Iran

Filmemacher erneut attackiert

6. August 2010, 13:34

Stellvertretender Kulturminister: "Kultureller Verrat und sogar schlimmer als Spionage"

Berlin - Für den stellvertretenden Kulturminister des Irans sind kritische Filme schlimmer als Spionage. "Manche iranischen Filmemacher zeigen nur die Schattenseiten im Iran und übertreiben es sogar, um bei internationalen Filmfestspielen Preise abzusahnen", sagte Javad Shamghadri bei einem Treffen mit Kulturbeauftragten in der westiranischen Stadt Hamadan. "Diese Filmemacher haben noch nicht begriffen, dass dies kultureller Verrat und sogar schlimmer als Spionage ist", wurde der Politiker von der Nachrichtenagentur ISNA zitiert. Spionage passiere nur einmal, aber die Eindrücke aus diesen Filmen blieben lange Zeit in den Köpfen der Zuschauer haften.

Seit Mahmoud Ahmadinejad 2005 Präsident wurde und besonders nach seiner Wiederwahl, die von Wahlbetrugsvorwürfen und Straßenprotesten überschattet wurde, sind sowohl Künstler als auch Journalisten in ihrer Arbeit stark eingeschränkt. Viele iranische Künstler sprechen von einem "drastischen Abfall der Toleranzgrenze im Kultusministerium". Das Ministerium vergibt die Dreherlaubnis und muss auch das Drehbuch genehmigen. Dabei haben kritische Filmemacher kaum eine Chance. Viele renommierte Filmemacher sind deshalb entweder ins Ausland gegangen oder haben sich eine andere Arbeit gesucht.

"Die Auswirkung der Bilder war einer der Hauptgründe für das demütigende Scheitern der Amerikaner im Vietnam-Krieg", sagte der Vizeminister. "Nun benutzen die Amerikaner das Kino, um die Welt (zu ihren Gunsten) zu verändern und anderen ihre Kultur aufzudrängen", sagte Shamghadri. Er forderte die Filmemacher im eigenen Land auf, sich im Gegenzug dem iranischen System ideologisch zu verpflichten. Früher seien in US-Filmen die Indianer als Wilde und Sowjets als Bösewichte dargestellt worden. Nun seien Palästinenser und Iraner in der Rolle der Terroristen dran. "Obgleich die Amerikaner immer behaupten, nicht alle Muslime wären Terroristen, ist (in ihren Filmen) jeder Terrorist ein Muslim", sagte der Vizeminister. (APA)

Manfred.M
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Liberale Tendenzen

Klar ist, dass Iran weit davon entfernt ist, als liberal angesehen zu werden, was Filmveröffentlichungen angeht. Trotzdem sollte man nicht Schwarz-weiß-malen: eim größten iranischen Filmfestival Fajr hat das Kulturministerium zahlreiche Filme freigegeben, die bisweilen jahrelang auf dem Index standen. Gerade seit den Präsidentschaftswahlen 2009 hat ist in Iran ein Hang zur Liberalisierung von Kunst und Kultur entstanden. Mehr dazu gibts hier:
http://irananders.de/home/news... werke.html

http://irananders.de/nachricht... gehen.html

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