Rauchwarnmelder

Im Brandfall bitte aufwachen

Martin Putschögl, 5. August 2010, 17:23
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    foto: apa/dpa/gerten

    Weil der verpflichtende Einbau gerade erst umgesetzt wird, zählt Österreich international betrachtet wenig überraschend zu den Nachzüglern, was das Vorhandensein von Rauchmeldern betrifft. In den USA besitzen etwa 90 Prozent, in Großbritannien ca. 70 Prozent aller Haushalte zumindest einen Rauchmelder. In Österreich und Deutschland wird dieser Anteil aber nur auf etwa fünf bis sieben Prozent geschätzt.

In Neubauten müssen bereits fast überall in Österreich Rauchmelder installiert werden. Nachrüstungen sind nicht verpflichtend, Experten empfehlen sie aber dennoch

Laut Österreichischem Zivilschutzverband brennt es in Österreich 25.000 mal jährlich. Viele hundert Menschen werden dabei oft schwer verletzt, bis zu hundert sogar tödlich. Den Tod bringt allerdings meist nicht das Feuer, sondern der Rauch - in Form einer letalen Kohlenmonoxidvergiftung. Der menschliche Geruchssinn ist im Schlaf nicht aktiv, das toxische Gas ist außerdem farb- und geruchlos.

Nachrüstung empfohlen

In Zukunft soll sich diese relativ hohe Sterblichkeit drastisch verbessern. Die Richtlinie 2 des Österreichischen Instituts für Bautechnik (OIB) schreibt seit Kurzem Rauchmelder in Neubauten vor, und zwar in Aufenthaltsräumen (Ausnahme: Küche) und Gängen, die als Fluchtweg benutzt werden. Die Richtlinie ist noch nicht in allen Bauordnungen der neun Bundesländer umgesetzt, dies ist aber nur eine Frage der Zeit.

Anders als in einigen deutschen Bundesländern ist in Österreich die Nachrüstung bestehender Gebäude nicht vorgeschrieben. Empfohlen wird dies dennoch, weil die kleinen, unscheinbaren Dosen an der Zimmerdecke verhältnismäßig wenig kosten (etwa ab 10 Euro) und sehr effizient Leben retten können.

Mieter müssen warten

Bei der Österreichischen Mietervereinigung (MVÖ) weist man darauf hin, dass Mieter beim Bezug einer Neubauwohnung künftig auf das Vorhandensein eines Rauchmelders achten sollten. Für Wien gilt: Wurde die Baugenehmigung nach dem 12. Juli 2008 erteilt (Inkrafttreten des Landesgesetzes, in dem die OIB-Richtlinie 2 umgesetzt wurde, Anm.), besteht für den Bauträger die behördliche Verpflichtung, Rauchmelder zu installieren. Wer sie nicht vorfindet, kann sie einfordern. In Bestandsbauten müssen Mieter, die auf ihre Feuersicherheit achten wollen, den Einbau auf eigene Kosten vornehmen.

MVÖ-Präsident Georg Niedermühlbichler macht aber auch auf einen anderen wichtigen Umstand aufmerksam: "Ist ein Rauchmelder vorhanden, dann ist der Mieter für die Wartung zuständig." Einmal im Monat sollte dann der Testknopf gedrückt werden, um den Alarm probeweise auszulösen und die Funktion des Geräts zu überprüfen. "Außerdem sollte der Melder ein- bis zweimal pro Jahr abgesaugt oder abgewischt werden."

Dass die Rauchmelder vom Mieter keinesfalls entfernt werden dürfen, sollte klar sein. "Wer den Rauchmelder nicht wartet oder gar entfernt, riskiert, dass im Schadensfall die Versicherung nicht zahlt oder der Vermieter sich an ihm regressiert", warnt man bei der MVÖ. Freilich dürfte es in solchen Fällen zu sehr komplexen Haftungsfragen kommen.

Wartungskonzepte im Wohnbau

Im genossenschaftlichen Wohnbau macht man sich bereits Gedanken über die Umsetzung der Rauchmelderpflicht. "Wir sind gerade dabei, ein Wartungskonzept zu entwickeln", heißt es etwa von Seiten des Österreichischen Siedlungswerks (ÖSW). Die Mieter könnten in den vor einer Übergabe stets üblichen Infoabenden informiert werden, denkbar ist aber auch, dass sich die eigenen Haustechniker bzw. eine Facility-Management-Firma um die Wartung kümmert.

Etwas weiter ist man in Vorarlberg, wo die OIB-Richtlinie bereits seit 1. Jänner 2008 in der Bauordnung gilt. Bei der Vogewosi, der "Vorarlberger gemeinnützigen Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft", sind schon mehrere Anlagen mit Rauchmeldern ausgestattet, teilweise wurden auch die Stiegenhäuser von Bestandsbauten nachgerüstet, berichtet Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz.

