Chinesische Beerenpflücker protestieren in Lappland

6. August 2010, 11:09
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Mit falschen Lohnversprechen seien die Saisonarbeiter ins Land gelockt worden

Stockholm - In Nordschweden protestieren rund 200 chinesische Beerenpflücker gegen ihre Dumpinglöhne und ihre Arbeitsbedingungen. Die Saisonarbeiter brachen am Donnerstag "SOS" und "Help"-Schilder tragend von ihren Unterkünften im lappländischen Langsjöby in das Richtung des regionalen Verwaltungszentrum Storuman auf. Nach einem teilweise in den Nachtstunden geführten Marsch legten sie bis heute Vormittag rund die Hälfte der Strecke zurück und ließen sich resigniert am Straßenrand nieder, berichtete das Online-Portal der Regionalzeitung "Västerbottens-Kuriren" am Freitag.

Am Abend hatten sich Repräsentanten einer chinesischen Leiharbeitsfirma zu Verhandlungen mit den Anführern des Protests eingefunden. Diese blieben bisher offenbar ohne Resultat. Die Teilnehmer an dem Protestmarsch werden von der Bevölkerung mit Essen und Getränken versorgt.

Die Beerenpflücker dürften laut Berichten mehrerer Medien unter Vorspiegelung falscher Lohnversprechen nach Schweden gelockt worden zu sein. Viele der Chinesen müssten damit rechnen, mit ihren Dumpinglöhnen nicht einmal die Reisekosten decken und die dafür aufgenommenen Schulden zurückzahlen zu können. Unklar ist, ob die Schuld bei den chinesischen Vermittlern oder bei den schwedischen Abnehmern der Beeren zu suchen ist.

"Unglückliche Umstände"

Ein schwedischer Einkäufer sprach laut "Västerbottens-Kuriren" von "unglücklichen Umständen". Die Saisonarbeiter seien von ihrer chinesischen Vermittlungsfirma offenbar falsch informiert worden. Essen, Unterkunft und Fahrzeuge würden den Beerenpflückern zur Verfügung gestellt. Anderen Quellen zufolge müssen die Arbeiter hingegen dafür von ihren Löhnen oft teuer extra bezahlen.

Probleme mit billigen Hilfsarbeitern bei der Beerenernte in den schwedischen Wäldern gab es auch in den vergangenen Sommern. Schon vergangenes Jahr mussten zahlreiche aus Vietnam und Thailand stammende Beerenpflücker wegen der schwachen Ernte die Heimreise mit Schulden antreten.

Die schwedische Migrationsbehörde führte im Frühjahr deshalb neue Regeln ein, wonach ausländische Beerenpflücker im Dienste schwedischer Unternehmen ein monatlicher Mindestlohn von 16.372 Kronen (1.745 Euro) zusteht. Für ausländische Leiharbeitsfirmen gilt eine etwas höhere Summe. Inoffiziellen Angaben zufolge versuchen einige Unternehmen, diese Regelung mit doppelten Verträgen zu umgehen. (APA)

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