Neustart nach dem Absturz von System Haider

5. August 2010, 17:00

Die Causa Haider birgt die Chance, der österreichischen Politik zu einer neuen Ernsthaftigkeit und Redlichkeit zu verhelfen: Bedingung dafür wäre eine juristische und politische Aufarbeitung dieser Epoche

Claudia Bandion-Ortner ist am Rande des Beachvolleyball-Turniers in Klagenfurt dem Ö3-"Mikromann" in das Mikrofon gelaufen. Was bei dieser Sportart "baggern" bedeute, hat er die Justizministerin gefragt, woraufhin sie etwas von "schmerzhaften Erfahrungen" sagte. Tröstlich immerhin, dass selbst Sportkapazitäten wie Hannes Kartnig oder Toni Polster nicht wirklich Klügeres zu sagen hatten.

So etwas kann einem schon einmal passieren, das Problem ist ein anderes: Wenn es am vergangenen Wochenende einen Ort gab, an dem die Justizministerin weniger verloren hatte, dann war es der Baggerplatz am Wörthersee. Zweifellos wird dort alljährlich hochklassiger Sport geboten, es sind viele ehrenwerte Menschen zugegen, auch an der ausgelassenen Stimmung ist nichts auszusetzen, und selbstverständlich muss Politik auch andere Terrains aufsuchen. Und dennoch: Mit etwas weniger Zug zur Schickeria und etwas mehr politischem Gespür hätte die Ministerin auf dem Weg nach Kärnten kehrtgemacht, spätestens dann, als die Profil-Vorausmeldungen über die angeblich von Jörg Haider in Liechtenstein gebunkerten Millionen verbreitet wurden.

Es musste Bandion-Ortner klar sein, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Leuten begegnen würde, die in diese Causa verstrickt sind. Oder die sich jedenfalls in diesem Biotop tummeln, in welchem über die Jahre offenbar allerhand Zwielichtiges prächtig gediehen ist. Zu einem solchen Milieu Distanz zu halten, ist die Pflicht einer Justizministerin.

Politik als Spektakel

Beachvolleyball am Wörthersee steht auch für die Kärntner Spaßgesellschaft, vergleichbar nur mit dem Villacher Fasching. Da wie dort wird einer unbeschwerte Leichtigkeit gefrönt, die sich mit fatalen Folgen in der österreichischen Innenpolitik ausgebreitet hat: Politik als permanentes Spektakel und als Antithese zum Herkömmlichen, Unaufgeregten, Unspektakulären. Haider hat dieses System eingeführt und perfektioniert. Er hat sich nicht nur des Tabubruchs, der persönlichen Anfeindung und der Hetze bedient, er hat Politik auf eine Ebene der Unernsthaftigkeit verlagert und so jeder seriösen Auseinandersetzung entzogen.

Symptomatisch dafür war das fröhliche Ortstafelversetzen, zu dem Haider, assistiert von seinem späteren Nachfolger Gerhard Dörfler, seinerzeit ausgerückt ist, um sich seinen Spaß mit dem Rechtsstaat zu machen. Vom Bundespräsidenten und vom Verfassungsgerichtshof abwärts hat sich die Republik jahrelang an dieser Provokation abgearbeitet - bis heute vergebens, weil eigentlich alles gar nicht politisch gemeint, sondern nur Blödelei war.

Der Kampf gegen zweisprachige Ortstafeln bediente klarerweise dumpfe Ressentiments; Zweck war aber auch die Vernebelung, die Ablenkung vom Eigentlichen, auch von den dubiosen Machenschaften, die nunmehr zuhauf ruchbar werden.

Da mögen sich die mitunter über beide Ohren im Sumpf steckenden einstigen "Buberln" , Wegbegleiter, politischen Erben und Lebensmenschen Haiders noch so sehr über die Medien empören, die Kärntner Soße stinkt gewaltig. Wobei das alles nicht sonderlich überrascht.

Darin, in der Gewöhnung an das Skandalöse, liegt zugleich die große Gefahr. Um das zu verhindern, ist die juristische und politische Aufarbeitung dieser Epoche unverzichtbar. Allen voran müsste sich die ÖVP einer restlosen Aufklärung verpflichtet fühlen. Immerhin hat sie das System Haider in Regierungsverantwortung gehievt. Ihre Motivation, jene Auswüchse der schwarz-blauen Jahre aufzurollen, ist jedoch naturgemäß gering. Sie wird sich nicht eingestehen wollen, ihren damaligen Koalitionspartner und dessen negativen Einfluss auf die politischen Sitten falsch eingeschätzt zu haben.

Umso mehr muss die SPÖ dahinter sein und die Sache vorantreiben. Dies weniger im eigenen, parteitaktischen Interesse, sondern weil der Beweis zu erbringen sein wird, dass der Rechtsstaat intakt ist. Zweifel daran sind angebracht.

