Summerhill

"Mainstream-Schulen machen es falsch"

Sebastian Pumberger, 11. August 2010, 11:56
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    "Wenn man alle Konzepte konvetioneller Schulen nimmt und auf den Kopf stellt, bekommt man Summerhill", so die Leiterin von Summerhill gegenüber derStandard.at.

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    Dreimal die Woche werden die Regeln gemacht, Probleme besprochen. Jeder Schüler und jeder Lehrer hat das gleiche Stimmrecht. Da die Schüler in der Mehrheit sind können sie Lehrer überstimmen.

Zoe Readhead, Leiterin der Summerhill-Schule, über Schule ohne Anwesenheitspflicht und "antiautoritäre" Erziehung

"Summerhill" ist eine Ikone. Die 1921 gegründete Schule wurde in den 1960er und 1970er Jahren zum Paradebeispiel für antiautoritäre Erziehung. Der Gründer Neill Sutherland selbst bezeichnete seine Erziehung als "selbstregulativ" und war dem Begriff antiautoritär gegenüber kritisch eingestellt. Grundlage der Schule sind demokratische Strukturen, Mitentscheidung der Schüler und die Freiheit, das zu tun was man möchte. Schulunterricht wird angeboten, ist jedoch nicht obligatorisch. Prüfungen sind möglich, aber nicht verpflichend.

Während viele Schul- und Erziehungsprojekte der "68er" wieder geschlossen sind, gibt es Summerhill nach wie vor. Heute führt Neils Tochter Zoe Readhead das Internat. Mit ihr sprach derStandard.at über Disziplin in der heutigen Gesellschaft, demokratische Schulstrukturen und selbstgemachte Regeln.

***

derStandard.at: Frau Readhead, welche Rolle spielt Disziplin in der Erziehung?

Zoe Readhead: Ich verwende ungern das Wort Disziplin, weil es impliziert, dass eine Person einer anderen Person sagt, was sie zu tun hat. Summerhill funktioniert so nicht, und ich glaube Familien und das Leben sollte so auch nicht funktionieren. Es geht eigentlich vielmehr um Verhaltensregeln, die jeder versteht und jeder akzeptiert. Manche haben andere Lebensvorstellungen oder Fähigkeiten, wir verdienen den gleichen Respekt.

Wenn ich auch das Wort „Disziplin" nicht mag, die Gesellschaft und auch Summerhill muss dennoch gewisse Regeln haben, um sicherzustellen dass alle sich wohlfühlen. Das ist zwar auch eine Form von Disziplin, aber eine der gesamten Gemeinschaft, eine Art Selbst-Disziplin. Wenn jemand diese Regeln überschreitet, ist es in Summerhill die Gruppe, die entscheidet was gemacht wird. 

derStandard.at: In Summerhill werden Regeln von Lehrern und Schülern gemeinsam gemacht. Jeder hat das gleiche Stimmrecht. Wie häufig ändern sich die Regeln in Summerhill?

Zoe Readhead: Über die Jahre haben wir gesehen, dass einige logische bestehen bleiben. Regeln über Sicherheit und Gemeinwohl bleiben üblicherweise gleich, so zum Beispiel darüber, wann man das Gelände verlassen darf und wie lange. Andere Regeln entstehen aus aktuellen Problemen heraus. Jemand beschwert sich beispielsweise, dass sein Zimmer ohne Nachfrage betreten wird. Das wird dann diskutiert und vielleicht eine Regel beschlossen, die das unterbindet. Solch eine Regel kann temporär sein, wenn man sie nicht mehr benötigt, dann schafft man sie wieder ab. Durchschnittlich gibt es ungefähr 250 Regeln.

derStandard.at: Wie kommen sie zu Stande?

Zoe Readhead: Wir haben drei Treffen in der Woche, sogenannte "School Meetings". Dort reden wir über neue oder bestehende Regeln oder diskutieren über Probleme. 

derStandard.at: Wie geht es Lehrern, die an ihre Schule kommen, mit solch einem Schulsystem?

