Schneller Gewöhnungseffekt

5. August 2010, 14:50
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Maßnahme könnte bei Jugendlichen etwas bewirken

Wien - Eine Maßnahme wie die Einführung von einheitlichen Zigarettenpackungen, wie von der EU in Erwägung gezogen, würde einen "schnellen Gewöhnungseffekt haben". Das sagte die Psychologin Andrea Engleder vom Bundesverband der Österreichischen Psychologen (BÖP). Natürlich weckt Werbung, dazu gehört auch die Verpackung, emotionale Bilder, die durch eine einheitliche schwarz weiße Schachtel wegfallen würden. "Aber der Markt ist kreativ", betonte die Expertin.

So gibt es schon heute Packungen zum Umfüllen, wenn sich Raucher etwa von den Warnhinweisen über gesundheitliche Folgen des Tabakkonsums gestört fühlen. Bei Einführung von Einheitspackungen würden Konsumenten vermutlich vermehrt umfüllen - "und dann wieder coole Packungen haben", so Andrea Engleder.

Es würde auch kaum einen Unterschied auf das Suchtverhalten ausmachen, ob die Zigaretten offen angeboten werden oder sie der Verkäufer etwa auf Anforderung des Kunden hervor holen muss. "Produkte werden zum Beispiel im Supermarkt so platziert, dass sie ein Bedürfnis wecken", erklärte die Psychologin. "Bei Rauchern ist das nicht notwendig, sie gehen gezielt Zigaretten einkaufen. Das Bedürfnis ist bereits da."

Warnhinweise bewirken wenig

Andererseits könnte diese Maßnahmen bei Jugendlichen etwas bewirken, die noch nicht rauchen bzw. erst einsteigen. Darum wäre grundsätzlich die Einführung von Einheitspackungen "einen Versuch wert". Zugleich wies Andrea Engleder darauf hin, dass der Eindruck von etwas Verpöntem, "dieser halblegale Touch", gerade bei Teenagern einen zusätzlichen Reiz ausmacht.

Warnhinweise bewirken der Psychologin zufolge wenig. Andrea Engleder sprach in diesem Zusammenhang von Distanzierung und Verleugnung. "Wenn ich nicht bereits ein gewisses Leiden habe, sprechen mich solche Hinweise nicht an." Der Abhängige denke sich über Sprüche wie "Raucher sterben früher": "Kann sein, aber mich betrifft es nicht." (APA)

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