Gescheitertes System

Darüber hinaus geht es vor allem um die Wiederherstellung eines öffentlichen Bewusstseins dafür, dass eben nicht alles geht, was nur frech genug ist. Es sollte sich im Lichte der aktuellen Enthüllungen die Erkenntnis breitmachen, dass hier ein System moralisch und politisch gescheitert ist. Dass Aktionismus und Klamauk, Schmäh und Krawall nicht seriöse Politik ersetzen können. Dass Demokratie mühsam ist und Redlichkeit erfordert. Dass Ernsthaftigkeit nicht unmodern ist und keinesfalls gegen den Zeitgeist verstößt. Insofern ist der krachende Niedergang des Systems Haider die Chance für einen Neustart. (Gerhard Marschall, DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2010)

Gerhard Marschall (57), ehemals Innenpolitikjournalist, ist Pressesprecher von Barbara Prammer (SPÖ), Präsidentin des Nationalrates.

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    Die Tibetanische Gebetsmühle
     
    03
    Wenn die Frau Prammer im Standard Ihre Meinung kund tun will, warum macht sie es nicht selbst, sondern läßt schreiben?

    Josef Weinheber
    00

    Was zahlt der Unterberger für diese Werbung?

    paulus rainer
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    "Inhaltlich ist der Text eine einzige wüste Suada gegen Justizministerin Claudia Bandion-Ortner:

    Das darf natürlich im Prinzip jeder - nur nicht die Stimme eines zur Neutralität verpflichteteten Staatsorgans (Prammer). Zumindest, wenn dieses Staatsorgan einen Rest an Anstand hätte.
    Der Text selbst ist das übliche wirr-linke Gemisch und Gewäsch von absurden Andeutungen und scheinheiligen Moralisierungen. Motto: Schwarz-Bau war der Sittenvefall und mit Rot ist endlich wieder die Anständigkeit eingekehrt. Der Kern der krausen Argumentation: Frau Bandion hätte nicht zu einem Beachvolleyball-Turnier nach Kärnten fahren dürfen, weil dort vielleicht auch Leute sind, die vielleicht mit den von Jörg Haider vielleicht in Liechtenstein gebunkerten Millionen zu tun gehabt haben könnten."
    A. Unterberger

    Josef Weinheber
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    Scheint da hat ein Werfel aus Unterbergers Umfeld, der zu dämlich oder faul für eigene Texte ist, die Kopiermaschine angeworfen.

    Die Tibetanische Gebetsmühle
     
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    Ja das sitzt.

    upper secret
    01
    mit wem hat die frau justizminister in kärnten konspiriert?

    warum soll eine justizministerin nicht nach kärnten fahren?
    gibt es wieder die sippenhaftung, diesmal mit umgekehrtem politischen vorzeichen?

    kärnten ist also ein biotop in dem zwielichtiges prächtig gedeiht. wie kommen die kärtner dazu, sich pauschal so hinstellen zu lassen, nur weil ein teil von ihnen einmal haider gewählt hat?

    träfe eine solche unterstellung nicht auch auf wien und ganz überhaupt auf den rest der welt zu?

    bitte konkrete hinweise auf wirkliche zwielichtige umtriebe der frau ministerin oder unterlassung einer solchen haltlosen diffamierung nicht nur einer person, sondern eines ganzen landes.

    und das ausgerechnet aus einer nationalratspräsidentenecke.

    Josef Weinheber
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    Der Frau Minister wurde nichts unterstellt sondern lediglich empfohlen.

    Die Tibetanische Gebetsmühle
     
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    Wölli!

    lalelu3
     
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    unter anderem

    steuerhinterziehung und illegale parteifinanzierung

    Die Tibetanische Gebetsmühle
     
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    Was war das jetzt nocheinmal, was man dem Haider strafrechtlich relevant vorhalten kann!

    Ich versteh die linke Aufregung hier, aber was hat der Haider jetzt nachweislich angestellt? Habe ich etwas nicht erfahren? Soweit ich in den Medien las, war das ganze Meischis Schall & Rauch.

    Gut, wie es ein politische System Haider gab, gab und gibt es auch ein anders politisch gefärbtes System (z.B.: Faymann oder Pröll; Anm.: grün ist nichts da außer Glaviosch... wie heißt die?).

    Wo liegt jetzt aber das Verbrechen, solange nicht bewiesen, oder leben wir in der Republik schon nach dem politischen Willkürprinzip.

    In dieser Hinsicht, ist dieser Artikel hier eine reine Hetzrede auf einen der sich politisch nicht mehr wehren kann. Tja, .....das hat Format.