Zoe Readhead: Lehrer müssen sich natürlich vorher mit Summerhill auseinandergesetzt haben. Im Unterricht gibt es jedoch völlig andere Erfahrungen mit Disziplin, weil Kinder sich aussuchen, ob sie den Unterricht besuchen oder nicht. Lehrer haben dadurch weniger Probleme in der Klasse. Einer der Gründe warum Kinder in konventionellen Schulen den Unterricht stören, ist, weil sie von Anfang an gar nicht dort sein wollen. Summerhill-Schüler haben selbst entschieden, in die Klasse zu kommen, und da die Klassen nicht verpflichtend sind, kann der Lehrer auch sagen: „Wenn du Lärm machen willst, geh raus". 

derStandard.at: Nicht verpflichtend in die Klasse gehen zu müssen dürfte ein Traum für viele Schüler sein. Wieviele entscheiden sich dazu, nicht den Unterricht zu besuchen?

Zoe Readhead: Das ist schwierig zu sagen, da wir keine Aufzeichnungen darüber machen. Uns interessiert nicht so sehr ob sie in die Klasse gehen, sondern wie sie sich generell entwickeln. Was wir in Summerhill gelernt haben - was sich auch konventionelle Schulen aneignen sollten - ist, dass die Bedürfnisse von Kindern nicht die sind, die Schulen anbieten oder anbieten können. Kinder besuchen vielleicht einen Kurs für ein bis zwei Wochen und machen dann etwas anderes und kommen dann zurück und machen weiter. Wir glauben, dass so der natürliche Lernrhythmus besser funktioniert. Das zeigt uns, dass Mainstream-Schulen in der ganzen Welt es komplett falsch machen, weil sie erwarten dass Kinder, wenn man sie jeden Tag in die Schule setzt, lernen.

derStandard.at: Summerhill gibt es seit vielen Jahrzehnten, dennoch spricht man immer noch von einer „neuen" Form von Pädagogik. Welche Veränderungen sehen sie seitdem in den konventionellen Schulen?

Zoe Readhead: Summerhill wird zwar immer noch als neuer Ansatz angesehen, die Schule gibt es aber seit fast 90 Jahren. In dieser Zeit sind viele Ansätze aufgetaucht und wieder verschwunden. Unser Konzept ist dasselbe geblieben. Für mich ist es schwierig, das konventionelle Schulsystem ernst zu nehmen, weil es Menschen nicht erlaubt Menschen zu werden.

Überall gibt es Probleme mit Jugendlichen, die zu viel trinken, die sich nicht benehmen und keinen Respekt vor anderen Menschen haben. Was erwarten wir? Wenn wir ihnen nicht die Möglichkeit geben diese Fähigkeiten früh zu lernen, miteinander friedlich zu agieren, dann wird es nicht funktionieren. In den meisten Ländern fehlt genau dies in den Lehrplänen.

derStandard.at: Summerhill wurde durch die Bücher von A.S. Neill berühmt, im deutschsprachigen Raum vor allem in den 1960er und 1970er Jahren, auch als Teil eines alternativen Gesellschafskonzeptes. Ist es ein Nachteil in solch einer Weise politisch eingeordnet worden zu sein?

Zoe Readhead: Ich glaube nicht. Summerhill war immer ein kontroversieller Ort. Wir machen aber einfach weiter was wir tun, manche Leute lieben uns dafür und manche hassen uns dafür. Die meisten Leute verstehen uns aber gar nicht.

derStandard.at: Neben einem demokratischen System und weniger hierarchischen Regeln, was sind die größten Unterschiede zu konventionellen Schulen?

Zoe Readhead: Das sind schon sehr große Unterschiede. In Summerhill stehen die individuellen Bedürfnisse vor allem andern. Wenn ich gefragt werde: „Sind ihre Schüler erfolgreich?" antworte ich: „Wer bestimmt Erfolg?". Die Erfolgskriterien in Summerhill unterschieden sich von anderen Schulen. Unser Kriterium ist, dass Menschen glücklich sind und bleiben. Sie werden nicht notwendigerweise zu Albert Einsteins erzogen, sondern zu glücklichen Menschen. Darum gibt es Summerhill. Es unterschiedet sich so sehr von Mainstream-Schulen wie es nur möglich ist. Wenn man alle Konzepte konventioneller Schulen nimmt und auf den Kopf stellt, bekommt man Summerhill.

derStandard.at: Summerhill besteht seit fast 90 Jahren. Wo war die Schule erfolgreich, wo scheiterte sie und wo gibt es noch Veränderungsbedarf?

