Euro, verkauft wurde um acht Mio. Euro). Heinemann seinerseits soll sich verpflichtet haben, der AUA eine Nachbesserungszahlung (im einstelligen Millionenbereich) bei jeder Vertragsverlängerung zu gewähren, sofern Heinemann auch bei Skylink vertreten sei.

Da der Flughafen Heinemanns Konzession bisher immer ohne vorherige Ausschreibung verlängerte, war alles paletti. Doch heuer ist es anders: Ende 2010 läuft der Vertrag zwischen Heinemann und dem Flughafen aus. Und nun wurde die Konzession für die Läden erstmals ausgeschrieben. Die Entscheidung über den Zuschlag soll demnächst fallen. Dem Vernehmen nach wurden nur zwei Bieter eingeladen, ihre Angebote abzugeben: Heinemann und die Schweizer Nuance Group, die am Airport derzeit unter anderem die Geschäfte Best of Austria oder das Design House betreibt. Und zur Überraschung des Airports soll das Angebot der Schweizer um zehn Mio. Euro über jenem von Heinemann liegen.

Der Kreis schließt sich: Wenn Heinemann die Ausschreibung verliert, verliert auch die AUA das Geld, das sie bisher von Heinemann bekam.

Verlustgeschäft

Die Airport-Manager reagieren ob der ständigen Zusatzforderungen der kranken Airline leicht gereizt: Hinter vorgehaltener Hand wird darauf verwiesen, dass die AUA jährlich zwar 40 Mio. Euro an flugabhängigen Gebühren bezahlt, die Airline aber 33 Mio. Euro über Incentives (das sind Gutschriften für nach Österreich kommende Transfer-Passagiere und Langstrecken-Passagiere) wieder zurückbekomme. Blieben unter dem Strich sieben Mio. Euro für den Flughafen, und davon soll man heuer noch einmal zwölf Mio. drauflegen, ärgert sich ein Flughafen-Mitarbeiter und verweist auf das "Verlustgeschäft" .

Seitens der AUA wird diese Rechnung freilich zurechtgerückt: Man zahle jährlich rund 200 Mio. Euro an den Flughafen. Der größte Brocken seien die Handlinggebühren und Mieten von 160 Mio. Euro. Hier gebe es aus Sicht der AUA eben noch einen "bilateralen Verhandlungsspielraum".  (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.8.2010)

  • Vor dem Abflug sitzt oft das Geldbörsel locker. Davon profitieren die
 Shopbetreiber, die dem Airport eine Fix- und eine Umsatzmiete zahlen 
müssen.
    foto: standard/hendrich

    Vor dem Abflug sitzt oft das Geldbörsel locker. Davon profitieren die Shopbetreiber, die dem Airport eine Fix- und eine Umsatzmiete zahlen müssen.

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