Mehr Gewicht der Sozialkompetenz

6. August 2010, 14:57
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Keine Geschlechterdifferenz beim Situational Judgement Test - Studienleistung seit fünf Jahren "dramatisch gestiegen"

Graz - Beim Aufnahmetest für das Studium an der Med-Uni Graz ist die Erfolgsquote mit 43 Prozent Frauen deutlich geringer als jene der Männer. An der Med-Uni vermutet man den Grund dafür bei einer möglicherweise unterschiedlichen Vorbereitung von Schülerinnen und Schülern. Den aktuellen Auswahlmodus will man nur dahingehend modifizieren, dass den Sozialkompetenzen mehr Gewicht beigemessen wird, hieß es am Freitag im Grazer Pressegespräch.

Bei den Medizin-Auswahlverfahren in Österreich schneiden Männer auffällig besser ab als Frauen - an allen drei Universitäten, wobei die Med-Uni Graz ihren Aufnahmetest anders abwickelt als Wien und Innsbruck: Neben Kenntnissen in den medizinrelevanten Grundlagenfächern Chemie, Physik, Biologie und Mathematik sowie einem Textverständnis-Test wird auch die Sozialkompetenz der BewerberInnen erhoben (Situational Judgement Test).

Entscheidende Zeit zwischen Matura und Auswahltest

Den größten Vorsprung schaffen die Männer in Graz in Physik, gefolgt von Mathematik und Chemie, schilderte Vizerektor Gilbert Reibnegger. Bei der Analysen der Ergebnisse der vergangenen drei Jahre sei man auf ein interessantes Detail gestoßen: Die Zeit zwischen der Matura und dem Antreten zum Auswahlverfahren spielt eine entscheidende Rolle. "Die Leistungen der BewerberInnen, die ein Jahr später antreten, ist deutlich besser als beim unmittelbaren Antritt", so Rektor Josef Smolle. Der Leistungsanstieg sei insbesondere bei den Bewerberinnen nach einem Jahr besonders stark, so dass es dann keine signifikanten Unterschiede mehr zwischen Männern und Frauen gebe. "Offenbar kommen Männer und Frauen unterschiedlich vorbereitet aus den Schulen. Ein Jahr nach der Matura haben die Frauen aufgeholt. Wir müssen daher bei den Schulen ansetzen, damit die Mädchen gleich gute Karten bekommen wie die Burschen", so Smolle.

"Keinen Geschlechtsunterschied gibt es beim Textverständnis und dem in diesem Jahr erstmals eingesetzten Situational Judgement Test", hielt Vizerektor Reibnegger fest. Er betonte, dass die Ergebnisse dieses Testteils nicht mit dem Kenntnisteil korrelieren und damit "wirklich eine zusätzliche Dimension - eben im Sinne der sozialen Kompetenz" erfassen würden. Aus diesem Grund will man diesen Test in Zukunft auch stärker gewichten: "Die Ergebnisse ermutigen uns zu einer Auswertung dieses Teils von bisher zehn auf 15 bis 20 Prozent der bisherigen Gewichtung", so Smolle.

Studienleistung "dramatisch gestiegen"

Mit Einführung des Auswahlverfahrens vor fünf Jahren sei die Studienleistung generell "dramatisch" angestiegen. Während zuvor nur 20 bis 25 Prozent ihren ersten Studienabschnitt in der vorgesehenen Zeit abgeschlossen hätten, seien es jetzt "75 bis 90 Prozent", schilderte Reibnegger. Eine neue, noch unveröffentlichte Analyse zeige, dass sich die Zahl der Drop-outs von 39 Prozent (Studienbeginn zwischen 2002 und 2004) auf 4,6 Prozent (Studienbeginn zwischen 2005 und 2008) verbessert habe. (APA)

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