Zoe Readhead: Die Philosophie der Schule hat sich nicht geändert, weil sie funktioniert und sie fundamental für unser Leben ist. Wir wollen sie auch nicht verbessern, denn wenn man ein gutes Rezept gefunden hat, dann bleibt man dabei. Unseres ist einfach: Behandle Kinder als normale Menschen, mit Respekt und Gleichbehandlung und lass sie selbst entscheiden. So wollen wir auch als Erwachsene behandelt werden. Es ist eine sehr einfache Philosophie, die wir alle befolgen sollten, leider aber nicht tun.

derStandard.at: Könnte Summerhill für ein ganzes Land funktionieren?

Zoe Readhead: Ja, natürlich, weil Menschen so leben wollen und Kinder so leben wollen. Sie wissen es nur noch nicht. (Sebastian Pumberger, derStandard.at, 9.8.2010)

ZOE READHEAD ist die einzige Tochter von Alexander Neill Sutherland, dem Gründer und Ideengeber für Summerhill. Seit 1985 leitet sie als Nachfolgerin ihres Vaters die Schule und musste sich seitdem immer wieder mit den britischen Schulbehörden auseinandersetzen, die Summerhill schließen wollten, da es - so deren Ansicht - unzureichende Lernfortschritte bei den Schüler gebe. Nach einem Gerichtsurteil konnte die Schließung abgewendet werden, eine erneute Prüfung der Schulbehörde 2007 führte zu kaum einer Beanstandung. Gemeinsam mit ihrer Familie lebt Readhead selbst auf dem Gelände.

Wissen:

Alexander Sutherland Neill, ein Lehrer schottischer Abstammung, gründete seine erste Schule 1921 in Hellerau bei Dresden als Teil der reformpädagogischen "Neuen Schule", einer internationalen Schule. 1923 zog Neill samt Schule nach Sonntagsberg in Niederösterreich. Der Plan die Schule hier zu etablieren scheiterte, vermutlich auch ob der konservativen örtlichen Gesellschaft. Neill zog schließlich wenig später nach England nach Lynne Regis, wo er mit fünf Schülern anfing, in einem Haus, dass Summerhill genannt wurde. Dann ab 1927 übersiedelte die Schule nach Leiston in Suffolk, wo sie sich bis heute befindet. Den Namen Summerhill hat man behalten.

Grundsätze von Neills Pädagogik sind die Freiheit des Kindes zu entscheiden, was es machen möchte und ein System demokratischer Mitbestimmung, dass den Anstaltsalltag regelt. Nicht Disziplin oder Strafen, sondern selbstbestimmte Regeln Kennzeichnen das System "Summerhill". Neill veröffentlichte schon früh seine Ideen in Schriften, zunächst nur wenig erfolgreich. In den 1960er und 1970er Jahren wurde alternative Schulkonzepte modern und gesellschaftspolitisch relevant. Im deutschsprachigen Raum wurden seine Bücher zu Grundliteratur der Erziehungsvorstellung der "68er", sein Buch "Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung - das Beispiel Summerhill" erreichte in deutscher Übersetzung eine Millionenauflage, Summerhill wurde daraufhin zu einer Ikone. Doch Neill selbst stand jedoch dem Begriff antiautoritär kritisch gegenüber, er sprach von selbstregulativer Erziehung.

Heute ist Summerhill nach wie vor eine Privatschule, an der man Studiengebühren zahlen muss. Rund 70 Schüler besuchen derzeit das Internat. Die Schüler kommen aus der ganzen Welt, vor allem in Asien hat man die Schule entdeckt, ein Viertel der Schüler sind derzeit aus Asien.

Link: www.summerhillschool.co.uk

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 384
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f.j.neffe
 
00
19.10.2010, 12:14
Es ist sehr sinnvoll, das Gegenteil der üblichen Pädagogik auszuprobieren

"Mainstreamschulen" - und letztlich entscheidet jeder für sich, für was er seine Schule hält - machen es komplet falsch.
Mit DRUCK wollen sie Probleme LÖSEN. Dabei kann DRUCK die Probleme nur KOMPRIMIEREN = ZUSAMMENDRÜCKEN; das ist das exakte Gegenteil von LÖSUNG. Die neue Ich-kann-Schule zeigt,dass die Probleme, wenn wir nicht mehr DRÜCKEN können, wieder ausei8nandergehen und dann auch noch exakt um die ENERGIE wachsen, die wir hineingedrückt haben.
NEIL´s Buch war schon während meines PH-Studiums eines von nur 3 Büchern, das ich wirklich zu Ende lesen konnte, weil darin nicht alles kpnstlich krummgebogen und voller Widersprüche ist. Selbst wenn man es anders sieht (wie ich), lässt sich viel daraus lernen. Herzlich grüßt
Franz Josef Neffe

Die Ente Lippens
00
5.10.2010, 10:54
Gradwanderung zwischen Dschungel-Laissez-Faire und kindgerechter Tiefenpsychologie.

