"Höhere Qualtität heißt nicht unbedingt höhere Kosten"

8. August 2010, 19:32
3 Postings

Auf die Wirkung kommt es an: Der diesjährige NPO-Kongress steht ganz im Zeichen der Effektivität

Der fachliche Leiter Christian Horak im Gespräch mit Gudrun Ostermann.

STANDARD: Das diesjährige Motto des österreichischen NPO-Kongresses lautet: Sinnvolles bewirken, aber wie? Wie können Non-Profit-Organisationen (NPO) diese Aufgabe trotz geringerer finanzieller Mittel bewältigen?

Horak: Eine höhere Qualität bei den Leistungen bedeutet nicht zwangsläufig auch höhere Kosten. Im Gesundheits- und Sozialbereich fällt auf, dass es ein klares Selbstverständnis gibt, was Qualität heißt, nämlich das, was gut für den Klienten ist. Mit der Sicht des Klienten beschäftigt man sich dabei aber weniger. Dadurch kann es auch in einzelnen Fällen zu einer Überqualität im Leistungsangebot gekommen sein. Das soll jetzt keine Diskussion über die Qualität werden, aber die Frage, ob das wirklich alles notwendig und hilfreich ist, muss zulässig sein. Weiters haben einzelne Organisationen nicht immer optimale Prozessabwicklungen. Die zu überdenken kann auch eine ressourcenschonende Wirkung haben.

STANDARD: Wenn es um die Qualität von Leistungen geht, geht es im eigentlichen Sinn um die Wirkung. Beschäftigen sich NPOs ausreichend mit ihrem Wirkungsgrad?

Horak: In den letzten Jahren ist in dieser Hinsicht einiges in Bewegung gekommen, auch was die öffentliche Verwaltung betrifft. Dennoch müssen einzelne Organisationen ganz wertfrei intensiver über die Wirkung nachdenken. Die Voraussetzung dafür ist die Frage: Was sind die Wirkungen, die wir erzielen möchten, und beschäftigen wir uns ausreichend mit der Wirkung?

STANDARD: Warum erst jetzt? Ist die Wirksamkeit nicht die eigentliche Existenzgrundlage von NPOs genau so wie von der Verwaltung?

Horak: Die Diskussion um die Wirkung ist nicht völlig neu. Auch in früheren Kongressen wurde die Wirkung thematisiert. Aber generell haben wir uns sehr lange ausschließlich mit den Ressourcen beschäftigt, die Effizienz ist etwas in den Hintergrund getreten. Doch beides kann nur in Verbindung miteinander betrachtet werden. Daher gewinnt auch das Controlling für NPOs immer mehr an Bedeutung. Den Organisationen ist sehr wohl bewusst, dass die Wirkung auch messbar ist und dass das wichtige für ihre Existenz ist. Und für die öffentliche Verwaltung gilt: Gut Ding braucht Weile. Aber auch hier ist es zu einem Paradigmenwechsel gekommen. Und die nächsten Jahre werden zeigen, wie mit dem Thema Wirkung umgegangen wird.

STANDARD: Wie können sich NPOs für die Zukunft rüsten, um weiterhin Sinnvolles bewirken zu können?

Horak: Durch eine noch stärkere Wirkungsorientierung können NPOs ihr Tun noch besser hervorheben und effektiver werden. Dadurch können sie auch ihre Existenz besser absichern. Denn die Ressourcen werden knapper, und um bei der Verteilung der Mittel überzeugende Argumente zu haben, werden NPOs noch stärker mit der Evaluierung ihrer Leistungen konfrontiert werden. Wenn Controlling und Evaluierung gut installiert wurden, ist auch die Existenz abgesichert. Eine stärkerer Wirkungsorientierung geht in gut aufgestellten NPOs sicher leichter als in hierarchisch organisierten Verwaltungseinheiten. (Gudrun Ostermann/DER STANDARD; Printausgabe, 7./8.8.2010)

CHRISTIAN HORAK ist fachlicher Leiter des NPO-Kongresses des österreichi_schen Controller-Instituts (ÖCI) sowie Partner und Bereichsleiter Non-Profit- & Public-Managements bei Contrast-Management-Consulting. Der NPO-Kongress findet vom 13. bis 14. Oktober im Schloss Schönbrunn statt.

Link
www.npo-kongress.at

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Controlling gewinne an Bedeutung, die Wirkung der Organisation sei messbar.

Share if you care.