Bier im Gerede

Kriegs-Bier

6. August 2010, 17:27
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    foto: brauerei egg

    Milch wird zu Käse, Molke zu Bier.

Conrad Seidl über die Wiederentdeckung eines in Notzeiten geborenen Bieres

Im Bregenzer Wald haben die Bauern schon früh erkennen müssen, dass sie mit dem einzigen Pfund wuchern müssen, das sie haben: Der silofreien Milch. Die Kühe fressen hier alpine Kräuter und geben eine Milch, aus der sich ein durch die Vermarktung der Bregenzerwälder Käsestraße weit über die Region hinaus bekannter Bergkäse herstellen lässt. Dass der Bergkäse hervorragend zum in Vorarlberg vorherrschenden Spezialbier passt, ist aber nicht der eigentliche Grund, warum ich hier vom Käse schwärme.

Mit der Käseproduktion ist das nämlich so eine Sache: Man braucht etwa zwölf Liter Milch, um ein Kilo Bergkäse herzustellen - es bleibt die an Milchzucker und an Mineralstoffen reiche Molke übrig. Hat man zu viel davon, muss man sie aufwändig entsorgen.

Molke und Bier

Oder man macht daraus Latella. Doch das gibt's schon. Was es aber noch nicht (genauer: nicht mehr) gibt, ist ein Bier aus Molke. Irgendwann aber hat es das gegeben, in finsteren Kriegszeiten. Braumeister Hinrich Hommel von der Brauerei im Bregenzerwälder Ort Egg hat davon gehört - wie man's braut, ist aber offenbar in Vergessenheit geraten. Und da hat der junge Mann Erstaunliches geleistet, was weit über professionelle Neugier hinausgeht und weit in die kulturgeschichtliche Forschung geht: Er hat in Mitgliedslisten der Brauerberufsverbände nach Senioren gefahndet und angefragt, ob sie selber noch so ein Molkebier gebraut hätten. Tatsächlich fand sich ein Rezept, datiert vom 23. Januar 1944 - es konnte der Vergessenheit entrissen werden.

Das ist aber nur ein Teil der Leistung von Braumeister Hommel. Jetzt ging es daran, so ein Bier korrekt nachzuempfinden. Nicht weniger als 18 Anläufe hat er gebraucht, um sicherzustellen, dass seine Bierwürze und die alpine Molke auch einen wirklich harmonischen Geschmack ergeben. 6 : 5 ist das richtige Verhältnis; 25 Bittereinheiten, dargestellt mit Tettnanger Hopfen, sorgen dafür, dass der Milchzucker nicht hervorschmeckt, sondern nur Körper und Aroma in das leichte Bier (2,5 Prozent Alkohol) bringt. Viel mehr lässt sich Hommel nicht entlocken - denn sein Wellness-Bier (Motto: "Stark in den Mineralien, schwach im Alkohol") soll ja nicht zu leicht kopiert werden können. Sondern unter dem Namen "Wälder Senn" eine Alleinstellung behalten.

www.brauerei-egg.at

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Posting 1 bis 25 von 41
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LSDBlue
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Wenn dieses

Bier nur halb so gut schmeckt wie ein Vorarlberger Bergkäs, dann muss ich das unbedingt haben!

you dont see me
24

das produktdesign sieht aus als würde es im reichsgestaltungsamt entworfen worden sein.
der name des braumeisters würde passen

KTHXBYE
31

Wer die Plörre säuft, hat keine Selbstachtung.

Zinnmo
 
25

Solche unqualifizierten Kommentaren zeugen von wenig Selbstachtung.

Schon gekostet?
Ja? Dann bitte darstellen, warum es nicht schmeckt.
Nein? Dann kusch! Bleib schön im Schrbergartl und sauf Dein Massenbier aus der Heineckengruppe.

gensfleischs_erbe
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Molke ist eine Zuckerquelle

Süßmolke enthält etwa 5g/l Laktose, etwa Calcium und Reste an Peptiden (Eiweißteilchen). Wenn man jetzt die Laktose aufspaltet (wie bei laktosefreier Milch), hat man vergärbare Zucker. Am besten säuert man das Zeug noch mit ein wenig Sauermolke (enthält Milchsäure) an, damit keine schädlichen Mikroorganismen wachsen. Das kann man dann ganz normal mit Hefen vergähren. Wenn man möchte, könnte man so Wodka herstellen (oder Bio-Energie, was auch gemacht wird).
Das mit dem Molke-Eigengeschmack ist kein Problem, den kann man mit Adsorbtionsmitteln entfernen. Was mich stört, sind die so positiv ausgelobten Mineralien. Jeder Brauer ist froh, wenn er wenig Calcium im Wasser hat (Geschmack, Bierstein, Haltbarkeit).

Bierpapst
01

Natürlich kann man Lactose mit Lactase spalten und vergären - aber genau das ist nicht erwünscht. Sonst würde der Alkoholgehalt steigen, die Vollmundigkeit aber sinken. Überhaupt wäre der geschmackliche Beitrag dann geringer.
Hier soll aber die Lactose gerade den Mangel an Restextrakt in einem Leichtbier ausgleichen.

gensfleischs_erbe
01

Wäre es da nicht sinnvoller, beispielsweise ein Topinambur-Bier zu brauen? Das Inulin aus der Süßkartoffel ist ohne Inulinase auch unvergärbar, ist ein Ballaststoff und somit kalorienschonend und für Laktoseintolerante stellt es auch kein Problem dar. Und wenn es halt einen Vorarlbergbezug braucht, das Zeug wächst da auch.