Alexander Pixner, der Leiter der technischen Abteilung, ist an vorderster Front für die Umsetzung zuständig. "Wir installieren in sämtlichen Aufenthaltsräumen, ausgenommen die Küchen, die Rauchmelder, die Mieter werden beim Einzug über die Wartung aufgeklärt", erklärt er. Teilweise müssen aber ohnehin gleich vollständige Brandmeldeanlagen in den Wohnbauten errichtet werden, wenn dies die Brandschutzplanung vorsehe.

Rauch- vs. Brandmelder

Solche Meldeanlagen sind direkt mit der Feuerwehr verbunden, im Gegensatz zu den in Wohnungen üblicherweise zum Einsatz kommenden Rauch(warn)meldern. Letztere sollen in erster Linie die sich in den Räumen aufhaltenden Personen warnen - und dies eben vor allem während der Nachtstunden.

Genormt sind die Rauchmelder europaweit nach der EN 14604. Die Alarmierung erfolgt akustisch. Die Schallquelle muss dabei im Rauchwarnmelder integriert sein und die Schallemission muss mindestens 85 Dezibel betragen.

Die derzeit gängigsten Rauchmelder arbeiten per photoelektrischem bzw. -optischem Verfahren, sie reagieren auf verändertes Streulicht. Eine Lichtquelle ist im (batteriebetriebenen) Melder so installiert, dass sie im Regelfall nicht auf einen ebenfalls darin enthaltenen Sensor trifft. Werden die Lichtstrahlen aber durch eindringende Rauchpartikel abgelenkt, treffen die Strahlen den Sensor, der Alarm geht los. Durch Zigaretten- oder Kerzenrauch wird üblicherweise kein Alarm ausgelöst.

Auf die Kennzeichnung achten

Montiert werden die Rauchmelder ausnahmslos an der Decke, und zwar möglichst zentral im Raum. In jedem Fall sind Mindestabstände von Seitenwänden (20 cm) und Ecken (60 cm) einzuhalten.

Experten empfehlen Geräte, die die folgenden Funktionen aufweisen: einen Testknopf zum Prüfen des Alarmtones, ein optisches Blinksignal, das Funktion und Einsatzbereitschaft des Gerätes anzeigt, sowie ein akustisches Signal für den Batteriewechsel. "Heim-Rauchwarnmelder sollten außerdem nach EN 14604 geprüft sein und mit einem CE-Zeichen versehen sein", erklärt Klaus Ortner von der TÜV Austria GmbH. "CE" bedeutet, dass der Artikel den EU-weit harmonisierten Richtlinien für diese Produktgruppe entspricht.  (Martin Putschögl, derStandard.at, 5.8.2010)

Kommentar posten
23 Postings
The Only Gaston
01
11.8.2010, 13:54
"kleine" Anmerkung

Das CE-Zeichen ist KEIN Qualitätsmerkmal!

Mit der CE-Kennzeichnung stellt ein Hersteller lediglich die KonformitätsVERMUTUNG seines Produktes mit den (derzeit gültigen) EU-Richtlinien an. Um einem Produkt ein CE-Zeichen aufzudrücken, bedarf es keiner einzigen Prüfung! Manche Waren aus Fernost waren auch schon CE-gekennzeichnet unter dem "Vorwand", CE stehe nicht für "conformité européenne" sondern für "China Export" (siehe auch "CE-Kennzeichnung" bei wikipedia).

Ein Qualitätsmerkmal bei (Heim)Rauchmeldern stellt hingegen das "VdS"-Kennzeichen dar. Denn anders als bei der CE-Kennzeichnung müssen Rauchmelder mit VdS-Zeichen einer Prüfung beim "Verband der Sachversicherer" unterzogen werden.

fg
Andreas

master of desaster
00
Billig ist oft teuer

tja wer so billigen schrott vom baumarkt oder elektronikdiskonter kauft muss damit rechnen mitten in der nacht geweckt zu werden...wenn die batterie leer ist..mittlerweilen gibt es ganz gute rauchmelder mit lithiumbatterien die garantieren eine lebensdauer von 10 jahren und kosten zwei- bis dreimal soviel wie ein billigmelder...

kunterbunter
10
jo sin eh ganz praktisch...

aber wehe man putzt ned gleich wenn mal im backrohr danebentropft und raucht...a mortswirbel is das

peace & love
60
vorbereitungen ...

... für ein generelles rauchverbot.

tropfenzähler
23

bitte in jeden kommunalen Aufzug einen! damit die RaucherInnen in solchen kleinen Räumen die Luft nicht länger verpesten.

christian decker
25
bin ich froh

dass ich nicht der einzige bin, der mit einem knappen Herzinfarkt um 03:00 in der Früh versucht, die Batterien aus dem an der Decke hängenden Rauchmelder rauszubekommen...
Will ich nicht mehr, insbesonders weil das Ding wirklich laut ist....

