Aufstieg à la Alicante

5. August 2010, 18:36
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Hércules Alicante soll sich sein Ticket in die spanische Primera División erkauft haben. Strafbar ist das im Weltmeisterland aber noch nicht

"100.000 Euro, damit sich der Tormann in die andere Ecke wirft." Das soll Enrique Ortiz, Baumagnat und Hauptaktionär von Aufsteiger Hércules Club de Fútbol Alicante, geboten haben, weil sich der Córdoba CF in seiner Gesamtheit mit 300.000 Euro nicht zur freiwilligen Niederlage bewegen ließ.

Laut einem Telefongespräch von Ortiz wurde lediglich Córdoba-Tormann Raúl Navas erfolgreich "gekauft" . Das reichte, denn die Partie endete 4:0 für Hércules. Navas streitet seine Bestechlichkeit ab. Ortiz wollte kein Risiko eingehen, wie zahlreiche Auszüge seiner teilweise kryptischen Telefonkonversationen nahelegen, die die Tageszeitung El País in den vergangenen Tagen publizierte.

Die "Transaktionen" sollen Hércules-Kapitän Jorge López alias Tote sowie seinen Kollegen Abraham Paz verhandelt und in Einzelfällen durchgeführt haben. Für den mit 15 Millionen Euro verschuldeten Verein war der Aufstieg in die oberste Spielklasse quasi Pflicht.

Versuche hat es demnach bei vier der Hércules-Gegner, neben Córdoba, Salamanca, Girona und nicht zuletzt Huelva - Verhandlungsbasis war ein Ducati-Rennmotorrad - gegeben. Auch die Niederlage von Real Irún am letzten Spieltag (0:2) soll gekauft worden sein. Der punktegleiche Rivale Betis Sevilla, dem laut Vereinsleitung nun "der Aufstieg zustehe" , sowie Absteiger Cádiz, der sich um den Klassenerhalt betrogen sieht, legten Beschwerden ein.

Mancher Bestechungsversuch scheiterte wohl daran, dass selbst die Konkurrenten von Hércules Alicante ihr Schicksal nicht dem fußballerischen Können allein überantwortet wissen wollten. Die Kicker von Girona hätten vor dem 1:1 gegen Alicante von vier anderen Klubs insgesamt 300.000 Euro, pro Mann also 25.000, als "Motivation" bekommen. Laut Hércules-Mittelsmann López herrsche "ein regelrechter Krieg" . El País schrieb von "flächendeckender Korruption" .

Tycoon Ortiz war erst vor wenigen Wochen im Zuge eines Korruptionsskandals um die Müllentsorgung und Baukonzessionen in der von der konservativen Volkspartei regierten Provinz ins Visier der Ermittler gerückt. Zufällig kamen dabei Hinweise zu den Manipulationsversuchen der Partien zutage. "Die Beweislast ist erdrückend" , sagt José Luis de la Fuente, Richter in Alicante.

Der Jurist stellte das Material unter Geheimhaltung, was dem spanischen Fußballverband Sanktionen verunmöglicht. Man würde die "Privatsphäre von Ortiz verletzen" , und im Strafrecht stelle die Manipulation von Partien bis zum Inkrafttreten einer Gesetzesreform mit 22. Dezember keinen Tatbestand dar.

Die Vereinsleitung von Hércules droht per Website mit Klagen gegen jene Medien, die den "guten Namen" des Klubs gefährden. Präsident Valentín Botella sieht "alles gelassen" . Den Aufstieg habe man "aus eigener Kraft geschafft" . Und für den Klassenerhalt wird eingekauft. Am Donnerstag weilten Klubvertreter in Dortmund, um über eine Verpflichtung des paraguayischen Teamstürmers Nelson Valdez zu verhandeln. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 6. August 2010)

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    Die Justizermittelt gegen Enrique Ortiz. Und sie deckt den Eignervon HérculesAlicante auch.

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