55 Milliarden Dollar für den Cyberkrieg

6. August 2010, 19:13

Jeder Konflikt wird in Zukunft auch im Cyberspace ausgefochten - Experten sehen Wettrüsten in den Datennetzen

Tallinn/Washington/Wien - Die Backsteinbauten sind idyllisch gelegen. Die ehemaligen Baracken der zaristischen Armee am Ülemiste-See wurden proper renoviert und mit feinstem IT-Equipment ausgestattet. Im Gegensatz zu den Truppen des Zaren kämpfen die Soldaten, die heute dort ihren Dienst tun, nicht mehr mit Flinten und Kanonen. Das Nato Cyber Defense Center of Excellence in Tallinn operiert in einem Feld, in dem keine Schüsse fallen - dort, wo Computerwaffen eingesetzt werden.

Estland Opfer der Cyberkrieger

Es ist kein Zufall, dass das Zentrum in Tallinn steht. 2007 wurde Estland Opfer eines großen Cyberangriffs. Estlands Regierung ließ damals ein russisches Denkmal aus dem 2. Weltkrieg, einen Bronzesoldaten, aus dem Stadtzentrum auf einen Militärfriedhof verlegen. Es kam zu Ausschreitungen auf den Straßen - und zu einer massiven Überlastung der estnischen Datennetze, die Regierung wie Privatunternehmen für einige Tage lahmlegte. Estland machte Russland dafür verantwortlich und erklärte, die Server, von denen massenhaft sogenannte Denial-of-Service-Anfragen gesandt wurden, die die estnischen Systeme zum Absturz brachten, stünden in Moskau. Der Kreml dementierte jede Beteiligung.

"Beginn einer neuen Ära"

Der estnische Verteidigungsminister Jaak Aviksoo erkannte in dem Datenangriff nichtsdestotrotz "den Beginn einer neuen Ära" . Denn die Attacke hatte gezeigt, wie effizient, lautlos und sauber Kriegsführung in Datennetzen (cyber warfare) sein kann. US-Thinktanks wie das Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington sehen darin sogar einen sicherheitspolitischen Paradigmenwechsel, wie ihn zuletzt die Atomwaffen in den 1940er-Jahren gebracht hätten.

Nur ein Jahr nach der Tallinn-Aktion baute - mutmaßlich - Moskau seine Fertigkeiten in diesem Feld deutlich aus. Im Georgienkrieg im Sommer 2008 begleitete eine Cyberoperation die Aktionen der russischen Armee zu Lande, Wasser und in der Luft. Die Webseiten der Regierung in Tiflis waren binnen kürzester Zeit tot, genauso wie die georgische Kommunikationsinfrastruktur.

Kein direkter Konnex nachzuweisen

Auch damals ließ sich kein direkter Konnex zu Russland nachweisen. Die Datenspur verlor sich bei Hackern im Umfeld der organisierten Kriminalität, die eben zufällig bestens über Timing und Ziele der Russen in Georgien Bescheid wussten. "Solche Cyberangriffe werden künftig die meisten Konflikte begleiten, wenn diese eskalieren" , sagt John Bumgarner von der US-Cyber Consequences Unit, einem unabhängigen Forschungsinstitut in North Carolina, das diesen Vorfall untersucht hat.

Dass diese These Substanz hat, dafür sprechen Zahlen und Fakten: Neben den Russen sind die USA, China und Israel derzeit führend in Sachen Cyberkrieg. Insgesamt laufen in 140 Staaten weltweit Datenkrieg-Programme. Vor allem die USA sind massiv eingestiegen: Vergangenes Jahr wurde ein eigenes Cyber-Kommando eingerichtet, dem der Chef des Geheimdienstes NSA, der Vier-Sterne-General Keith Alexander, vorsteht. 55 Mrd. Dollar werden investiert, tausende Hacker in Staatsdienste übernommen - vor allem deshalb, "weil wir weltweit am verwundbarsten sind, das Ziel Nummer 1" , so der CSIS-Experte James Lewis, der für die Regierung Obama ein Strategiepapier geschrieben hat (Securing Cyberspace for the 44th Presidency). Täglich soll es hunderttausende Angriffe auf US-Einrichtungen geben.