Vorname Nachname
85
17.8.2010, 10:55
unfassbar

dass es sowas noch gibt

die ergebnisse von antiautoritaerer erziehung, halbe-halbe und aehnlichen verirrungen kann man heute eindrucksvoll am AMS oder am karlsplatz bewundern ...

Kuchenmann
00
1.10.2010, 13:46

Kann dem nur zustimmen. Im Leben muss man auch etwas zu Ende bringen, was man begonnen hat.
"Kinder besuchen vielleicht einen Kurs für ein bis zwei Wochen und machen dann etwas anderes und kommen dann zurück und machen weiter." Da kommts mir auch schon hoch.

Man weiß doch bereits, wie negativ es für Kinder auswirkt, wenn sie nicht gefordert werden und keine Ziele setzt.

Ich frage mich, ob diese Schüler jemals das Gefühl erlebt haben, wenn man eine harte, schwierige, zu Beginn schier unmögliche Aufgabe erfolgreich gelöst hat.

linuxforeverlinux
12

unwissenheit wie die ihrige führt dann auch zu solchen strache gedankenmustern wie ihre!

laBell
10

die der autoritären auch.

Aux Armes Citoyens!
22
12.8.2010, 18:30
wobei wir beim wichtigsten thema sind

wenn es um erziehung geht. die ständige ablehnung der schulsysteme, erziehungsverantwortung zu übernehmen. schulsysteme sowie lehrkörper winken andauernd ab. aussage: "wir haben einen lehrauftrag, keinen erziehungsauftrag."
erziehung findet auch zuhause nicht mehr oder nur unzureichend statt. die sozialstrukturen wie früher sind nicht mehr in dem ausmaß vorhanden. die großeltern, die früher an der erziehung mitgeholfen haben, leben heute woanders als die eltern und die enkel, oder gar im heim. beide elternteile arbeiten, weil das gefüllte konto wichtiger ist als der charakter der kinder. die wertigkeiten verschieben sich damit ins negative.

kyselak3
 
01
12.8.2010, 15:54
von der website

"Founded in 1921. Still ahead of its time."

schlechtes timing.

Träume sind Schäume.
510
12.8.2010, 14:11
Diese Schulen sind suspekt

Vor allem das totalitäre Prinzip vom "Miteinander" 24h am Tag durch alle Lebensbereiche, solche Ideen hatte schon Rousseau verfolgt.

Ich denk Schüler unterscheiden sich nicht groß von Erwachsenen.
Wie diese wollen sie im allgemeinen Berufs und Privatleben GETRENNT halten.

Die Schule ist ein Ort wo man seine Aufgaben erledigt und seinen Freundeskreis hat.

Weder ist der Lehrer automatisch ein Freund, noch alle Schüler Brüder/Schwestern und jedes persönlich Problem für öffentliche "demokratische" Sitzung da.

Ein Arbeitnehmer würd im Traum nicht drauf kommen so in einer Firma zu arbeiten, warum sollten das Schüler so super finden, das trägt im Keim schon faschistoide Züge ;)

laBell
12

Schon mal irgendwas von A.S.Neill gelesen?
Wo haben Sie die Vorstellung von einem totalitären Miteinander 24h am Tag her?
Das Gegenteil ist der Fall. Es wird auf die Bedürfnisse der Kinder Rücksicht genommen. Sie dürfen alleine sein wenn sie das wollen. Wann ist Ihnen das schon mal im regulären Schulsystem passiert?

Debby2
21
25.8.2010, 07:16
Mensch bleibt Mensch unabhängig von Alter und Kontostand

Warum sollten alle Schüler_innen ihr Leben strikt getrennt haben wollen?
Schule ist eine Art Lebensraum für Schüler_innen und in diesem speziellen Fall reden wir auch von einem Internat. In einem Internat ist man ständig mit den Leuten zusammen, denen man in der Schule auch begegnet, ich selbst hab ein Internat besucht und hab mehr daraus gelernt als aus meiner ganzen autoritären Schulzeit. Man lernt durch das freundliche miteinander mit Lehrpersonen ungemein, natürlich bleiben sie stehts "Erwachsene" im Sinne von, ich schau zu ihm/ihr auf und bewunder sie/ihn vl. für etwas. Aber dennoch, ich bin der Ansicht, dass man viel mehr von einander lernen kann in einem freundlichen/freundschaftlichen Miteinander als dem autoritären Getue.

klomuscheltaucher mit spaghettiausrüstung
24
12.8.2010, 17:54
wir wollen das so, weil wir es gewöhnt sind

tatsächlich spielte sich das Leben der Menschen über seine beinahe gesamte Entwicklungsgeschichte in Sippschaften ab, in denen alles - zusammen gemacht wurde. Die Privatsphäre ist eine Erfindung der Neuzeit.

