Weiterer Anstieg trotz durchwachsener Makrodaten

6. August 2010, 14:07
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Ronald-Peter Stöferle

Die Wall Street kann die Sommer-Rallye fortsetzen. Der Dow Jones Industrial Average steigt 1,99% auf 10.675 Punkte, der breite S&P500 gewinnt 2,2% auf 1.126 Zähler und der Nasdaq Composite weist ein Plus von 1,84% aus. Zu den gesuchten Branchen gehörten Healthcare, Industrietitel und zyklische Konsumgüter, zu den schwächeren Sektoren Technolgie sowie Finanzdienstleister.

Der ADP-Arbeitsmarktbericht wies ein Plus von 42.000 Stellen aus, der Konsens hatte 39.000 erwartet. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe entwickelten sich indes deutlich schwächer als vom Konsens prognostiziert, sie stiegen um 19.000 auf 479.000. Die Hausverkäufe sanken im Juni um 2,6%, im Vormonat wurden noch - aufgrund der auslaufenden Steuererleichterungen - um 30% weniger Häuser verkauft. Der ISM-Index des Verarbeitenden Gewerbes fiel von 56,2 auf nun 55,5. Der Konsens war von 54,2 ausgegangen. Der ISM Index des Dienstleistungsgewerbes lag ebenfalls über den
Erwartungen. Lt. Uni-Michigan-Index hat sich die Stimmung der US-Verbraucher im Vergleich zum Juni verschlechtert, der Chicago Einkaufsmanagerindex ist hingegen unerwartet stark angestiegen.

Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer konnte die Erlöse von USD 10,98 auf nun 17,3 Mrd. steigern. Die Übernahme von Wyeth brachte einen Umsatzschub, auch die Gewinne überzeugten. Die Analysten waren von einem EPS von 52 Cents ausgegangen, die tatsächliche Zahl lag bei 62 Cents. Das weltgrößte Biotech-Unternehmen Amgen meldete einen leicht höheren Umsatz bzw. einen leicht geringeren Nettogewinn. MetLife - der größte US-Lebensversicherer - meldete eine Kapitalerhöhung. Man wolle 75 Millionen neue Aktien ausgeben, zudem wolle man Anleihen im Ausmaß von USD 3 Mrd. platzieren. Dadurch werde man die Übernahme des Konkurrenten American Life Insurance finanzieren. Procter & Gamble konnte die Erlöse auf USD 18,9 Mrd. steigern, der Nettogewinn fiel hingegen von USD 2,47 Mrd. auf nun 2,19 Mrd. Der Konsens war zuvor von einem EPS von 73 Cents bei Umsätzen von 19,1 Mrd. ausgegangen. Dow Chemical meldete einen kräftigen Ergebnisanstieg, der Ausblick enttäuschte jedoch. 

Übernahmewelle bei Gold-Produzenten setzt sich fort

Die Konsolidierung im Goldminen-Sektor setzt sich fort. Kinross legt ein Angebot für Red Back Mining für insgesamt CAD 7,1 Mrd. Red Back ist in Westafrika (Ghana, Mauretanien) positioniert, eine Region in der in den letzten Monaten ein sprichwörtlicher Goldrausch stattfand. Die Reserven von Kinross erhöhen sich durch die Akquisition auf 53 Mio. Unzen, die Produktion soll 2010 auf 2,7 Mio. Unzen steigen. Damit wäre Kinross der fünftgrößte Goldproduzent der Welt.

Mastercard konnte die Umsätze um 7% steigern, der Nettogewinn kletterte von USD 349 Mio. auf 458 Mio. Konkurrent American Express meldete indes, dass man einen ROE von mindestens 25% ausweisen wolle. Bis 2009 lag die Zielmarke noch bei 33 bis 36%. AT&T und Verizon Wireless meldeten indes einen Angriff auf die etablierten Kreditkartenanbieter. Die beiden größten Mobilfunkanbieter der USA haben ein Joint Venture gegründet, auch Discover Financial Services und Barclays sind mit an Bord. Man wolle in vier US-Städten ein Zahlungssystem testen, das kontaktlose Funkwellen von Smartphones einsetzt.

Der Oil-Service-Sektor litt unter einer geplanten schärferen Gesetzgebung. Im Repräsentantenhaus wurden neue Standards für das Bohrlochdesign sowie Blowout-Preventer beschlossen. Zudem werden die Offshore-Plattformen nun öfter inspiziert und den Bohrinseln höhere Umweltstandards auferlegt. Chevron konnte den Gewinn im Q2 verdreifachen. Naturgemäß profitierte man von den gestiegenen Treibstoffpreisen, doch auch die Raffineriemargen konnten unerwartet klar gesteigert werden. Der Nettogewinn belief sich auf USD 5,41 Mrd. (nach 1,75 Mrd. im Vorjahr).

Online-Reisebüros als Wochensieger

Das Online-Reisebüro Priceline haussierte 30,5% und führt damit die Gewinnerliste im S&P an. Der Quartalsgewinn stieg um 72%, der Umsatz stieg 29%. Insbesondere die höheren Marktanteile und der optimistische Ausblick für Q3 und das Gesamtjahr gefielen dem Markt. Auch Konkurrent Expedia profitiert von guten Zahlen. Der Umsatz stieg um 8% auf USD 834 Mio., die Reisebuchungen um 19% und der Nettogewinn kletterte von USD 40,9 Mio. im Vorjahreszeitraum auf nun 114 Mio. Time Warner konnte die Erwartungen geringfügig übertreffen. Zudem wurde die Jahresprognose erhöht. AOL meldete einen Nettoverlust in Höhe von USD 1,06 Mrd. Im Berichtszeitraum wurden Wertberichtigungen in Höhe von USD 1,41 Mrd. vorgenommen. Electronic Arts meldete einen Gewinn von 29 Cents je Aktie. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte man noch ein Minus von 72 Cents ausgewiesen.

In der nächsten Handelswoche erwarten wir noch Zahlen von Anheuser-Busch. Auch die Einzelhandelsumsätze und der Uni-Michigan-Index sollten für Impulse sorgen. Unsere kurzfristige Einschätzung für den US-Aktienmarkt bleibt positiv, das weiterhin negative Sentiment ist einer der stärksten Argumente für eine Fortsetzung der aktuellen Hausse. Lt. Investors Intelligence liegt der Anteil der bullishen Börsenbriefschreiber zuletzt bei 39%. Beim letzten Jahreshoch im April lag dieser Wert noch bei 56%. Lt. AAII fiel der Anteil der bullishen Marktteilnehmer (trotz der jüngsten Hausse) von 40% auf 30%. Auch die Marktbreite stimmt uns weiterhin zuversichtlich. Am Mittwoch hat die Advance/Decline-Linie ein Allzeithoch markiert, allerdings zeigen die Nebenwerte bereits relative Schwäche. Der ECRI-Index zeichne indes ein tristes Bild. Er deutet eine ähnlich starke Rezession wie 2001 an. „Double-dip" stünde somit vor der Tür. Der Indikator hat bislang einen außergewöhnlich verlässlichen track-record.

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