Kontroverse über Netzneutralität wird zunehmend schroffer geführt

6. August 2010, 15:01

Keine spezifische gesetzliche Regelung in Österreich - RTR will sich des Themas im Herbst annehmen

Die Kontroverse über künftige Regeln für den Datentransport im Internet wird in den USA zunehmend schroffer geführt. Die Regulierungsbehörde FCC brach Gespräche mit führenden Netzbetreibern kurzfristig ab. Es sei nicht gelungen, eine grundsätzliche Vereinbarung für Offenheit und Freiheit im Internet- Verkehr herbeizuführen, begründete die FCC (Federal Communications Commission) den Abbruch der Gespräche laut einer Meldung des Finanznachrichtendienstes Bloomberg vom Freitag.

Der Beschluss folgt auf Medienberichte, wonach das Telekommunikationsunternehmen Verizon mit Google über Zahlungen für den ungehinderten Datentransport bei bestimmten Internet-Diensten verhandelt. Google hat die Berichte zwar dementiert. Gleichwohl verstärkt sich die Sorge, ob das Prinzip der Netzneutralität weiter aufrechterhalten werden kann. Dieser Grundsatz besagt, dass die Netzanbieter die Datenpakete aller Internet-Teilnehmer völlig gleichberechtigt transportieren.

Die FCC hat Regeln für die Beibehaltung der Netzneutralität vorgeschlagen.

Keine spezifische gesetzliche Regelung in Österreich


Die Netzneutralität, also die automatische Gleichbehandlung der Datenströme im Internet, ist in Österreich nicht spezifisch gesetzlich geregelt. Wie aus dem Infrastrukturministerium auf Anfrage zu erfahren war, plant die Telekomregulierungsbehörde RTR im Herbst Gespräche mit den Internetprovidern, und die EU hat sich der Frage ebenfalls angenommen.

Da wie dort lässt sich sagen: "Die Diskussion startet erst." So ist etwa noch unklar, wie weit sich eine etwaige Bevorzugung eines einzelnen Anbieters mit dem freien Wettbewerb vereinbaren lässt. Außerdem warnen Experten auch hierzulande vor dem Ende der unbegrenzten Möglichkeiten für Unternehmer im Netz.

Innovationskraft

"Damit läge die Innovationskraft nicht mehr bei den End-Usern, sondern bei den großen Telekomfirmen", weil nur die großen Fische sich zu Innovationen im Netz auch den nötigen Datenverkehr leisten könnten, gibt etwa "nic.at"-Geschäftsführer Robert Schischka zu bedenken. "Das war bisher Teil der Erfolgsgeschichte des Internet." Startup-Unternehmen, die sich zu Millionen-Unternehmen entwickeln können, werde es in einem Internet der zwei Geschwindigkeiten seltener geben, befürchtet er.

Zu bedenken sind allerdings auch die Unterschiede in der Netzversorgung Europas und der USA. Vor allem in ländlichen Regionen ist die amerikanische Versorgung im Vergleich zur hiesigen Infrastruktur veraltet und langsam. Auch das mobile Internet, ein Bereich, in dem Österreich Vorreiter ist, sei vergleichsweise schwach ausgebaut: "Unsere Breitbandversorgung ist sehr, sehr gut", betonte Schischka. In manchen Gegenden der USA seien viele Menschen auf einzelne Provider angewiesen und hätten keine Wahlmöglichkeit.

Die EU-Internet-Kommissarin Neelie Kroes hat sich bereits im April für eine Debatte zu dem Thema ausgesprochen. Sie zeigte sich Ende Juni "entschlossen, das Internet offen und neutral zu halten." In einer EU-weiten allgemeinen Konsultation, die bis 30. September läuft, werden Entscheidungsträger und Kunden unter anderem zu diesem Thema befragt. (APA)

 

kleeklee
10
Was geht dem US-FCC plötzlich das Internet an

Zuständig für das Netz, der Netzneutralität ist die Organisation ICANN

Liebe Leute, die ITU mit ihren Nationalen Organisationen US-FCC (Österreich RTR) streckt bereits seit längerem gefährlich ihre Finger nach der Kontrolle über das Netz aus.

Dieser derstandard Artikel hier ist daher nichts als eine für die Netzneutralität gefährliche PR der Telekom Firmen.

Google Suche: ITU möchte das Internet regulieren

Com Puter
00
10.8.2010, 11:14
Bitte zuerst informieren und dann posten

ICANN hat klare Aufgaben, die Netzneutralität gehört nicht dazu. Zitat (ICANN Seite www.icann.org):

"ICANN doesn’t control content on the Internet. It cannot stop spam and it doesn’t deal with access to the Internet. But through its coordination role of the Internet’s naming system, it does have an important impact on the expansion and evolution of the Internet."

Wenn Sie sich seriös informieren, werden Sie auch merken, dass die nationalen Regulierungsbehörden kein Teil der ITU sind. Dass die ITU mitreden will, ändert nichts daran, dass sie es nicht kann und deren Mitglieder auch dagegen sind.

Netzneutralität ist eine Frage des Wettbewerbs. Dafür gibt es Regulierungsbehörden. In den USA ist dies die FCC und in Österreich eben die RTR.

kleeklee
00
Zu: Gleichwohl verstärkt sich die Sorge, ob das Prinzip der Netzneutralität weiter aufrechterhalten werden kann

Welche Häuchler,
wenn es nach dem Willen der in der ITU organisierten Telefonfirmen ginge, dürfte es das Internernet gar nicht geben.

ITU = RTR,
daher hat für mich der Österreichische Telekom Regulator gar kein Handlungsmandat.

Also Lieber RTR, du hattest deine Chance mit TV-Sat, Mupid, ISDN, DVB-T.. MHP

FINGER WEG VOM INTERNET

Büchse der Pandora
http://de.wikipedia.org/wiki/Next... on_Network

phobetor
01

ohne netzneutralität verkommt das internet zu einem zweiten fernesehen. dominiert von großen, wenig innovativen firmen, nicht mehr offen wie jetzt.

lyrot
02
wie wirds ohne netzneutralität sein?

Man surft bing.com an, läd ur langsam weils keine Priorität in den Netzen der Provider hat und wird so quasi auf Google gezwungen. Google zahlt immerhin für die Priorität nochmals.

Du willst Youtube? Buch das Youtube Paket für €20,- pro Monat. Du willst Bloggen? Buch das Blogging-Paket für €50,- im Monat dazu. Du willst Musik kaufen? Oder iTunes benutzen? Buch das Musik-Paket für €60,- im Monat. Natürlich zu deinen regulären Gebühren dazu.

bashor
00
netzneutralität?

wenn es bis jetzt keine hinreichende gesetzliche regelung gibt, google auf einmal geld zahlt, damit man ihnen priorität einräumt und politiker sofort daran denken, wie es reguliert werden könnte, ...
...dann kann ich mit dem hörgerät sehen, dass das netz auch bisher alles andere als neutral gewesen ist!

LSDBlue
00

auch das wird uns nicht umbringen - vor 20 Jahren hatte keiner Internet & wenn der Dreck mal weg is wird das Leben auch weitergehn!

Mathias
 
00
genau...

... nur die Mächtigen fürchten sich vor dem Internet...

phobetor
01

sag das mal journalisten in china oder pakistan.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.