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Eine Stadt macht sich "smarter“

6. August 2010, 13:58
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Wiener Neustadt hat ein Zukunftsforum ins Leben gerufen, das ein Bild der urbanen Region in den Jahren 2020 und 2030 zeichnet

Die Wiener Neustädter planen ihre Zukunft selbst: Im Jahr 2008 wurde das Projekt "pro futuro“ ins Leben gerufen, es folgten eine Bürgerbefragung, Gespräche mit Experten und Arbeitsgruppen. Am Ende soll klar werden, wie das Leben in der 40.000-Einwohner-Stadt in Zukunft aussehen und funktionieren soll. Noch ist es nicht soweit: "Es gibt viele Ideen, über Konkretes und die Umsetzung wird im Herbst entschieden", sagt Projektleiter Michael Wilczek im Interview.

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Frage: Sie haben als Grundlage für das Projekt eine Bürgerbefragung durchgeführt. Was kam dabei heraus, was ist den Menschen am Wichtigsten für ihre Zukunft?

Michael Wilczek: Uns war wichtig, dass alle Bürger teilnehmen konnten. Wir haben die Fragebögen an alle 20.000 Haushalte gesendet, 2.285 wurden beantwortet. Bei den Ergebnissen hat sich gezeigt, dass vor allem das Zusammenleben der Generationen sowie jenes von einheimischer und zugewanderter Bevölkerung ein Schwerpunkt ist. Den Menschen ist wichtig, dass das funktioniert. Ein weiteres Thema ist die Sicherheitsfrage: Wir haben zu wenig Polizisten, es gibt Vandalismus – das sind ja generelle Erscheinungen von Städten in dieser Größe. Die Menschen wollen darüber hinaus eine Vereinbarkeit der Lebensbereiche wie Arbeit, Freizeit oder ehrenamtliche Tätigkeit. Außerdem: Barrierefreiheit, weil allen Bevölkerungsgruppen die wichtigsten Infrastrukturen zur Verfügung stehen sollen. Das sind nur einige Beispiele.

Frage: War es schwierig die Bürger zu überzeugen, sich aktiv zu beteiligen?

Michael Wilczek: Da gab es mehrere Herausforderungen. Einerseits haben wir versucht, die Leute zur Mitarbeit zu motivieren, andererseits wollten wir nicht Erwartungen wecken, die wir dann nicht erfüllen können. Darüber hinaus mussten wir versuchen, die unterschiedlichen Interessen der Bevölkerungsgruppen unter einen Hut zu bekommen. Auch die Verwaltung wurde in alle Themenbereiche eingebunden, es gab eine aktive Auseinandersetzung in den Arbeitsgruppen. Die Beteiligung von über 2.000 BürgerInnen bei der Befragung zeigt, dass wir sehr viele motivieren konnten.

Frage: Wie ging es nach der Bürgerbefragung Ende 2008 weiter?

Michael Wilczek: Parallel zur Bürgerbefragung gab es vier Fachenqueten, die für alle offen waren. Die Ergebnisse der Befragung und der Enqueten sind in Arbeitskreise eingeflossen, in denen insgesamt 70 Experten interdisziplinär zusammengearbeitet haben. Sie alle haben einen Bezug zu Wiener Neustadt, weil sie entweder hier arbeiten, wohnen oder hier geboren wurden.

Wir haben außerdem auch Schulen eingebunden. Es gab Schülerdiskussionen mit dem Bürgermeister und Jugendbeauftragten, bei denen sehr offene Gespräche zustande gekommen sind. Man hat gemerkt, wo der Schuh drückt. Ich hätte mir zum Beispiel nie gedacht, dass ein 17-jähriger Schüler mir sagt, er wünscht sich mehr Polizei auf der Straße. Ergänzend zur Bürgerbefragung führen wir heuer eine Jugendumfrage durch.

Frage: Welche konkreten Ideen gibt es, um Wiener Neustadt "smarter“ zu machen?

Michael Wilczek: Es gibt Ziele, aber noch keine konkrete Aktivitäten – die werden wir im Herbst planen. Da ist zum Beispiel die Idee einer Sozialdrehscheibe: Alle Informationen zu sozialen Themen sollen gebündelt und virtuell, aber auch "face to face" zur Verfügung gestellt werden. Ebenfalls eine nette Idee ist der "Klub der Forscher“: Es siedeln sich ja immer mehr Technologiebetriebe bei uns an, die sich untereinander aber noch nicht so gut kennen. Sie könnten sich miteinander vernetzen, regelmäßige Treffen abhalten – hier gibt es schon kleinere Initiativen. In manchen Bereichen wie Kultur, Sport oder Freizeit wollen wir für die nächsten Jahre Strategiepapiere entwickeln.

