Ernüchternde Web-Bilanz

6. August 2010, 16:41
posten

Bei hochwertiger Kunst blieb der Boom aus. Käufer nutzen das Web eher für Informationen denn als Marktplatz

Ob Messeveranstalter, Kunsthändler, Galerist oder Auktionshaus, die virtuelle Visitenkarte in Form einer Homepage ist längst obligat - selbst wenn sich der Nutzen solcher Webauftritte für User nicht immer erschließt. Dem gegenüber stehen wiederum Services wie Kunstpreisdatenbanken, die dem Handel ob ihrer Transparenz bisweilen den Schweiß auf die Stirn zaubern.

Verkäufer von Kunstwerken holen sich dort längst ihre Preisvorstellungen ab. Vermittelnde Experten geraten zwischen dem dort erfassten potenziell möglichen und einem den aktuellen Marktbedingungen angepassten Wert deshalb zunehmend in Argumentationsnotstand.

Die Nutzung des Internets als florierende Verkaufsplattform setzte sich im Laufe der Jahre wiederum nur bedingt durch. In Österreich schlug im Februar 2000 die Geburtsstunde von www.onetwosold.at (OTS), der ersten und seither einzigen rein österreichischen Online-Auktionsplattform.

1000-Dollar-User

Ein Jahr und 50.000 registrierte Kunden später nahmen die Betreiber eine vielversprechende Verbindung zwischen der New und der Old Economy in Angriff: Für eine knappe Milliarde Schilling erwarb die OneTwo Management GmbH das zur Privatisierung angebotene Dorotheum. Fortan stand der junge Marktplatz auch im Dienst der traditionellen Schwester. Mit mäßigem Erfolg.

Dabei hätte E-Commerce, parallel zum Pfandgeschäft, dem Segment Juwelen und dem klassischen Auktionsbetrieb, zum vierten Standbein ausgebaut werden sollen. Angesichts Synergien im Kunden- und Vertriebsbereich gab man sich optimistisch. International trug man Vergleichbares längst zu Grabe. Bei Sotheby's etwa, wo man ebenfalls 2001 mit einer eigenen Plattform startete. Ein Jahr, 40.000 Neukunden und Ausgaben in der Größenordnung von 40 Millionen Dollar (1000 Dollar/User) später verlautbarte man eine strategische Bilanz mit Ebay. Zwölf Monate danach war auch dieses Kapitel Geschichte, das Abenteuer Online-Auktionen hatte sich bei Sotheby's mit weiteren 50 Millionen Dollar zu Buche geschlagen.

Qualitativ hochwertige Kunst über virtuelle Auktionssäle zu versteigern schien wirtschaftlich ein Ding der Unmöglichkeit - international wie hierzulande. Bei OTS hatte man sich von der Qualitätsmarke Dorotheum einen entsprechenden Aufschwung versprochen. Der blieb aus. Was man im Laufe der Jahre auch konzipierte, nichts schien das Transaktionsvolumen nennenswert in Schwung zu bringen: Die in den Dorotheum-Filialen in Österreich geplanten "OTS-Corner" , als Serviceidee für Nicht-Internet-Versierte, blieben in der Testphase hängen. Ebenso schlug der Versuch fehl, über ein Joint Ventjure mit der Holtzbrinck-Gruppe in Deutschland Fuß zu fassen. Während Branchenführer Ebay nach sechs Jahren Österreich-Betrieb bei Registrierungen bereits die Zwei-Millionen-Marke überschritt, kam OTS nie über die 350.000er-Grenze hinaus. Im Herbst 2008 trat das Dorotheum den virtuellen Auktionssaal an "ricardo" ab. Dem anfänglichen Hype folgte auf dem Kunstmarkt insgesamt schnell Ernüchterung.

Das Internet ist gegenwärtig nur eine von mehreren Optionen, ein Kunstwerk zu erwerben. Und nicht einmal die wird von allen Auktionshäusern angeboten, lediglich digitalisierte Auktionskataloge, die Suche nach Wunschobjekten oder Newsletter-Abos gehören hier zum Standard. Etwas fortschrittlicher sind Sotheby's und Christie's ausgerichtet, die einen Teil der wichtigen Auktionen via Livestreams übertragen und Online-Bidding offerieren. Während Sotheby's hier keine genauen Angaben veröffentlichen will, gewährt Christie's einen detaillierten Einblick: Die Online-Community umfasst dort mittlerweile ein Viertel der internationalen Bieterschaft, der zugehörige Umsatz stieg seit Anfang des Jahres auf 48,8 Millionen Dollar oder um 63 Prozent im Vergleich zu 2009. (Olga Kronsteiner, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 07./08.08.2010)

  • Die aufgeheizte Stimmung im dicht gedrängten Auktionssaal wollen 
Kunstkäufer nicht missen. Online-Bieter sind trotz aller technischen 
Möglichkeiten eine Minderheit geblieben.
    foto: sotheby's

    Die aufgeheizte Stimmung im dicht gedrängten Auktionssaal wollen Kunstkäufer nicht missen. Online-Bieter sind trotz aller technischen Möglichkeiten eine Minderheit geblieben.

Share if you care.