Wiens Hundesackerl werden breiter und reißfester

5. August 2010, 19:12
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Version 2011 passt auch auf Männerpranken - Biokunststoffe und versperrbare Spender werden von Verantwortlichen abgelehnt

Wien - Wiens Hundekotsackerl werden im kommenden Jahr auch auf echte Männerpranken passen und überdies eine größere haptische Distanz zur warm-weichen Hinterlassenschaft des Vierbeiners vermitteln: Auf vielfachen Wunsch der Halter werden die Gratiskottüten in der Version 2011 knapp 4 Zentimeter breiter und überdies dicker sein. Während die aktuellen Exemplare eine Wandstärke von 0,013 Millimetern besitzen, werden die künftigen 0,015 Millimeter dick und damit reißfester sein, kündigt Martina Ableidinger von der zuständigen MA 48 im APA-Gespräch an.

Derzeit kostet ein einzelnes Sackerl 0,357 Cent - ein Wert, der marginal steigen soll, wenn die neue, luxuriösere Variante zum Einsatz kommt. Hier kosten 1.000 Stück dann 5 Cent mehr. Insgesamt finden sich pro Jahr 20 Millionen Exemplare in den knapp 2.500 Wiener Verteilautomaten. "Damit haben wir eine große Sättigung erreicht", sieht Ableidinger ein Ende der seit 2005 laufenden Expansion. Lediglich in Einzelfällen würden noch Spender aufgestellt.

Die zentralen Anforderungen an ein Kotsackerl sind jedenfalls eindeutig: Es muss in großer Zahl in die vorhandenen Spender passen - von den jetzigen Exemplaren bis zu 1.000 Stück. Zugleich müsse das Material deshalb sehr dünn und zugleich reißfest sein. Hier habe sich Polyethylen bewährt. "Es hat auch bei der Frage der Geruchsdichtheit seine Vorteile", verweist Ableidinger auf den olfaktorischen Aspekt. Schließlich liege das Sackerl samt Inhalt gegebenenfalls auch noch eine Weile im Mistkübel.

Kompostierbare Biokunststoffe will man dagegen nicht einsetzen. Schließlich würden die eingesammelten Päckchen in der Müllverbrennungsanlage verheizt: "Kompostierbares Material zu verwenden, wäre daher nicht sinnvoll." Und in die Kompostieranlagen der Stadt komme kein tierisches Material. Auch müsse man bei den Biokunststoffen bedenken, dass diese teils aus gentechnisch behandelten Pflanzen stammten und überdies dickwandiger seien, weshalb wiederum weniger Exemplare in den Spendern Platz hätten. Angesichts der dortigen klimatischen Bedingungen würden Biosackerl vor der Zeit zerfallen. Und zu guter Letzt sei dank höherer Kosten auch ihr Einsatz unwirtschaftlicher.

Das wenig exzentrische Dunkelgrau der derzeitigen Kacksackerl liegt übrigens ebenfalls im Preis begründet, da diese Farbe am günstigsten ist. In Zukunft ist aber der Einsatz etwa des MA-48-Signaloranges nicht ausgeschlossen. "Wir prüfen die Vorteile eines farbintensiven Sackerls", berichtet Ableidinger. Diese würden allerdings rund 15 Prozent mehr kosten. Und während italienische Varianten teils mit Henkeln ausgestattet sind, hält man in Wien von derlei Firlefanz wenig. Das Sackerl würde beim Trümmerleinsammeln schließlich umgedreht über die Hand gestülpt - und da würden Öffnungen stören. Die gesammelten Bestände an folglich henkelfreien, dezentgrauen Hundesackerln finden sich im Zentrallager der MA 54 in Floridsdorf - neben Wahlkabinen, Schulmöbeln und Fundstücken. Befüllt werden die Spender durch die Straßenkehrer.

Der Idee der Wiener ÖVP, die Spender zu verschließen und den Zugang nur mittels spezieller Hundemarke oder des dem Hund ohnedies implantierten Chips zu ermöglichen, kann Ableidinger nichts abgewinnen: "Jeden Hundesackerlspender zu verchippen wäre sehr kostenintensiv." Hinzu komme der Verwaltungsaufwand und fehlende internationale Beispiele. Außerdem sei das zweckentfremdete Verwenden der Tüten stark zurückgegangen. Ein Grund: Mittlerweile findet sich der Aufdruck "Nicht für Nahrungsmittel geeignet! Nur für Hundekotentsorgung!" auf dem Säckchen.

Und so wandern täglich 47.200 gefüllte Hundekotsackerl in Wiens Mistkübel, die sich im Jahr auf rund 17,2 Millionen summieren, wie jüngst eine Analyse im Auftrag der Stadt ergeben hat. Demnach werden jährlich 1.135 Tonnen Hundekot in den Sackerln gesammelt, pro Tag 3,1 Tonnen. Dabei finden sich durchschnittlich 66 Gramm im Sackerl - wobei die tatsächliche Menge zwischen Chihuahua und Deutscher Dogge wohl erheblich differieren dürfte. Die städtischen Gratissackerl werden dabei von den Haltern angenommen: 93 Prozent aller befüllten Sackerl im Mist stammen aus den gemeindeeigenen Spendern.

Zugleich blüht auch das Begleitgeschäft abseits des Sackerls: Hundehalter, welche die Exkremente ihres Gefährten entsorgen wollen, können beispielsweise auf Vereisungssprays zurückgreifen, um die haptisch-warme Anmutung beim Anfassen zu verhindern. Noch weniger Kontakt zum Exkrement erlaubt die Bellobox. Diese Pappschachtel wird an Schnüren gehalten und über den Haufen gestülpt, bevor man sie mit einem Tritt schließt und anschließend entsorgt. (APA)

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