Frauen direkt nach Matura mit besonders schlechten Aufnahme-Chancen

6. August 2010, 13:48
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Geschlechterdiskrepanz verringert sich nach einem Jahr - Frauen nach Schule nicht gut vorbereitet

Bei den Medizinaufnahmetests hat sich an allen österreichischen Medizin-Universitäten ein ähnliches Bild geboten, Frauen schneiden im Schnitt schlechter ab als Männer. 643 der österreichweit insgesamt 1.500 Plätze entfielen auf Frauen. Die Med-Uni-Graz veröffentlichte nun genauere Daten, bekannt war bereits, dass 43 Prozent der in Graz zu vergebenden 360 Studienplätze auf Frauen entfielen (derStandard.at berichtete).

Unterschiedliche Vorkenntnisse führen zu unterschiedlichen Aufnahmequoten

In einer wissenschaftlichen Untersuchung lies die Med-Uni Graz die Auswahlverfahren der letzten drei Jahre untersuchen. Dabei zeigt sich, dass Männer und Frauen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen die Schule verlassen. Bei denjenigen Testkandidaten die direkt im Maturajahr die Aufnahmeprocedere durchlaufen, treten signifikante Unterschiede zwischen Männer und Frauen auf.

Während Männer direkt nach der Matura ungefähr 95 Prozent des bei der Prüfung erzielten Punktemittelwerts erreichen konnten, konnten Frauen nur 80 Prozent des Mittelwerts erzielen. Bei den KandidatInnen, die erst ein Jahr nach der Reifeprüfung die Prüfung in Angriff nehmen hat sich diese Geschlechterdiskrepanz verringert, Männer erreichen dann ungefähr 110 Prozent der Durchschnittspunkte, Frauen 105 Prozent. Im Allgemeinen lässt sich aus diesen Zahlen auch feststellen, dass KandidatInnen, die ein Jahr nach der Schule antreten, die bei weitem besseren Aufnahmechancen haben.

Unterschiede bei naturwissenschaftlichen Fächern

Männer - so die Erhebungen der Med-Uni Graz haben den größten Vorsprung bei naturwissenschaftlichen Fragen, vor allem bei Physik, gefolgt von Mathematik, Chemie und Biologie. Bei der Frage nach dem Textverständnis und beim erstmals 2010 angewandten "Situational Judgment Test" lassen sich keine Geschlechterunterschiede feststellen. Bei der Spitzengruppe der besten zehn Prozent sind jedoch überhaupt keine Unterschiede nach Geschlecht feststellbar.

Angesichts der Ergebnisse will man an der Med-Uni Graz nun dem "Situational Judgment Test", dem Test nach Sozialkompetenzen mehr gewicht einräumen. "Die Ergebnisse ermutigen uns zu einer Auswertung dieses Teils von bisher zehn auf 15 bis 20 Prozent der bisherigen Gewichtung", so der Rektor der Med-Uni Josef Smolle.

Drop-Out-Rate zeigt keine Geschlechterunterschiede

Haben Frauen einmal die Aufnahmeprüfung bestanden, haben sie keine schlechteren Chancen das Studium auch zu bestehen. Bei der stark zurückgegangen Drop-out-Rate sind nach der Einführung der Aufnahmeprüfung keine signifikanten Geschlechterunterschiede feststellbar. Anders davor bei freiem Hochschulzugang: Von den Frauen die zwischen 2002 und 2004 das Medizinstudium aufgenommen haben, sind 43,6 vorzeitig ausgeschieden, bei den Männern waren es nur 31,3 Prozent.  (seb, derStandard.at, 6.8.2010)

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    Direkt nach der Matura haben Frauen besonders schlechte Chancen den Medizin-Aufnahmetest zu bestehen, so eine Studie der Med-Uni Graz.

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