China angeblich hinter Angriff

Es geht vor allem um militärische und wirtschaftliche Spionage sowie den Schutz vitaler Infrastruktur wie Kommunikationsstränge und Energieversorgung. Hacker der chinesischen Volksarmee etwa sollen beim Versuch, Schadsoftware im Stromnetz des Bundesstaates Florida zu installieren, dieses versehentlich außer Betrieb gesetzt haben. Bei einer großangelegten Cyberattacke auf Google im Dezember 2009, die US-Außenministerin Hillary Clinton Anfang des Jahres in einer sehr deutlichen Rede anprangerte, hatten es die Chinesen unter anderem auf E-Mail-Konten von Dissidenten abgesehen.

Wer in diesem Krieg Freund und Feind ist, wer Kombattant, ist schwer festzustellen - mit allen Konsequenzen. Abschreckung zum Beispiel funktioniere hier nur bedingt, meinen Experten, weil Angreifer immer einen viel größeren Vorteil haben als bei Nuklearangriffen. Deshalb setze auch Barack Obama auf vorbeugende Schläge im Cyberspace.

Andererseits ließ Cybercom-Chef Alexander erst unlängst damit aufhorchen, dass die USA bereit seien, Cyberoperationen international zu limitieren. Russland fordert schon länger, analog zum Nuklearregime, eine Art UN-Cyber-Abrüstungsvertrag. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.8.2010)

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DieBo
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30.9.2010, 13:48
Der Flugverkehr im Frühsommer wurde kann man vermuten nicht wegen des Vulkanausbruch stillgelegt. Da wurde flächendeckend ein digitales Netz über uns installiert.

NONE
04

Bin ich der einzige der hier meint das die USA versuchen Russland unter Druck zu setzen?

Das Argument das es in Estland sein *muss* ist lächerlich, es passt aber zur anti-Russland Haltung der USA, und damit über die NATO auf die EU.

Es wäre wirklich schön wenn die EU endlich raus aus der NATO geht und alle diese Abhängigkeiten zu den USA beendet.

Aber man sieht das es genau in die andere Richtung geht, i.e. SWIFT oder ACTA. Mehr und mehr Abhängigkeiten, ob an die USA, oder Konzerne.

Widerlich ... indirekte Demokratie ist einfach nur mehr korrupte Lobbykratur.

eel
00

wenn sie die us-kampfposter abziehen, gibt es hier leider keine poster mehr..

Martin Hammerschmied
02
Cyberwar

Wer sich die Bezeichnung ausgedacht hat ist ein Genie. Der Begriff ist so überstrapaziert von SciFi, dass alle in Lachkrämpfe ausbrechen, sobald jemand von der "Bedrohung im Cyberspace" redet.

R0MAN_Z
 
01
IT-Security Expert

ist in Zukunft bestimmt ein immer wichtigerer Beruf.
Ich kann nur jedem Raten den das Thema interessiert sich in diese Richtung zu entwickeln.

dasGrausen
06

zählt da der DATENBANK-ADMINISTRATOR dazu? ;)

Finanzhai2010
00

Den mach ich jetzt auch. Mit Humbold schaff ich das doch locker ;)

Hamad Leomic
00
Achja?

Merke ich aber bisweilen noch nix davon!
Vor allem KMUs sind sowas von unbedarft "interessiert uns ned, geht eh ois". Ja, es wird immer happiger, aber da vergeht noch EINIGES an Zeit bis das Bewußtsein für IT Risiken gebildet ist.

Und bis dorthin haben wir wieder die diversen AMS Kurse in diesem Segment... Ist doch immer das gleiche, egal um welches Thema es sich handelt.

Niemandnicht
01

„Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns herum immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse“.

(Goethe)

Superserbe
01
das mit georgien war schon beeindruckend ...

ein land vom netz zu nehmen ist nicht schwer, es innerhalb von 24h zu tun schon.

trotzdem, mit dem alleine wars nicht getan. dann hätten westmedien eben irgendwelche photos gebracht oder selbst gefälscht.

das diese aktionen im keim erstickt wurden und aufgezeigt wurden, war wohl das wahre kunsstück der russischen cyber-soldaten.

auch vor dem georgien-krieg wurden interview-partner mit falscher politischer aussage im us-tv abgedreht, aber nur während des georgien-krieges hat man sich dafür und andere lügen entschuldigt. auf täglicher basis.

russland hat das thema bestimmt, von tag 2 bis zum einlenken von krawattenwilli waren die nachgewiesenen lügen das thema und nicht der krieg.

russia today und youtube waren die gewinner.

marcopolo1971
 
10

Ziemlicher Unfug. Russland hat zwei Tage gebraucht, um seinen Standpunkt in die Westmedien zu bringen, das war eine ziemlich schwache Aktion.

