Hommage an eine Unerschrockene

5. August 2010, 19:01
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Sandrine Bonnaires sehr persönlicher Dokumentarfilm "Ihr Name ist Sabine" hat auf 3sat TV-Premiere - Der Sender nimmt dies auch zum Anlass, der französischen Schauspielerin eine kleine Personale zu widmen.

Ihr Name ist Sabine / Elle s'appelle Sabine (2007) ist der Titel jenes Dokumentarfilms, für den die französische Schauspielerin Sandrine Bonnaire erstmals hinter die Kamera wechselte. Sabine, die Protagonistin, ist eine von Bonnaires Schwestern. Auf Jugendaufnahmen ist die äußere Ähnlichkeit unverkennbar, fast unheimlich, Sabine eine impulsive junge Frau. Inzwischen fällt sie häufig in einen Dämmerzustand, hat stark zugenommen, ist irreversibel gezeichnet von einer psychischen Erkrankung, von schwerer Medikation und einem fünfjährigen Aufenthalt in der Psychiatrie.

Seit ein paar Jahren lebt Sabine, die an einer Form von Autismus leidet, in einer kleinen Betreuungseinrichtung in der Charente. Dorthin ist ihre Schwester immer wieder auch mit einem kleinen Team gekommen, um den Alltag von Sabine und den anderen Bewohnern und Bewohnerinnen zu dokumentieren. Diese langen Aufnahmen, die sich der Zeitökonomie und dem Geschehen vor Ort möglichst unterordnen, alternieren mit den anderen, älteren: Sie wollte, sagt Sandrine Bonnaire, dem Publikum so einen möglichst umfassenden Eindruck von Sabine geben. Zugleich bekommt man dabei auch ein Vorstellung vom innigen Verhältnis der Schwestern.

Eine der profiliertesten Darstellerinnen des französischen Kinos

3sat eröffnet mit der TV-Premiere dieses eindringlichen, sehr persönlichen, aber auch allgemeingültigen Films seine kleine Hommage an Sandrine Bonnaire. Seit bald dreißig Jahren gehört die 1967 geborene Tochter eines Fabrikarbeiters - die außer Sabine noch neun weitere Geschwister hat - zu den profiliertesten Darstellerinnen des französischen Kinos. Entdeckt wurde sie als Teenager vom Autorenfilmer Maurice Pialat. In seinem intensiven Beziehungsdrama Auf das, was wir lieben / À nos amours (1983) spielt Bonnaire die aufmüpfige Tochter in einem Familienverband, den wilde Stimmungen um- und auseinandertreiben. Ihre kraftvolle Darstellung wird umgehend mit einem César als beste Nachwuchsschauspielerin gewürdigt.

3sat zeigt mit Der Bulle von Paris / Police (1985) die zweite Zusammenarbeit Bonnaires mit Pialat - selbst in einer kleinen Nebenrolle weiß sie sich gegenüber Kollegen wie Gérard Depardieu zu behaupten. Im selben Jahr macht sie mit ihrer unerschrockenen Verkörperung einer Vagabundin in Agnès Vardas Vogelfrei nachhaltig auch international auf sich aufmerksam. Die frühen Rollen prägen das Bild einer ebenso kontrollierten wie furchtlosen Erscheinung, deren trotzige Verschlossenheit allerdings jederzeit ins Gegenteil umschlagen kann.

Dementsprechend wird Bonnaire oft als toughe Zeitgenossin besetzt: Sie geht für Raymond Depardons La captive du désert in die Wüste, sie ist Jacques Rivettes Heilige Johanna oder gibt gemeinsam mit Isabelle Huppert in Claude Chabrols La cérémonie ein mörderisches Traumpaar. Erst im neuen Jahrtausend wird sie zunehmend auch in leichteren, komischen Rollen besetzt. Nachzusehen im 3sat-Schwerpunkt unter anderem in Philippe Liorets Romanze Mademoiselle (2000). (Isabella Reicher, DER STANDARD; Printausgabe, 6.8.2010)

3sat-Schwerpunkt bis 13. 8.; Auftakt am 8. 8. mit "Ihr Name ist Sabine" und "Der Bulle von Paris", ab 21.50 Uhr.

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Weitere Infos zum Sandrine- Bonnaire-Schwerpunkt

  • Entschlossene Zurückhaltung: Sandrine Bonnaire 1985 in "Der Bulle von Paris", den ihr Entdecker Maurice Pialat inszeniert.
    foto: zdf/luc roux

    Entschlossene Zurückhaltung: Sandrine Bonnaire 1985 in "Der Bulle von Paris", den ihr Entdecker Maurice Pialat inszeniert.

  • "Mademoiselle": Schauspieler Pierre (Jacques Gamblin) und die Pharmareferentin Claire (Sandrine Bonnaire) verlieben sich ineinander.
    foto: zdf/emilie de la hosseraye

    "Mademoiselle": Schauspieler Pierre (Jacques Gamblin) und die Pharmareferentin Claire (Sandrine Bonnaire) verlieben sich ineinander.

  • Sandrine Bonnaire (rechts mit Kamera) in "Ihr Name ist Sabine".
    foto: zdf/catherine cabrol

    Sandrine Bonnaire (rechts mit Kamera) in "Ihr Name ist Sabine".

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