"Der Gast trinkt beim Heurigen lieber Weißwein"

17. August 2010, 15:38
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Martin Kierlinger vom Verein "Der Wiener Heurige" über strenge Aufnahmeregeln für Mitglieder und die Vielfalt der Wiener Weinregionen

Vor sieben Jahren taten sich Wiener Heurigenbetriebe zusammen und gründeten den Verein "Der Wiener Heurige". Vereinsobmann Martin Kierlinger, selbst Winzer und Wirt einer Buschenschank, erklärt im Interview mit derStandard.at, was den echten Wiener Heurigen ausmacht und warum er den Wiener Wein schätzt.

derStandard.at: Woran erkennt man den echten Wiener Heurigen?

Martin Kierlinger: Am Föhrenbuschen und der Tafel mit grünem Hintergrund und einem Henkelglas.

derStandard.at: 2003 wurde der Verein "Der Wiener Heurige" gegründet, dessen Obmann Sie sind. Wie sieht die Zusammenarbeit der Heurigenbetriebe konkret aus?

Martin Kierlinger: Es werden verschiedene Veranstaltungen organisiert, um den Gästen den original Wiener Heurigen näher zu bringen: Wiener Weinfrühling, Rebblütenwanderung, Wiener Weinwandertag, musikalische Veranstaltungen in den Betrieben.

derStandard.at: 63 der 140 Heurigenbetriebe Wiens sind Vereinsmitglied. Welche Voraussetzungen braucht es, um aufgenommen zu werden?

Martin Kierlinger: Beste Qualität bei Wein und Essen, Sauberkeit, Glaskultur, typisches Heurigenambiente. Jeder Betrieb wird alle zwei bis drei Jahre geheim getestet.

derStandard.at: Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am Wiener Wein?

Martin Kierlinger: Das Weinbaugebiet reicht vom 21., 19., 17. und 16. Bezirk über den 23. und 10. Bezirk. Es gibt drei große geologische Zonen, die Flyschzone, die Kalkalpen und das Wiener Becken, sowie die Donau. Manche Regionen haben mehr Niederschlag, andere weniger und durch all diese Faktoren ergibt sich für jede Wiener Weinregion der typisch charakteristische Wein.

derStandard.at: In Wien werden zu rund 80 Prozent Weißweine und zu rund 20 Prozent Rotweine gekeltert. Welche Hintergründe hat das? Zeichnet sich in letzter Zeit eine Verschiebung ab?

Martin Kierlinger: Der Gast trinkt beim Heurigen lieber Weißwein, und der kühle G´spritzte ist an heißen Sommertagen sicher angenehmer zu trinken als schwere Rotweine. Es zeichnet sich keine Verschiebung ab.

derStandard.at: Der Herbst ist die Zeit der Weinlese. Wann beginnen Sie mit der Ernte?

Martin Kierlinger: Wir beginnen je nach Jahrgang, Vegetation und Sorte Ende September, Anfang Oktober. Die Hauptlese braucht zirka drei Wochen.

derStandard.at: Wie groß die Ernte ist, hängt von der Witterung ab. Welchen Einfluss hatte das diesjährige Wetter auf die Weinreben?

Martin Kierlinger: Wir hatten letztes Jahr starken Hagel, die Reben mussten stark zurückgeschnitten werden, dadurch wird die Ernte heuer etwas geringer ausfallen. Durch die feucht-warme Witterung gibt es vereinzelt Pilzbefall.

derStandard.at: Verraten Sie noch, welche Wiener Weinregionen oder Heurigen Sie am liebsten besuchen?

Martin Kierlinger: Persönlich besuche ich alle Heurigenregionen sehr gerne. Die Eigenständigkeit in den Regionen selbst ist – glaube ich – in Wien einzigartig. (Maria Kapeller, derStandard.at)

  • MARTIN KIERLINGER ist Winzer und Heurigenwirt in Nussdorf sowie Obmann des 2003 gegründeten Vereins "Der Wiener Heurige", einem Zusammenschluss von 63 Wiener Heurigenbetrieben.
    foto: kierlinger

    MARTIN KIERLINGER ist Winzer und Heurigenwirt in Nussdorf sowie Obmann des 2003 gegründeten Vereins "Der Wiener Heurige", einem Zusammenschluss von 63 Wiener Heurigenbetrieben.

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