Superserbe
10
selbst wenn dieser unfug stimmen würde ....

wen interessieren westmedien ???

nur weil der schdandad und andere käseblätter nicht im cyberspace zerissen wurden, heißt das nicht dass russland 2 tage brauchte um seinen standpunkt kundzutun.

schdandad ist beim georgienkrieg von den eigenen postern vermöbelt wurden, mit links zu richtigen medien, was ja bei einer postingzensur an lächerlichkeit nicht zu überbieten ist ....

mfg

NONE
01

Der Standard war eher objektiv.

Es wurde betont das die Aggression von Georgien ausging.

Das Russland _danach_ der Aggressor war war auch verständlich - man wollte sich das nicht mehr gefallen lassen.

Recht ist Auslegungssache
04
Na bitte :)

DIE Chance für das österreichische Bundesheer: alle Computer einmotten, keine Vernetzung mehr und Info-Weitergabe mit Lichtzeichen oder per Zuruf. Somit nicht verwundbar gegenüber Internetattacken :)

Wir werden die Nummer 1 sein :)

(«double dip»)
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ich fühle mich persönlich beleidigt!

Für wie dumm möchte man uns verkaufen?

Ravi Ravendro
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Stirbt

wenigstens keiner (vermutlich).

SMichel
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Kollateralschäden

Ich glaube sehr wohl, dass bei einer solchen Attacke Menschen zu Schaden und auch ums Leben kommen werden/würden. Für viele Staaten sind die angegriffenen Systeme überlebensnotwendig, ohne Kommunikation läuft gar nicht mehr. Auch bei einer Cyber-Attacke wird es also Tote und Verletzte geben, Kollateralschäden eben, "nicht der Rede wert".

machdasweg
00

Besonders dann, wenn die Cyber-Angriffe auch Verteidigungseinrichtungen lahmlegen, um sich für militärische Aktionen Vorteile zu verschaffen.

heinz feichtinger
08
Cyberspace - Ja natürlich !

So rückständig sind die Kieberer wirklich nicht. Die löschen oder sperren Internetseiten am laufenden Band. Wir von den Bürgerinitiativen in Innsbruck und Umgebung (PIU) wissen Bescheid und haben Erfahrung. Machmal schlafen sie halt mal. Der Mut zur Lücke ist unsere Heimtücke.
Blöderweise würde eine zentrale Zensur des Internets die Weltwirtschaft zusammenbrechenlassen - und auch die "Ausschaltung" der Bürger auch. Man wird sich bemühen auch auf illegalen Wegen den Bürger zu belauschen. Im Internet geht das formidabel, da automatisierte Texterkennung, also auch semantisch auflösbar, die wahren Freunde der Demokratie entschlüsseln können. Nur nützen tut es dennoch nicht - weil der Widerstand bleibt und sich permanent verstärkt. Läuft blöd !

NONE
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Bürger müssen gegen Politiker zusammenhalten.

Finanzhai2010
01
Das Österreichische BH ist kaum betroffen

Die laufen noch mit Funkgeräten um, die sind schwerer als ne Telefonzelle. Wie die Computer dort aussehen weiß ich nicht, aber dass sind dann vermutlich irgendwelche Schreibmaschinen lang vor dem C64...

Hamad Leomic
00
Sie mein Herr

haben null Ahnung was im österreichischen Bundesheer tatsächlich geschieht!

Informieren Sie sich bitte gescheit bevor so ein Dreck als Kommentar das Licht der Welt erblickt. Gelegenheiten gibts genug ua. Veranstaltungen in Hagenberg uä.
Immer wieder Vorträge vom BH zum Thema Sicherheit von IKS!

Finanzhai2010
00

Ich wollte beim BH eh als Hacker arbeiten, aber die meinten eher, dass sie noch mehr Schreiber bräuchten...

Mao Zeitung
00

quasi die "Cyber-Spaceballs"

:-)

paper la papp
10
Und

aus dem allseits geliebten cyberspace
wurde das cyberbattlefield

Dummerweise wirkt es sich auf der materiellen Ebene unangenehmer aus als auf der cyber Ebene

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