"Es ist einfach in der Hitze der Diskussion passiert"

6. August 2010, 14:55
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"Die ÖBB sind ja nicht die Caritas": ÖBB-Sprecher Thomas Berger entschuldigt sich für Facebook-Aussagen zum ÖBB-Sommerticket: "Für die Zukunft kann ich so etwas ausschließen, ich bin lernfähig"

Thomas Berger, Pressesprecher für ÖBB Personenverkehr, erzürnte UserInnen mit der Aussage auf Facebook: "Die ÖBB sind ja nicht die Caritas, die etwas zu verschenken haben". Gepostet hat er das in der Facebook-Gruppe "ÖBB"-Sommerticket 2010 viel zu teuer - 56% Preiserhöhung sind eine Sauerei!". Im etat.at-Interview entschuldigt er sich für diese Aussage, "sie ist in keinem Fall angebracht" und "in der Hitze der Diskussion passiert".

etat.at: Finden Sie Aussagen wie "Die ÖBB sind ja nicht die Caritas", oder "Dann halt nicht. Es steht ja jedem frei das Sommerticket zu kaufen. Wenn man meint mit einem anderen Verkehrsmittel billiger wegzukommen, bitte. Würde mich aber interessieren was das ist, ausg. Fahrrad oder per pedes." adäquat, um Kunden beziehungsweise potenzielle Kunden anzusprechen?

Thomas Berger: Für die erste Aussage möchte ich mich in aller Form entschuldigen, ich habe sie auch schon von der Plattform entfernt. Sie ist in keinem Fall angebracht. Sollte ich damit jemand auf die Füße getreten haben, tut es mir leid.

Ich bitte Sie aber zu berücksichtigen, dass mir in diversen Foren und Statements eine Gehäßigkeit und Beleidigungen entgegenschlagen, die mich als Menschen verletzen. Bei jedem Statement muss man aber auch das ursprüngliche Posting heranziehen. Wenn jemand meint die Einzelkosten für ein Bahnticket oder ein Auto wären von den Kosten mit dem Sommerticket vergleichbar, dann muss man darauf reagieren.

In Summe werden es bislang rund hundert Postings von mir gewesen sein. Das es das eine oder andere Mal nicht die adäquate Ausdrucksweise war, tut mir leid. Es ist einfach in der Hitze der Diskussion passiert. Für die Zukunft kann ich so etwas ausschließen, ich bin lernfähig.

etat.at: Seit wann genau sind Sie auf Facebook? (privat bzw. beruflich) Wieviel Zeit verbringen Sie darin? Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?

Thomas Berger: Der berufliche Account ist vergleichsweise neu; den haben wir geschaffen, um Stellung nehmen zu können, ohne einen privaten Account dafür benutzen zu müssen. Privat bin ich seit mehr als einem Jahr dabei. Aktuell verbringe ich im Zuge der Diskussionen rund um das Sommerticket täglich durchschnittlich rund eine Stunde im Forum - aus Gründen der Authentizität unabhängig der Tages- oder Nachtzeit. Auch im Urlaub war die Facebook-Gruppe - freiwillig - mein ständiger Begleiter. Zwei Wochen Pause hätten kein gutes Bild gemacht.

Die Erfahrungen sind sehr ambivalent. Selbstverständlich verstehe ich die Kritikpunkte bis zu einem gewissen Grad, und konstruktive Kritik ist wichtig und immer willkommen. Andere Postings sind wiederum weniger freundlich. Insgesamt macht es aber Spass sich im Forum auszutauschen.

etat.at: Was bedeutet für Sie Facebook für die PR-Arbeit? Was verändert sich dadurch?

Thomas Berger: Für mich ist der Social-Media Bereich eine echte Erweiterung der kommunikativen Arbeit. Dadurch werden einfach neue, und vor allem direkte Kanäle geöffnet, die man nutzen sollte. Wir stehen jetzt am Beginn des Engagements in diesem Bereich. Wo der Weg hinführen wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Aber es gibt hier ein großes Potenzial an direkter Kommunikation zu einer unserer wichtigsten Zielgruppen.

etat.at: Ist Ihr Facebook-Engagement mit Ihrem Vorstand abgesprochen bzw. welche Reaktionen gibt es ÖBB-intern darauf?

Thomas Berger: Der Vorstand weiß über das Engagement Bescheid und die Grundbotschaften sind auch abgestimmt. Jedes wording ist davon natürlich nicht betroffen - wäre auch gar nicht möglich. Die Zitate unserer Vorstandssprecherin sind jedenfalls akkordiert. Die Reaktionen intern sind durchwegs positiv, aber das Feedback ist überschaubar.

etat.at: Es wird ja immer wieder diskutiert den Facebook-Account für Mitarbeiter in Firmen zu sperren, wie wird das in Ihrem Unternehmen gehandhabt?

Thomas Berger: Die breite Mehrheit der ÖBB-MitarbeiterInnen haben in der Firma auch keinen Zugriff auf Facebook und ähnliche Seiten. Ausgenommen davon sind die MitarbeiterInnen der Kommunikationsabteilung. (ae, derStandard.at)

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Caritas": Thomas Berger bedauert seine Aussage via Facebook, dies sei "einfach in der Hitze der Diskussion passiert. Für die Zukunft 
kann ich so etwas ausschließen, ich bin lernfähig."
    screenshot: facebook

    "Die ÖBB sind ja nicht die Caritas": Thomas Berger bedauert seine Aussage via Facebook, dies sei "einfach in der Hitze der Diskussion passiert. Für die Zukunft kann ich so etwas ausschließen, ich bin lernfähig."

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