Bierpapst
01

Ob's sinnvoll ist, weiß ich nicht - und ob es da nicht vielleicht unerwünschte Off-Flavors gibt (sollen bei Inulin eher nicht vorkommen, aber ich kenne keinen Brauversuch). Und natürlich kann man im Maischverfahren die Verzuckerungsrast überspringen und auf diese Art auch zu unvergärbaren Zuckern kommen. Wie das dann schmeckt, kennen wir von diversen alkoholfreien Bieren...

gensfleischs_erbe
00

Sie haben recht Herr Seidl, die Kunst besteht in diesem Fall die entsprechenden enzymatischen Prozesse dann zu unterbrechen, dass das Beste dabei herauskommt. Das heißt bei der klassischen Stärke wie auch beim Inulin die kurzkettigen Oligosaccharide zu erhalten, so dass die Vollmundigkeit erhalten bleibt und gleichzeitig die langkettigen zu vermeiden, dass es zu keinem Pappegeschmack kommt. Die Lösung läge für mich in getrennten Prozessen, Gärung zum einen und Teilverzuckerung zum anderen.

ramshackle
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Besser ein Stiegl kaufen.

gensfleischs_erbe
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Jo eh, oder ein anderes köstliches Bier, bei dem der Zucker wenigstens aus der Gerste oder zumindest aus einem heimischen Getreide (Weizen, Roggen, Dinkel) kommt.

Pumuckel Salzstreuer
01
Milchzucker?

Heisst dass, das dieses Kuriosum auch all jenen Bauchweh bereitet, die unter Laktose-Intoleranz leiden?

Lieber Bierpapst - ein Wort zum Geschmack wuare doch angebracht? Oder schmeckt's noch schlimmer als es klingt? Bin mir nicht ganz sicher, ob ich das kosten will - nur weil man's machen kann muss man's doch eigentlich nicht, oder?

Verena Berg
 
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also... für mich wär dieses Bier dann klar nichts ^^

DagmarRehak
 
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Wenn die Laktose zu Alkohol vergoren ist, kriegt natürlich niemand mehr Bauchweh davon.

Miss Deutung
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Ja, aber nur bei vollständiger Vergärung.

Bierpapst
12

Bittschön: Die geschmackliche Beurteilung steht ja in der Story: Es ist in Relation zum geringen Alkoholgehalt ausgesprochen vollmundig, ohne dabei süßlich zu schmecken. Wenn man's nicht wüsste, würde man es blind verkostet für ein 12-grädiges Lagerbier halten.
Und: Ich bin überzeugt, dass man beim Bierbrauen Experimente wagen sollte. Sonst gibt es keine Innovation. Das Ergebnis in diesem Fall ist ein sehr trinkbares alkoholarmes Bier - und das ist eine doch sehr wünschenswerte Innovation.

Abernein
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Und, wie schmeckt's?

exilkaerntner
01
kommt das bier auch nach wien??

oder bleibt es dem kanton übrig vorbelassen es zu geniesen. ;)

Bierpapst
01

Wien könnte schwierig sein: Denn die Brauerei Egg darf ihre Egger-Marke meines Wissens nur im Ländle nutzen, während einige (ich weiß nicht ob es alle sind) andere Bundesländer der Egger-Brauerei in Niederösterreich (ehemals Tirol) als Vertriebsgebiet gesichert sind.

Kelborn
00
29.8.2010, 11:25

das ist sogar in Vbg. schwer zu bekommen. Die Brauerei Egg ist extrem innovativ aber dennoch sind ihre Biere nicht sehr verbreitet.

Bierpapst
00
29.8.2010, 20:56

Ja, das Bier gibt's vor allem im Bregenzerwald. Und: Der Wälder Senn war kurz nach Erscheinen des Artikels ausverkauft, jetzt ist der zweite Sud im Handel (gestern gab es Kostproben beim Sutterlüti) und der dritte wird demnächst abgefüllt, hat mir der Braumeister erzählt.

exilkaerntner
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dann wird wohl ein kurzurlaub im ländle anstehen! ;)

danke für die info!

Ava Tar
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In UK kommt das Billigbier zurück

in den 1960ern nahezu ausgestorben feiert es jetzt fröhliche Urständ. Wenig Alkoholgehalt und günstig im Preis hatte es nur in den Industriearbeitervierteln wie in Manchester überlebt. Jetzt steigt wieder die Nachfrage.

Bierpapst
02

Ja, leider. Das zerstört auch die britische Pub-Kultur. Bis vor 20 Jahren kostete Bier im Supermarkt so viel wie im Pub, da gab es keinerlei Anreiz, daheim zu saufen. Jetzt kaufen die Leute Alkohol im Handel, besaufen sich und kommen nach langem Vorglühen in die Ausgeh-Zonen, wo sie wenig Umsatz aber viel Randale machen.

Don Flamenco
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stellt sich die frage wer jetzt an der misere schuld ist?

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