Frage: Gibt es Ziele, die schon umgesetzt wurden?

Michael Wilczek: Es gibt einige Ideen, die in laufende Aktivitäten schon eingeflossen sind. Dazu gehört etwa die Plus-Card, die eine bessere Steuerung der Sozialleistungen ermöglicht. Sie funktioniert wie eine Kundenkarte, die rund 2.000 Karteninhaber erhalten damit Sozialleistungen wie zum Beispiel einen Heizkostenzuschuss. Auch für Radfahrer gab es schon Verbesserungen: Der Stadtpark und die Fußgängerzonen dürfen wieder teilweise befahren werden, demnächst starten wir eine Aktion mit Leihfahrrädern.

Frage: Wo liegen die Herausforderungen und Schwierigkeiten? Welche Rückschläge gibt es?

Michael Wilczek: Die Schwierigkeiten sind vor allem finanzieller Natur. Einige Dinge wird man im ersten Schritt aus budgetären Gründen nicht zur Gänze verwirklichen können. Viele Ideen sind ohnehin auch mittel- bis langfristig zu sehen. Manche TeilnehmerInnen hatten anfangs Probleme mit dem "Zukunftsdenken", sie waren zu stark in der Gegenwart gefangen. Aber: Wie schaut es in zehn oder 20 Jahren aus? Wie kann sich das ganze Stadtbild entwickeln? Im Projektverlauf hat's dann aber gut funktioniert.

Frage: Wie geht es vorerst und auf lange Sicht weiter?

Michael Wilczek: Einerseits wollen wir die bereits bestehenden Ideen weiterverfolgen, aber mit Priorisierung, man kann nicht alles gleichzeitig angehen. Im Herbst entscheiden wir, was wir konkret umsetzen können und wie. Die Leute sollen sehen: Das war nicht nur eine Eintagsfliege, da geht etwas voran. Das ist die Verantwortung der Stadt jenen Menschen gegenüber, die mitgearbeitet haben. Alles wird nicht sofort möglich sein, aber der Prozess soll in Gang bleiben. Die Herausforderung dabei ist, niemanden zu enttäuschen oder glauben zu lassen "Das ist im Ladl verschwunden". Andererseits soll es auch hinkünftig immer wieder Möglichkeiten geben, sich in regelmäßigen Abständen zu beteiligen.

Frage: Was wird Wiener Neustadt in den Jahren 2020 beziehungsweise 2030 anderen urbanen Regionen voraus haben?

Michael Wilczek: Nachdem bei der Bürgerbefragung 92 Prozent gesagt haben, dass sie gerne hier leben ist das Hauptziel, die hohe Zufriedenheit zu halten und auszubauen. Die Menschen sollen sich in der Stadt wohl fühlen, sie wird dadurch weiter wachsen und auch ihre Position als Technologie- und Forschungsstandort weiterentwickeln. Wir werden positiver Ideengeber für neue Entwicklungen sein. (mak, derStandard.at)

  • MICHAEL WILCZEK ist Leiter des Projekts "pro futuro", dem Zukunftsforum von Wiener Neustadt. Es setzt sich interdisziplinär mit den vier Themenbereichen Soziale Sicherheit & Generationen, Innovation & Wirtschaft, Mobilität & Infrastruktur und Freizeit & Kultur auseinander. Mithilfe einer Bürgerbefragung und der Einbindung von Experten soll eruiert werden, wie sich Stadtbild und Lebensraum in den Jahren 2020 beziehungsweise 2030 entwickeln können.
    foto: privat

    MICHAEL WILCZEK ist Leiter des Projekts "pro futuro", dem Zukunftsforum von Wiener Neustadt. Es setzt sich interdisziplinär mit den vier Themenbereichen Soziale Sicherheit & Generationen, Innovation & Wirtschaft, Mobilität & Infrastruktur und Freizeit & Kultur auseinander. Mithilfe einer Bürgerbefragung und der Einbindung von Experten soll eruiert werden, wie sich Stadtbild und Lebensraum in den Jahren 2020 beziehungsweise 2030 entwickeln können.

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