Mike 23
01
19.8.2010, 12:46
So wie Schule insgesamt

Denn ein Leben fernab von seiner Verwandtschaft in einer künstlich geschaffenen Sippe ist auch neu.
Michael

Aux Armes Citoyens!
55
12.8.2010, 12:34
??

wir sagen keinem was er zu tun und zu lassen hat, aber wenn er unsere 250 regeln nicht befolgt tribunalisieren wir und dann sehen wir, welche strafe für ihn dabei rauskommt. das ist demokratie.das macht spass. denn summerhill kinder halten wir so dumm unter der humusschicht der gesellschaft, dass wir ihnen einreden können, dass glückliche sozialhilfeempfänger erfolgreicher sind in ihrem leben als burnoutgefährdete topmanager, die sich an gesellschaftliche regeln halten und millionen verdienen...
alles eine frage der sichtweise! ganz einfach!

Debby2
21
25.8.2010, 07:21
Kontostand =/= Glückseeligkeit

Warum wird bloss immer Glück automatisch mit Geld in Verbidnung gebracht?
Warum muss ein_e Schüler_in immer bis an seine/ihre Grenzen gepuscht werden, bis er/sie die Lust am Lernen völlig verliert?
Wichtiger ist es doch, den Schüler_inne die Möglichkeit zu bieten zu lernen und ihren Wissendurst individuell zu fördern und fordern. In einem autoritären System wird schlicht weg über die individuelle Bedürfnisse hinweggesehen, Erfolg ist dann das grosse Wort, dass man sich gross auf die Fahne schreibt? Was bedeutet aber Erfolg? Erfolg wird am Einkommen gemessen? Vielleicht denken Sie so, ich bin der Ansicht, dass man DANN erfolgreich ist, wenn man mit sich und der Welt im reinen und glücklich ist.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
11
30.8.2010, 08:48
Quatsch, lächerlicher hoch 3!

Immer mehr ist sinnlos, aber soviel Geld am Konto, daß man sich abgesichert fühlt und sich dann und wann einen besonderen Wunsch erfüllen kann, DAS ist jedem zu wünschen und zu gönnen, aber dafür muß man eben was tun.

grifter
510
12.8.2010, 11:07

Bei vielen Postings hier muss ich schmunzeln. Dass diese Schule Angst macht und Unfrieden stiftet, ist verständlich.

Sie richtet sich gegen die nötige Verdummung, die aus Kindern Erwachsene macht, die den derzeitigen Betrieb am Laufen halten.
Die Politik, die Kirchen, die Industrie, kurz - das, was wir zurzeit als Gesellschaft definieren - benötigt hirnweichgekochte Konsumationsautomaten.

Daher bedroht diese Schule, die eben nicht in der Menschenautomatenherstellungssparte tätig ist, den Status Quo.
Berührend, dass nicht diese Angst erkannt wird, sondern mit einem Mäntelchen von vernünftig klingenden Argumenten zugedeckt wird.
Klar, sonst müsste man sich ja die eigene Beteiligung an dem Ganzen auch noch ansehen :-)

Dr. Lari and Mr. Fari
 
01
30.8.2010, 08:49
Eine Schule, in der sich die Kuinder aussuchen, was sie lernen wollen,

ist für Bildung und berufliche Fähigkeiten fatal.

Herbert Hebenstreit
10
13.8.2010, 10:56
@grifter

dem ist nichts hinzu zu fügen. Absolut meine Meinung.
Nur nichts verändern an den gegenwärtigen Machtstrukturen die auf der Verdummung der mehrheit basieren.

Martin Schwarzbauer
 
05
12.8.2010, 13:51
Ich wiederum finde es eher irritierend

mit welcher Selbstverständlichkeit selbsternannte "Erleuchtete" jenen, die Zweifel an den Qualitäten einer solchen Schule als Regelschule äußern, unterstellen, diese seien ängstliche, verdummte, hirnweichgekochte Konsumationsautomaten.