    RichardRoe
    00
    14.8.2010, 09:06

    Er hat nachweislich die Hypo Alpe Adria als eine Art Privatbank für die Verwirklichung seiner ökonomischen, privaten und politischen Vorstellungen missbraucht, den Kulterer zur Bilanzfälschung gezwungen und damit dem Steuerzahler die Kleinigkeit von 3,7 Mrd Euro umgehängt.

    Aber das alles zählt bei der schrumpfenden Schar von Haider-Anbetern nicht.

    also dann ...
    30
    sie schreiben immer soviel ... und sagen so wenig !

    Die Tibetanische Gebetsmühle
     
    00
    Ich kann ja nichts dafür, wenn Sie an und für sich eh klare & banale Zusammenhänge nicht verstehen!!!

    lalelu3
     
    12
    unter anderem

    steuerhinterhinterziehung und illegale parteienfinanzierung. alles klar?

    Die Tibetanische Gebetsmühle
     
    11
    Anpatzen kann ich jeden, Beweise sollten ZUERST auf den Tisch.

    Diese Anpatzerei ist so eine Unkultur. So ähnlich wie Österreich bei der EU angepatzt wurde...... a sozi-stil offensichtlich.

    1116er
    00
    als (ex-)journalist sollten sie aber auch mal vor der eigenen tür kehren!

    denn das system haider war auch ein resultat des völligen versagens der "4. macht"!

    als kleines, aber symptomatisches beispiel:

    tv-journalisten, aber auch die kollegen aus dem print-sektor, wenn mal dabei, standen völlig hilflos einem phänomen gegenüber (ich weiss nicht, ob haider es erfunden hat, aber er perfektionierte es und nahezu alle machen es bis heute nach): der interviewer stellt eine frage, der interviewte beginnt mit "lassen sie mich zuerst folgendes festhalten..." und leiert dann seinen text zu etwas völlig anderem runter.

    es geht auch anders!
    als haider das bei sandra maischberger (damals ntv)versuchte, erklärte sie ihm unmissverständlich, er könne gerne statements abgeben. aber auf der anderen seite der studiotür!

    Tornos
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    Ähnlich verwirrt und plump im Benehmen war eigentlich nur noch die Frau Kdolsky (Schweinsbraten-Kochbuch). Also jetzt unter Ministern.

    Davon abgesehen hat die ÖVP noch coole andere Damen zu bieten!
    Damit wir es nicht vergessen: Frau Fuhrmann Silvia war fest überzeugt um 10,- Euro "gerade mal drei Wurstsemmeln" zu bekommen.

    Handarbeitsministerin Liesl Gehrer ... naja, muß man nicht eigens erwähnen!

    Die Tibetanische Gebetsmühle
     
    00
    LAAAAAUUUUUUURRRRRRAAAAAA

    Potz von Padnerham
    10
    Qualitätsjournalismus!

    "Es sollte sich im Lichte der aktuellen Enthüllungen "
    Welche Enthüllungen meint der Autor? Etwa jene die zu 100% auf Hörensagen beruhen? Wäre Haider am Leben, würde kein einziger Schmierfink auf der Basis der bestehenden "Faktenlage" es wagen, Anschuldigungen zu erheben. Er würde bei Gericht dafür jede Menge Links-Rechtswatschen ausfassen!

    Seria
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    ..aber da gibt es sicher welche, die sich sagen: der hat gepfuscht, ich kann das besser.
    Der Kärntner liest auch keine Zeitung, der Unglücksort sieht immer noch wie ein Friedhof zu Allerheiligen aus, es wurde aber auch schon ärgeren Tunichtguts nachgetrauert...

    SpaceDudeAlien
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    Jaja, Neustart - aha, ganz sicher...

    Die Verantwortlichen wissen nämlich nun ganz genau, warum die Sache aufgeflogen ist.

    Nächstes mal machen die es halt etwas cleverer, somit brauchts dann etwas länger bis die Sache herauskommt - mit etwas Glück vielleicht nie...

    Das ist die österreichische Lösung: Woanders kriegen solche Habara Handschellen, bei uns ein Mandat (plus Gehalt, plus Pension, plus Ansehen - na, das vielleicht doch nicht, aber wen kümmerts, ist dann eh schon zu spät).

    mfg.

    Die Tibetanische Gebetsmühle
     
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    Was kannst Du rechtlich relevantes ihm vorwerfen?

    gaux0815
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    ob da ein simpler Neustart reicht,

    man müsste eher die ganze Maschine mit einem neuen Betriebssystem frisch aufsetzen ;)

    senf_drauf
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    Haiderloch statt Sommerloch

    dürfen wir uns nun in Zukunft auf ein alljährliches Haiderloch einstellen?

    pudelweiss
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    irgendwer oder irgendwas

    muß ja das Sommerloch der Medienmacher ausfüllen

    und das ist eben heuer das Nachheulen
    nach dem Liebling der Meidienmacher

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