Theodor Rahm-Schnitzl
11
Ich hab mir einmal..

..in den USA voll mitten in der Nacht in die Hosn gschissn weil der Alram losgegangen ist (ohne Grund) und ich einfach urlange gebraucht habe bis ich geschnallt hatte das das Scheissding einfach lonsging. Dann irgendwie mit Sessel an die Wand und Batterien raus. A Woansinn.

biggi729
00

wir hatten solche dinger, darunter einer im schlafzimmer. klar, dass der um 5 in der früh im hochsommer losgegangen ist, weils ihm scheinbar zu warm geworden ist ... hat mir glaub ich 5 jahre meines lebens gekostet :o(((
warum der überhaupt losgehen konnte ist uns bis heute ein rätsel. ein paar tage später sind aber noch 2 andere losgegangen. da haben wir sie dann weggeschmissen (glumpert made in china).

uinsel
00

die machen das als kleinen hinweis, wenn die batterien leer sind. die sind vermutlich nicht kaputt gewesen.

biggi729
00

nein, das batteriesignal wär ein anderes gewesen.

Alfred Jodelhuber
 
06

Wenn sich "die Sterblichkeit verbessert", dann sind mehr Leute tot.

suboptimal
 
13
ksch ksch

uinsel
02

ich war brav und hab mir rauchmelder zugelegt.

aber ich werd die dinger erst wieder anmontieren, wenn man nicht um 2 in der nacht terrorisiert wird, weil die batterie leer geworden ist und man noch halb blind auf irgendeinen sesselturm steigen muss, um das zeug im schlaftaumel wieder zu entfernen. (warum geht bei low battery nicht ein licht an?)

aber brendmelder wären schon fein, solangs bei der feuerwehr klingelt und net bei mir.

Deep Sky
01

Auch Brandmeldeanlagen mit Feuerwehranschluß (TUS) würden sie aufwecken. Es gibt keine Anlagen ohne lokalen Alarm. Bis die Feuerwehr da ist wär's für sie schon zu spät.

cu

uinsel
00

ja sie haben eh recht :( aber warum verursachen die einen herzinfarkt, wenn die batterie leer wird? erstens kostet das vermutlich batterieleistung und zweitens reicht eine diode, die rot leuchtet völlig aus.

auch das kann man in der nacht gut erkennen.

(zipft mich übrigens auch bei meinem handy an, dass wenn die batterie leer wird das ununterbrochen piepst wodurchs nur gleich noch schneller leer is.)

Hitower3
04
Zitat:

"aber brendmelder wären schon fein, solangs bei der feuerwehr klingelt und net bei mir."

Das heisst, sie werden lieber von der Feuerwehr geweckt, wenn die Batterie leer ist?

uinsel
00

oh gott. daran hab ich noch garnicht gedacht. aber hey, mir ist lieber ein sexy feuerwehrmann steht in meinem schlafzimmer und serviert mir frühstück, als mein herz rutscht in die hosen nach einer lärmattacke.

Kasperltheater
00
nachdem

er die wohnungstuer mit der axt geoeffnet hat?

maverick
01
ok...

...das mit der Schlafstörung durch Batterie Aus, finde ich mehr als doof. Aber, dass es nicht bzw. nicht nur bei der Feuerwehr klingelt hat einen ganz simplen Grund: SIE! Denn Sie sollten in der Lage sein rechtzeitig die Wohnung zu verlassen. Von der Alarmierung bis zum Einsatzort braucht eine gute Berufsfeuerwehr mindestens 5 höchstens 10 Minuten. Damit ist aber noch nicht gesagt, dass die in der Zeit auch bei Ihnen in der Wohnung stehen und Löschen o.ä. können.

Sand
00
Nicht geizig sein und

Litiumbatterien verwenden. Halten im Rauchmelder garantiert mindestens 10 Jahre. Gute Nacht!

klukom
00
Im Gegenteil - Lithiumbatterien sind din dieser Anwendung sogar die billigsten.

kaum Selbstentladung, mehr Kapazität (3x 3V Zellen statt 6x1.5V), dadurch in Folge seltener wechseln, damit weniger ungenutzte Restkapazität, geringerer Wartungsaufwand, ...
.. von der erhöhten Sicherheit ganz zu schweigen.

OGHaha
01
Ich hatte einige in den Neuzigern bei Zgonc gekauft und in Betrieb.

Die haben nach und nach eines Tages Daueralarm gegeben und waren auch nach etlichen Austausch und Reparaturversuchen nicht mehr abzustellen.

War mir dann zu blöd und ich hab das Zeug wieder abgeschafft.

Bin jetzt 60, hab noch keinen wirklich gebraucht und bin damit bereit das statistische Risiko weiter einzugehen.

klukom
00
Staub auf dem Sensor ?

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