Diese "ad hominem"-Argumentation ist ja normalerweise typisch für Leute, die keine wirklichen Argumente vorzubringen haben. Aber da mein Hirn ja offensichtlich von einem Schulsystem weichgekocht wurde, aus dem ich einst mit demselben systemkritischen Idealismus herausgekommen bin (vollkommen logisch, oder?), verstehe ich offenbar die zwingende Schlussfolgerung "Kritik an Alternativschule = Angst vor Infragestellung des eigenen Weltbilds" nicht, die einige Vulgärpsychologen hier postulieren.

grifter
44
12.8.2010, 14:59

Diese "Erleuchtung", die Sie mir unterstellen, ist schlicht die zwingend passierende Weiterentwicklung von jemandem, der genau durch dieselbe Normalverdummungsschule wie die meisten anderen gegangen ist und es nun aufgrund persönlicher Entwicklung nicht besser vermutet, sondern besser weiß.
Daher ist eine Schule wie die oben beschriebene mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit besser als eine jener Schulen, die ich besucht habe, und dass etwas, das vorhandene Strukturen aufbricht, für Sie irritierend ist - darüber nachzudenken kann ich Ihnen nicht abnehmen, wenn Sie das überhaupt wollen sollten.
Wenn nicht, bleibt Ihnen auch das unbenommen.

Martin Schwarzbauer
 
02
12.8.2010, 15:36

Was mich stört, ist die Anmaßung: nur Menschen, die Ihrer Meinung sind, sind offenbar fähig und willens zu denken. Völlig ausgeschlossen wird die Möglichkeit, dass kritisches Denken auch dazu führen könnte, dass man einer bestimmten Alternative zum gegenwärtigen System ablehnend gegenüber steht.

Sie haben außer Beleidungen gegen Andersdenkene, Ihrer persönlichen Erfahrung und der Behauptung, dass Ihre Ansicht daraus "zwingend" folgt, hier keine Aussagen getroffen.

Wenn Sie Argumente für die Überlegenheit der Summerhill-Schule haben, nur her damit - ich bin zwar skeptisch, aber aufgeschlossen. Was ich hier kritisiere ist Ihr pauschaler Rundumschlag gegen Menschen, die nicht alles gutheißen, was "alternativ" ist.

laBell
10

Ich empfehle die Bücher von A.S.Neill zu lesen. Dann könnten Sie sich auch inhaltlich beteiligen und müssten nicht diese "ad hominem"-Argumentation vorbringen.

Martin Schwarzbauer
 
01
"Ad hominem"

Ist eine Bezeichnung für die Vorgangsweise, anstelle von sachlichen Argumenten nur Angriffe auf den Charakter des Diskussionsgegners vorzubringen.

Wenn Sie sich den ursprünglichen Beitrag von grifter durchlesen, werden Sie feststellen, dass er genau das tut: er greift die Denk- und Reflexionsfähigkeit derer an, die "den Status Quo bedroht sehen", ohne dafür gute Gründe vorzubringen.

Ich hingegen antworte auf der Meta-Ebene und kritisiere ebendieses Verhalten, indem ich seine Ausführungen sarkastisch behandle - kein "ad hominem".

Wenn Sie mir jetzt nahe legen, ich solle dutzende Stunden Zeit investieren, um mich "inhaltlich beteiligen" zu können, frage ich Sie: warum sollte ich? Können Sie relevante Argumente nicht selbst vortragen?

grifter
22
12.8.2010, 16:12

Ich habe geschrieben, dass mich diese Postings zum Schmunzeln bringen, was Ihre Empörung ausgelöst hat - die übrigens wiederum ganz alleine Ihnen gehört :-)

Ich kann Ihnen ganz einfach nur aus persönlicher Erfahrung sagen, dass es wichtig ist (meines Erachtens) die eigenen Einstellungen, und ganz wichtig, die eigenen Dogmen zu hinterfragen.
Wer das tut, kommt zu gewissen Ergebnissen, unabhängig von Schulbildung oder Erziehungsmaßnahmen.

Was sie als anmaßend empfinden, ist ganz einfach das Wissen, dass hier Argumente ausnahmsweise fehl am Platz sind, und es nur "ad hominem" geht, nämlich um die Aufgabe eines jeden Einzelnen, sich diesen Grundfragen zu stellen.
Wenn Sie dies als Angriff auffassen, kann ich das nicht verhindern.

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